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„Ich wollte einen entspannten Abend erleben“

Wie der 39-jährige Pfarrer Steffen Kern spontan als ProChrist-Redner für den erkrankten Ulrich Parzany einspringen musste.
Von PRO

Foto: ProChrist

Vor Menschen stehen, frei sprechen, predigen: „Ein Pfarrer muss so etwas können“, sagt Steffen Kern und lacht. „Klar, und es kann auch sein, dass man aus dem Stegreif mal eine Andacht zu einem Bibeltext halten muss.“ Doch das, was der 39-jährige Pfarrer und Journalist in diesen Tagen in Stuttgart erlebt, „ist eine wirklich einzigartige Erfahrung.“

Noch immer hat er „nicht ganz realisiert“, was ihm da am vorigen Sonntagabend passiert ist: Kurz vor dem Start der zentralen Auftaktveranstaltung des Glaubensfestivals ProChrist 2013 in der Stuttgarter Porsche-Arena erleidet der vorgesehene Hauptredner Ulrich Parzany eine Kreislaufschwäche. 4.000 Besucher sind in die Arena geströmt. Parzany wird zur Behandlung ins Krankenhaus gefahren. Und dann muss schnell Ersatz her: Steffen Kern ist zur Stelle. Er predigt frei – zu hundertausenden Menschen. Denn ProChrist wird via Satellit live übertragen in 550 Städte in Deutschland und in weitere 350 Orte in insgesamt 17 Ländern.

„Hat jemand eine Bibel?“

„Ich war eigentlich gekommen, um einen entspannten Abend zu erleben“, berichtet Kern hinterher. Der Vorsitzende des Evangelischen Gemeinschaftsverbands Württemberg der „Apis“ (früher: Altpietisten) zählt zum Leitungskreis von ProChrist in Stuttgart und ist auch Vorstandsmitglied auf Bundesebene. Vor vier Wochen wurde er in ein fünfköpfiges Evangelistenteam berufen, das nach dem einwöchigen Event in Stuttgart die Arbeit des langjährigen ProChrist-Leiters Ulrich Parzany (71) als Prediger übernehmen soll. „Aber dass ich so schnell und so spontan in diese Rolle schlüpfen würde, kam natürlich völlig überraschend“, sagt Kern.

Es ist 18 Uhr. In einem Besprechungszimmer am Rande der Porsche-Arena sitzt der Leitungskreis in lockerer Stimmung zusammen, um letzte Details zu besprechen. In 90 Minuten soll die Großveranstaltung beginnen. Ein Mitarbeiter kommt herein und sagt zu Steffen Kern: „Schnell, du musst die Predigt vorbereiten.“ Nicht einmal seine Aktentasche hat Kern dabei, und er fragt in die Runde: „Hat jemand eine Bibel und etwas zu schreiben?“ Dann ruft er seine Frau an und zieht sich zurück.

Variationen des Glücks

„Wo finden wir das Glück?“ – so lautet das Thema des Abends. „Für mich war das ein Gottesgeschenk“, sagt Steffen Kern, denn er hat 2009 ein Buch zum Thema geschrieben. Es heißt „Ich lebe gern – vom Glück eines gesegneten Lebens“.
Schon oft hat Kern die zentralen Gedanken seines Buches in Vorträgen ausgebreitet. Seine Frau sitzt inzwischen im Auto, um ihm das Manuskript in die Porsche-Arena zu bringen. Aber die Zeit rennt. Und irgendwie sind die schriftlichen Unterlagen nachher auch gar nicht mehr wichtig: „Ich habe kaum noch hineingeschaut“, sagt Kern.
Es ist kurz nach acht. Die Lightshow turnt über die Bühne. Der ProChrist-Chor schafft Atmosphäre. Links, im Schatten neben der Bühne, geht ein Mann langsam auf und ab. Hoch konzentriert. Wie geht es einem in dieser Einsamkeit, mitten unter Tausenden von Menschen? „Jetzt bin ich dran“, denkt Steffen Kern. Er hat die Bibel in der Hand, als er ans Mikrofon tritt.

Dann variiert er sein Thema Glück. Und er nimmt seine Zuhörer mit in die Familie, an den Arbeitsplatz, mitten ins Leben. Und er legt Wert darauf, keine falschen Versprechungen machen zu wollen. „Niemand hat das Glück abonniert“, sagt er eindringlich und erinnert an Ulrich Parzany, den er hier vertritt: „Wie gut, wenn wir in solchen Augenblicken neben guten Ärzten ein tragfähiges Fundament im Leben haben.“ Er blättert in der Bibel, liest ein paar Verse aus dem sechsten Kapitel des Lukas-Evangeliums. Hier stehen die berühmte Bergpredigt und die Seeligpreisungen von Jesus in Kurzform: „Glückselig seid ihr, die ihr arm seid. Glückselig seid ihr, die ihr weint. Denn ihr werdet lachen.“ Der Gedanke ist Kern wichtig an diesem Abend: „Glaube heißt nicht, alles in der Tasche zu haben. Glaube heißt, nichts in der Tasche zu haben!“ Glück, so sagt es Steffen Kern, ist „mehr als Reichtum, mehr als Sattsein, mehr als Erfolg.“

Hinterher die totale Erschöpfung. Und wenn Steffen Kern über diese Erfahrung nachdenkt, dann lacht er: „Dieser Sprung ins kalte Wasser hatte auch etwas Wohltuendes.“ Die Porsche-Arena war in gewisser Weise ein Heimspiel, Kern hat hier schon oft bei der Jahresversammlung der Apis gesprochen. Doch diese Augenblicke vor der „Glücks“-Predigt seien schon eine besondere Erfahrung gewesen: „Ich hatte gar keine Zeit zu zweifeln oder nachzudenken über die Zahl der Zuschauer oder: Schaff ich das? Ich wusste, Gott ist bei mir.“ Doch am Tag danach blickt Steffen Kern schon wieder nach vorn. Und zwar wieder hoch konzentriert: Am Montagnachmittag, kurz vor 15 Uhr, hat er erfahren, dass er Ulrich Parzany, der seine Infektion auskurieren muss, vorerst weiter vertreten wird.

Mit freundlicher Genehmigung des Reutlinger General-Anzeiger.

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