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„Ich will nicht provozieren“

Die schwedische Modedesignerin Maria Sjödin entwirft unter dem Titel „Casual Priest" Kleidung für Geistliche. Besonders Frauen im kirchlichen Dienst stattet sie mit Kleidern und Shirts inklusive dem typischen weißen Kollarkragen aus. pro hat Sjödin gefragt, warum Pastorinnen gut angezogen sein sollten und wo die Grenzen kirchlicher Mode sind.
Von Anna Lutz
Mode für Pastorinnen: Maria Sjödin aus Schweden will Frauen zu mehr Gleichberechtigung verhelfen - und zwar durch gutsitzende Kleidung

Foto: Maria Sjödin/ Casual Priest

Mode für Pastorinnen: Maria Sjödin aus Schweden will Frauen zu mehr Gleichberechtigung verhelfen – und zwar durch gutsitzende Kleidung

pro: Frau Sjödin, warum sollten Pastoren gut angezogen sein?

Maria Sjödin: Ich denke, es ist wichtig, dass die Menschen eine Verbindung zu ihnen aufbauen können. Immerhin haben Pastoren einen Beruf, in dem sie viele Kontakte knüpfen müssen. Wenn jemand seltsam aussieht, kann das eine Distanz zwischen ihm und den Menschen, die er trifft, schaffen. Wer sich aber gut fühlt, zum Beispiel, weil er gut aussieht, kann auch die Menschen um ihn herum dazu bringen sich gut zu fühlen. Ich habe den Eindruck, dass altmodische Kirchenkleidung eine Distanz schafft. Das berichten mir auch meine Kunden.

Maria Sjödin hat eine Nische entdeckt, die bisher kaum ein Modemacher bedient... Foto: Maria Sjödin/ Casual Priest
Maria Sjödin hat eine Nische entdeckt, die bisher kaum ein Modemacher bedient…
...sie entwirft unter dem Titel „Casual Priest Foto: Maria Sjödin/ Casual Priest
…sie entwirft unter dem Titel „Casual Priest” Kleider und Kollarhemden für weibliche Pastoren.
Maria Sjödin (hier im Bild) lebt in Stockholm Foto: Maria Sjödin/ Casual Priest
Maria Sjödin (hier im Bild) lebt in Stockholm

Sie denken also, althergebrachte kirchliche Trachten, etwa der Talar, sehen seltsam aus?

Nicht unbedingt, aber ich denke, ein schlechtsitzendes Shirt sieht seltsam aus.

Wann tragen Ihre Kunden die Kleidung, die Sie herstellen?

In den meisten Kirchen gibt es liturgische Kleidung. Die Geistlichen tragen meine Kleider oder T-Shirts untendrunter, also zunächst einmal nicht sichtbar. Aber sie benutzen sie auch in Meetings oder anderen Formen des kirchlichen Dienstes, zum Beispiel, wenn sie Krankenhäuser oder Altenheime besuchen. Darüber hinaus gibt es auch Kirchen ohne liturgische Kleidung. Dort trägt der Klerus nur das Kollarhemd.

Was ist der Unterschied zwischen der klassischen Pastorenkleidung und Ihrer?

Meine Kleidung ist modern, aber auch angemessen und professionell. Meine Mission ist es nicht, zu provozieren, auch, wenn manche denken, ich wolle das. Meine Materialien und Schnitte sind sehr schlicht. Der Hauptunterschied ist, dass die klassischen Kirchenkleider für Männer gemacht sind. Sie sind kastenförmig, aus Baumwolle oder Polyester. Ich mache hauptsächlich Kleidung für Pastorinnen. Damit habe ich angefangen, weil ich beobachtet habe, dass sich manche Frauen in ihrer Berufskleidung nicht wohl fühlen. Jetzt bitten mich auch immer mehr Männer, Shirts für sie zu entwerfen, also tue ich es. Mein Fokus sind aber Frauen.

Ist Ihre Herangehensweise also feministisch motiviert?

Das klingt ein bisschen eigenartig, aber die Antwort lautet: Ja. Ich möchte, dass Frauen sich in ihrem Beruf wohlfühlen, und ich habe erkannt, dass die Kirche wenig Erfahrung mit Kleidung für Frauen hat. Ich möchte Frauen stärken und ihnen Selbstbewusstsein geben, damit sie sie selbst sein können. Sie müssen nicht die Rolle eines männlichen Geistlichen übernehmen. Sie dürfen weiblich sein. Eine meiner Kundinnen sagte einst: Wenn deine Kleidung provoziert, weil sie den weiblichen Körper zeigt, dann ist es umso wichtiger, dass sie das tut. Denn klar zu machen, dass Frauen ein wichtiger Teil der Kirche sind, macht sie gleichberechtigt mit Männern.

Wie sexy darf Ihre Kleidung sein?

