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Homosexualität: „Wir kriegen dich wieder hin“

Ein junger Christ in den USA sollte mithilfe einer speziellen Therapie von seinem Schwulsein geheilt werden. Evangelikale und ihr Umgang mit Homosexualität in den USA kommen in einer Reportage in der Schweizer Tageszeitung Tages-Anzeiger nicht gut weg.
Von PRO
Ist Homosexualität eine Krankheit? Spezielle Therapien, mit denen Homosexuelle geheilt werden sollen, stehen auch in Deutschland in der Kritik
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James Guay vertraut seinem Vater, Pastor einer evangelikalen „Megachurch“ am Rande von Los Angeles, im Alter von 16 Jahren an, dass er auf Männer steht. Schon lange hatte der Junge aus tiefgläubigem Elternhaus mit seiner homosexuellen Neigung gerungen – mit seinem christlichen Glauben war sie nicht vereinbar. Der Vater habe laut Tages-Anzeiger gepredigt, „dass Homosexuelle so schlimm sind wie Mörder oder Kinderschänder und dass ihnen ewige Verdammnis droht“. Im Gebet habe James Guay Gott angefleht, nicht mehr schwul zu sein. Der Pastor sei nach dem „Coming-out“ des Sohnes nicht zornig gewesen, eher liebevoll und besorgt. „Lass uns daran arbeiten“, habe James Guays Vater gesagt, „wir kriegen dich schon wieder hin.“ Ein christlicher Psychologe in Los Angeles habe ihn mit einer „Konversionstherapie“ heilen wollen – Homosexualität sei schließlich nur die Folge schädlicher Einflüsse, so der Mediziner. Der junge James war begeistert von der Aussicht, geheilt zu werden: „Ich war so glücklich, dass ich eine Kur gefunden hatte und dass ich nicht mehr allein war“, zitiert ihn der Tages-Anzeiger. Ihn habe die Hoffnung beseelt, bald ein normaler Teenager zu sein und ein Christ, der Gott gefällt.

„Konversionstherapien sind gefährlicher Unfug“

Der christliche Psychologe habe James Guay „reparieren“ wollen. Die Therapie habe darin bestanden, so zu tun, als sei er gar nicht schwul. Gleichzeitig habe der Therapeut nach einer „Ur-Wunde“ gesucht, die der Vater James in der Kindheit vermutlich zugefügt habe. Als Guay sagt, er sei vom Vater nicht vernachlässigt, geschlagen oder missbraucht worden, habe ihn der Psychologe aufgefordert, sich nur anzustrengen, dann werde er sich schon an etwas erinnern. Schulpsychologen hielten Konversionstherapien, auch Reparative Therapien genannt, für gefährlichen Unfug. Laut Tages-Anzeiger fehle aus Sicht der American Psychological Association jeglicher wissenschaftliche Beweis für einen Erfolg. Nachgewiesen seien jedoch Nebenwirkungen wie Depression, Suizidabsicht und Drogenmissbrauch bei jungen Betroffenen. Daher sei die Behandlung, die Gegnern auch als Kindesmissbrauch bezeichnet hätten, mittlerweile in mehreren US-Bundesstaaten verboten. Guay habe fortan versucht, ein Gott gefälliges Leben zu führen und gar nicht erst Verdacht zu erregen: „Ich war der Sohn eines Pastors, und ich wollte meinen inneren Makel ausgleichen, indem ich mich immer und überall wie der bestmögliche Christ benahm.“ Nach einem Jahr Therapie habe er sich selbst eingeredet, dass er sich für Frauen interessiert. „Ich war ein Schauspieler, aber nicht um zu täuschen, sondern weil ich mich so danach sehnte, ein Hetero zu sein“, sagte Guay gegenüber dem Tages-Anzeiger. Schließlich habe er sich eingestehen müssen, dass er die Rolle des „Ex-Schwulen“ nur spielt – mit Mädchen habe er noch immer nichts anfangen können.

