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Hyperaktive sind häufiger internetsüchtig

Taiwanesische Forscher wollen herausgefunden haben, dass Hyperaktive, Männer, Depressive und Menschen mit Angst- und Aggressionsstörungen häufiger onlinesüchtig werden. Klar ist: Gerade das Online-Spielen ist eine der wichtigsten Freizeitbeschäftigungen junger Menschen. Ob es eine Sucht nach dem Internet überhaupt gibt, bleibt unter Medizinern allerdings umstritten.

Von PRO

Foto: Josh McConnell

Zwei Jahre lang beobachteten taiwanesische Wissenschaftler 2.000 Gymnasiasten ihres Heimatlandes und fanden heraus, dass psychische Faktoren häufig mit einer Internetabhängigkeit einher gehen. Mit Hilfe der sogenannten "Chen Internet Addiction-Skala" wurde zunächst ermittelt, ob die Probanden zu Beginn der Studie bereits Suchtsymptome vorwiesen. Das sei bei rund zehn Prozent der Schüler der Fall gewesen. Die restlichen 90 Prozent wurden weiter beobachtet. Wie die Internetseite "Telepolis" berichtet, stellten die Forscher fest, dass in diesem Zeitraum vor allem Menschen mit ADHS-Störung, dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom mit Hyperaktivität, Abhängigkeitsmerkmale entwickelten. Zu den besonders gefährdeten Gruppen gehörten außerdem Männer, Online-Spieler, Menschen, die das Internet jeden Tag oder mehr als 20 Stunden pro Woche nutzen, und solche mit Angst- und Aggressivitätsstörungen. Frauen sind laut der Erhebung dann besonders gefährdet, wenn sie depressiv sind oder unter Sozialphobien leiden. Die Studie wurde im amerikanischen Fachmagazin "Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine" veröffentlicht.

Als wichtigsten Faktor identifizierten die Forscher bei beiden Geschlechtern ADHS und eine gesteigerte Aggressivität. Die Internetnutzung spreche ADHS-Erkrankte besonders an, weil sie unmittelbare Belohnung verspreche und mehrere parallele Tätigkeiten ermögliche. Einen weiteren Grund für den Zusammenhang sehen die Forscher in der erhöhten Dopamin-Ausschüttung beim Spielen von Online-Games. ADHS-Kranke leiden in der Regel unter einem Mangel des Glückshormons. Zudem gehe ADHS oft mit einer leichten Störung der Impulskontrolle einher, die besonders betroffene Kinder anfälliger für eine Internetabhängigkeit machen könnte. Die Forscher schlagen deshalb vor, ADHS-Patienten bei ihrer Internetnutzung aufmerksam zu begleiten, fasst "Telepolis" zusammen.

Internetsucht bleibt umstritten

Dabei ist die Internetsucht nach wie vor ein umstrittenes Phänomen. Drei bis sieben Prozent der Internetnutzer gelten laut dem aktuellen Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung als onlinesüchtig. Diese Krankheit ist bisher kaum wissenschaftlich untersucht. Obwohl der Begriff seit Mitte der neunziger Jahre in Fachkreisen kursiert, ist Onlinesucht nicht als Krankheit anerkannt. Klar ist aber: Die Deutschen nutzen das Internet besonders gerne zum Zocken. Die sogenannte "Gamer-Umfrage 2009" des Portals "gameindustry" ermittelte jüngst, dass 65 Prozent der in Deutschland Lebenden mit Internetzugang Computer spielen.

Jugendliche zwischen 13 und 19 Jahren spielen pro Woche fast zehn Stunden – genauso lange, wie sie im Internet surfen und TV schauen. Die Deutschen spielen lieber als alle anderen befragten Nationalitäten PC-Games. Webseitenbasierte Strategiespiele wie "Die Stämme" oder das umstrittene "Pennergame" sind besonders bei Frauen beliebt: In der Altersgruppe von 20 bis 34 Jahre sind es 34 Prozent, bei den 35- bis 49-Jährigen 27 Prozent und bei den über 50-Jährigen 20 Prozent, die solche Angebote nutzen. Von allen befragten Frauen warten es 29 Prozent, bei den Männern 23 Prozent. 43 Prozent der 13 bis 19-Jährigen männlichen und 15 Prozent der weiblichen Jugendlichen sind regelmäßig in virtuellen Rollen-Spielwelten, etwa in "World of Warcraft", unterwegs. Für die Studie wurden 13.000 Personen in Deutschland, Belgien, Frankreich, den Niederlanden, in Großbritannien und in den USA befragt. (PRO)

http://archpedi.ama-assn.org/cgi/content/full/163/10/937?home
http://www.gamesindustry.com/company/542/service/1763
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