Ich möchte nicht, dass Pastorinnen sexy aussehen. Ich möchte, dass sie sich wohl fühlen. Sexappeal hat mehr mit der Person zu tun, die die Kleidung trägt, als mit der Kleidung selbst. Wenn jemand denkt, meine Kleidung sei zu aufregend, dann hat das vielleicht mit der Tatsache zu tun, dass die Menschen, die sie tragen, selbstbewusst sind und sich wohlfühlen.

Gibt es dennoch Grenzen, die Sie nicht überschreiten würden?

Ja. Ich hatte mal eine Kundin, die wollte ein rotes Top. Es hätte wunderbar ausgesehen. Aber es war farblich sehr nah an der Kleidung eines Kardinals. Ich habe mich auch dazu entschieden, die Farbe Pink nicht zu verwenden, weil es den Farben der Bischöfe zu sehr ähnelt. Ich denke, ich würde auch keine zu kurzen Röcke herstellen. Nicht so sehr, weil ich sie für zu aufregend halte. Aber sie würden eine Pastorin mädchenhaft aussehen lassen und ihre die Autorität nehmen.

Frau Sjödin, vielen Dank für das Gespräch!

Sie denken also, althergebrachte kirchliche Trachten, etwa der Talar, sehen seltsam aus?

Nicht unbedingt, aber ich denke, ein schlechtsitzendes Shirt sieht seltsam aus.

Wann tragen Ihre Kunden die Kleidung, die Sie herstellen?

In den meisten Kirchen gibt es liturgische Kleidung. Die Geistlichen tragen meine Kleider oder T-Shirts untendrunter, also zunächst einmal nicht sichtbar. Aber sie benutzen sie auch in Meetings oder anderen Formen des kirchlichen Dienstes, zum Beispiel, wenn sie Krankenhäuser oder Altenheime besuchen. Darüber hinaus gibt es auch Kirchen ohne liturgische Kleidung. Dort trägt der Klerus nur das Kollarhemd.

Was ist der Unterschied zwischen der klassischen Pastorenkleidung und Ihrer?

Meine Kleidung ist modern, aber auch angemessen und professionell. Meine Mission ist es nicht, zu provozieren, auch, wenn manche denken, ich wolle das. Meine Materialien und Schnitte sind sehr schlicht. Der Hauptunterschied ist, dass die klassischen Kirchenkleider für Männer gemacht sind. Sie sind kastenförmig, aus Baumwolle oder Polyester. Ich mache hauptsächlich Kleidung für Pastorinnen. Damit habe ich angefangen, weil ich beobachtet habe, dass sich manche Frauen in ihrer Berufskleidung nicht wohl fühlen. Jetzt bitten mich auch immer mehr Männer, Shirts für sie zu entwerfen, also tue ich es. Mein Fokus sind aber Frauen.

Ist Ihre Herangehensweise also feministisch motiviert?

Das klingt ein bisschen eigenartig, aber die Antwort lautet: Ja. Ich möchte, dass Frauen sich in ihrem Beruf wohlfühlen, und ich habe erkannt, dass die Kirche wenig Erfahrung mit Kleidung für Frauen hat. Ich möchte Frauen stärken und ihnen Selbstbewusstsein geben, damit sie sie selbst sein können. Sie müssen nicht die Rolle eines männlichen Geistlichen übernehmen. Sie dürfen weiblich sein. Eine meiner Kundinnen sagte einst: Wenn deine Kleidung provoziert, weil sie den weiblichen Körper zeigt, dann ist es umso wichtiger, dass sie das tut. Denn klar zu machen, dass Frauen ein wichtiger Teil der Kirche sind, macht sie gleichberechtigt mit Männern.

Wie sexy darf Ihre Kleidung sein?

Ich möchte nicht, dass Pastorinnen sexy aussehen. Ich möchte, dass sie sich wohl fühlen. Sexappeal hat mehr mit der Person zu tun, die die Kleidung trägt, als mit der Kleidung selbst. Wenn jemand denkt, meine Kleidung sei zu aufregend, dann hat das vielleicht mit der Tatsache zu tun, dass die Menschen, die sie tragen, selbstbewusst sind und sich wohlfühlen.

Gibt es dennoch Grenzen, die Sie nicht überschreiten würden?

Ja. Ich hatte mal eine Kundin, die wollte ein rotes Top. Es hätte wunderbar ausgesehen. Aber es war farblich sehr nah an der Kleidung eines Kardinals. Ich habe mich auch dazu entschieden, die Farbe Pink nicht zu verwenden, weil es den Farben der Bischöfe zu sehr ähnelt. Ich denke, ich würde auch keine zu kurzen Röcke herstellen. Nicht so sehr, weil ich sie für zu aufregend halte. Aber sie würden eine Pastorin mädchenhaft aussehen lassen und ihre die Autorität nehmen.

Frau Sjödin, vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Anna Lutz. Mehr Bilder von Maria Sjödans Kleidung gibt es hier. Sie präsentiert ihre Mode am 25. und 26. Mai zwischen 16 und 20 Uhr erstmals auch in Deutschland in der Open Walls Gallery in Berlin. (pro)

Von: al

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