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Imam tritt zurück – und nach

Der Imam der Frankfurter Hazrat-Fatima-Moschee, Sabahattin Türkyilmaz, ist nach Vorwürfen des Antisemitismus am Sonntag zurückgetreten. In seiner Erklärung allerdings legt der Imam nochmals nach – er sei in eine "Falle der Zionisten" getappt.
Von PRO

Foto: HR/defacto

Zuerst wurde die Kritik am schiitischen Imam laut, nachdem das Magazin "defacto" des Hessischen Rundfunks Anfang Februar berichtete, er habe an israelfeindlichen Demonstrationen in Berlin teilgenommen. Zwischen den Jahren 2001 und 2007 soll er an Al-Quds-Demonstrationen in Berlin beteiligt gewesen sein, auf denen anti-israelische Parolen wie "Tod, Tod Israel" gerufen wurden. In einer Szene ist Türkyilmaz zu sehen, wie er in ein Megafon auf Arabisch "Wir gehören zur Gemeinschaft der Hizbollah!" ruft.

Dann wurde bekannt, dass Türkyilmaz wiederum zum Al-Quds-Tag am 18. September 2009 eine Freitagspredigt gehalten hatte, in der er bedauert, dass Muslime nicht der Aufforderung des iranischen Revolutionsführers Ayatollah Khomeini gefolgt seien, "Palästina" von der israelischen Besatzung zu befreien. Im anschließenden Gebet heißt es: "Möge Allah das besetzte Palästina aus den Händen der Zionisten befreien."

Zahlreiche Vertreter aus Politik, Kultur und Kirchen kritisierten den Imam. Am Sonntag reagierte Türkyilmaz und veröffentlichte im Internet eine Erklärung. Darin  heißt es zum Schluss:  "Zum Schutz der Gemeinde, der gesegneten Moschee, zum Schutz aller beteiligten Familien, der Muslime der Stadt und zum Schutz des – wenn auch nunmehr beschädigten – Dialogs trete ich mit sofortiger Wirkung von allen meinen Posten im Zusammenhang mit der Fatima Zehra Moschee zurück."

Türkyilmaz sieht "Meinungsunterdrückung" und "Medienkampagne"

In seiner Erklärung, die auf der Webseite www.muslim-markt.de veröffentlicht wurde, beruft er sich auf die Meinungsfreiheit im deutschen Staat, die "im Grundgesetz verankert und garantiert" sei. Türkyilmaz, der aus dem Iran stammt, hatte sowohl seine umstrittene Predigt als auch seine Besuche in Berlin anlässlich des Al-Quds-Tages unternommen. Der geht auf Ayatollah Khomeini zurück, der 1979 im Iran die Islamische Republik ausrief. Nach einer vom "American Jewish Committee" in Auftrag gegebenen Expertise gelte die Demonstration zum Al-Quds-Tag als "antisemitische iranische Regierungspropaganda" und stehe für die Forderung zur "Auslöschung des zionistischen Staates". Zu seiner engen Verbindung zur Islamischen Republik sagt der schiitische Imam: "Ist es nicht selbstverständlich, dass ein Geistlicher Beziehungen zu höherrangigen Geistlichen in der ganzen Welt pflegt?"

Türkyilmaz beruft sich in seiner Erklärung mehrfach auf die Meinungsfreiheit und das deutsche Grundgesetz: "Wann immer man dieses individuelle Recht einem Bürger unrechtmäßig entzieht und wer immer es auch tun möge, es würde sich um eine Unterdrückungsmaßnahme handeln, der man sich entgegen stellen müsste." Ihm sei diese Freiheit zur Meinungsäußerung entzogen worden, so Türkyilmaz, der bei der Kritik an seinen Al-Quds-Beteiligungen von einer "Unterdrückungsmaßnahme" und von einer "Medienkampagne" spricht. "Darf man in Deutschland nicht für das gemeinsame Miteinander von Juden, Christen und Muslimen in einem Staat eintreten?", fragt er.

Kritik an ihm sei "Falle der Zionisten" gewesen

Der Vorwurf gegen ihn, antisemitisch zu sein, sei eine "Falle der Zionisten, die jegliche Kritik am Zionismus mit dem Todschlagargument des Antisemitismus verhindern wollen". Die Gleichsetzung von Antizionismus mit Antisemitismus sei eine Form der Meinungsunterdrückung.

"Die gesamte Kampagne gegen meine Person reiht sich nahtlos in den Rahmen des neuen Feindbildes Islam und Muslime in Deutschland und Europa." Doch Türkyilmaz warnt, dass "der Fortbestand der europäischen Gesellschaften ohne Muslime nicht mehr sicher zu stellen" sei. So seien etwa die "zukünftigen Renten auch durch muslimische Arbeiter sichergestellt".

Er bleibe dabei, dass Israel "seit Jahrzehnten eine Besatzungsmacht" sei. Er selbst jedoch setze sich "für Frieden auf Basis von Gerechtigkeit" ein. Er trete zurück in dem Wissen: "Gott bedarf meiner nicht, für welche Aufgabe auch immer (…)." Er fügt hinzu: "Ich bete zum Allmächtigen, dass alle unter Unterdrückung leidenden Menschen bald Befreiung erlangen werden. Ich bete zur Quelle aller Gnade, dass Er die Menschheit schon bald mit Seinem Erlöser gnadenreich beglücken werde, damit Gerechtigkeit wieder ein Wert wird, der Einzug in die Welt erhält. (…) Der Friede sei mit jenen, die der Wahrheit folgen." (pro)
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