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Im begnadeten Dienst am Menschen

Vor 100 Jahren, am 21. März 1913, hat Albert Schweitzer das „Urwaldhospital“ im afrikanischen Lambarene gegründet. Dafür gab der evangelische Theologe, Philosoph und Mediziner ein bequemes Gelehrtenleben in Europa auf.
Von PRO

Foto: Albert Schweitzer Zentrum

Das Hospital ist nach Ansicht des Theologen Friedrich Schorlemmer ein „Symbol, das bleibt“. Damit meint der Schirmherr des Albert-Schweitzer-Jubiläumsjahres 2013 die bleibende Verantwortung reicher Länder gegenüber armen. Er rief dazu auf, Lambarene weiterhin zu unterstützen. Es sei „ein Beispiel dafür, wie ein Einzelner mit großem Einsatz, aber eben auch mit Kompetenz ein Hilfsprojekt aufgebaut hat, das nun schon fast über 50 Jahre auch ohne ihn weiterarbeitet“.

Heute sind in Lambarane 7 Ärzte und 80 Mitarbeiter beschäftigt, die pro Jahr etwa 2.000 Operationen durchführen. Außerdem gibt es vor Ort ein Zentrum zur Erforschung für Tropenkrankheiten und ein noch von Schweitzer gegründetes Dorf für Leprakranke. Das Krankenhaus klagt allerdings über die personelle Unterbesetzung. Viele Ärzte zögen das Leben in der Hauptstadt Libreville dem unbequemen Leben „im Busch“ vor.

Geradlinig auf vielen Wegen

Eben dieses nahm Schweitzer auf sich, um Menschen in Afrika medizinisch zu versorgen. Dafür gab der Straßburger Neutestamentler und Orgelvirtuose ein Gelehrtenleben in Europa auf. Doch was nach einem Bruch in der Biographie aussieht, war von langer Hand geplant. Der 1875 geborene Pfarrsohn hatte bereits an Pfingsten 1896 den Beschluss gefasst, sich nur bis zum Alter von 30 Jahren mit Wissenschaft und Kunst zu beschäftigen. Als klassischer Gelehrter sah er sich ohnehin nicht, er wollte sich vielmehr einem „unmittelbaren menschlichen Dienen weihen“.

Angesichts dieses Lebensplans können die früheren Lebenstationen kaum als „Umweg“ gelten, wenn sie auch wenig mit dem Arztberuf gemein haben: Der Pfarrsohn befasste sich zunächst mit Theologie und Religionsphilosophie, promovierte über den Philosophen Immanuel Kant und später mit einer Arbeit, die dann als „Geschichte der Leben Jesu-Forschung“ bekannt wurde. In dem bis heute wichtigen Werk neutestamentlicher Theologie kritisiert er die Versuche, eine Biographie Jesu zu schreiben. Die Autoren verfärbten das Leben Jesu mit ihren jeweiligen weltanschaulichen Vorlieben.

Schweitzer beschäftigte sich außerdem mit dem Komponisten Johann Sebastian Bach (1685-1750), über den er 1905 beziehungsweise 1908 für das deutsche Publikum ein Buch veröffentlichte. Der Hang zur Musik zeichnete sich früh ab: Schon im Alter von neun Jahren vertrat Schweitzer den Organisten seiner Heimatgemeinde Günsbach im Elsass. Seine Begabung vervollkommnete er zur Virtuosität. Außerdem war Schweitzer ein gefragter Experte für Orgelrestauration.

Von 1905 bis 1913 schließlich, während er als Theologie-Dozent arbeitete, studierte Schweitzer Medizin und brachte es auch in diesem Fach zu akademischen Ehren. Damals drangen Nachrichten vom medizinischen Notstand in den afrikanischen Kolonien nach Europa, die für Schweitzer Anlass waren, sich als Arzt in Afrika zu engagieren. Nachdem er 1912 Helene, Tochter des deutsch-jüdischen Historikers Harry Bresslau, heiratete, zog er zusammen mit seiner Angetrauten als Arzt nach Gabun, das damals Teil von Französisch-Äquatorialafrika war.

Unterbrochen doch unermüdlich

Doch kaum hatte er dort in Form eines Krankenhauses die ersten Anfänge zur medizinischen Versorgung der dortigen Bevölkerung gelegt, setzte ihn die französische Armee mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges als Deutschen und damit als „Feind“ unter Hausarrest. Im Jahr 1917 überführte sie das Paar nach Frankreich. Nach einer kurzen Haft war er wieder als Pfarrer in Straßburg tätig, kehrte 1924 aber zurück zu seinem „Urwaldhospital“, das er wieder auf- und ausbaute. Mit Vortrags- und Konzertreisen in viele Länder sammelte er die dafür notwendigen Gelder.

Endgültig bekannt wurde Schweitzer, als er 1953 den Friedensnobelpreis erhielt. Der pazifistische Denker warnte bereits 1932 in einer öffentlichen Rede in Frankfurt vor den Gefahren des Nationalsozialismus. Nach dem Zweiten Weltkrieg mahnte er zusammen mit dem Physiker Albert Einstein und dem Philosophen Bertrand Russel die Gefahren des atomaren Wettrüstens an und trat für den Weltfrieden ein. Im Jahr 1965 starb er in Lambarene.

Umstrittener Denker

Aus christlicher Sicht darf Schweitzer als umstrittener Denker gelten. Die evangelische „Pariser Mission“, in deren Auftrag er als Arzt nach Afrika ging, verbot ihm, dort zu predigen, weil er ihr aufgrund seiner liberalen Theologie als „Atheist“ galt. Für seine Ethik, die er mit der Wendung „Ehrfurcht vor dem Leben“ charakterisiert, und in der er dazu auffordert, hilfsbedürftigen Völkern Hilfe zu bringen, greift er auf unterschiedliche Glaubens- und Denkrichtungen wie Buddhismus oder Stoizismus zurück. Und ob sich aus den Evangelien nur die Botschaft der Liebe im Sinne eines „universalen Humanismus’“ entnehmen lässt, wie Schweitzer meinte, ist fraglich.

Immerhin ist Schweitzer mit seinem ethischen Anspruch für viele Deutsche ein Vorbild: Nach einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach zählt jeder vierte Deutsche Schweitzer zu den drei wichtigsten Vorbildern. (pro)

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