Enormer Erfolgsdruck aufgebaut

Wegen seines Doppellebens habe sich Guay wertlos und von Gott verstoßen gefühlt. Der Psychologe habe ihm die „Ur-Wunde“ so eingeredet, dass er schließlich Groll gegen seinen Vater hegte: „Ich habe es meinem Vater übel genommen, dass ich so geworden bin“, sagte Guay dem Tages-Anzeiger, „es zeigt, dass die Therapie nicht repariert, sondern zerstört“. Konversionstherapien bauten zudem einen enormen Erfolgsdruck auf, warnen Experten laut der Zeitung. Deshalb täuschten viele Betroffene eine Heilung vor. Als er sich mit 20 Jahren im Studium in einen Mann verliebte, habe James Guay die Rolle des „geheilten Schwulen“ endgültig abgelegt. Seine Eltern hätten ihn vor die Wahl gestellt, entweder die Beziehung sofort zu beenden und erneut eine Therapie zu beginnen oder aus dem Elternhaus auszuziehen. James entschied sich für Letzteres. Heute lebt und arbeitet der 43-Jährige in West Hollywood als Ehe- und Familienberater in dem für seine Homosexuellenszene bekannten „Sunset Strip“. Mit seinem Vater habe er sich vor dessen Tod noch versöhnt. James habe einst Jesus angenommen und Jesus habe ihm vergeben. Deshalb komme er doch in den Himmel, habe der Vater auf dem Sterbebett gesagt.

„Homo-Heiler“ auch in Deutschland in der Kritik

Laut Tages-Anzeiger liegen die Ursprünge der Konversionstherapie im 19. Jahrhundert. Damals und noch bis Anfang der Siebzigerjahre des 20. Jahrhunderts hätten Wissenschaftler Homosexualität als krankhafte psychische Störung angesehen. Noch heute beobachteten tiefgläubige Evangelikale in den USA argwöhnisch, „dass Schwule immer mehr als normal gelten und immer neue Rechte einsammeln“, so die Zeitung. Manche Gläubige behaupteten, Schwule hätten sich diese Privilegien mit einer Lüge erschlichen: Dass ihre sexuelle Neigung angeboren sei und sie sich deshalb nicht ändern könnten. Mitte der 1970er Jahre fand eine medizinische Neubewertung statt: Schwule galten nicht mehr als krank. „Homosexualität ist keine Erkrankung und bedarf deshalb keinerlei Heilung“, bekräftigte der Weltärztebund während seiner Generalversammlung im Oktober 2013. Auch in Deutschland waren in der Vergangenheit immer wieder christliche Organisationen als vermeintliche „Homo-Heiler“ in die Kritik geraten. Sie versuchten Homosexuelle „umzupolen“. Dass es sich bei Homosexualität nicht um eine „Krankheit im medizinischen Sinne“ handelt, wie Bernhard Ritter, der Vorsitzende der „Gesellschaft für Lebensorientierung“ (LEO), in einer Stellungnahme erklärte, gilt aber selbst unter den christlichen Anbietern von Sexualethik-Beratung als Konsens. „Wir wollen weder homosexuelle Menschen heilen noch sie diskriminieren“, heißt es in einer Erklärung der „Offensive junger Christen“ (OJC). Der Vorsitzende des Weißen Kreuzes, Wilfried Veeser, hatte bei dem evangelikalen Kongress „Sexualethik und Seelsorge“ in Kassel im vergangenen Mai betont, dass auch nach Auffassung des Verbandes Homosexualität keine Krankheit sei. Dennoch gibt es Homosexuelle, die ihre eigene sexuelle Neigung „als nicht zu ihnen gehörend“ ansehen, schreibt LEO in einem Grundsatzpapier zur Einordnung von Homosexualität. Eine unerwünschte, „ichdystone Sexualorientierung“ sei als offizielle medizinische Diagnose anerkannt. Das der OJC angegliederte „Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft“ (DIJG), das Ratsuchende nach eigenen Angaben ergebnisoffen berät, sieht in einem Verbot der Therapie von ichdystoner Homosexualität eine Bevormundung jedes Ratsuchenden und damit einen massiven Eingriff in die Selbstbestimmungs- und Freiheitsrechte jedes Bürgers. Weiter heißt es in der offiziellen DIJG-Stellungnahme aus dem Jahr 2012: „Wir respektieren die Würde, Autonomie und den freien Willen jedes Menschen. Wir sind der Auffassung, dass homosexuell empfindende Menschen das Recht haben, eine homosexuelle Identität anzunehmen; sie haben aber ebenso das Recht, einen Weg der Veränderung zu gehen mit dem Ziel, ihr heterosexuelles Potential entfalten zu können“. (pro)
https://www.pro-medienmagazin.de/politik/detailansicht/aktuell/erstmals-schwulen-und-lesben-vertreter-im-zdf-fernsehrat-91577/
https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/detailansicht/aktuell/vorwurf-homosexualitaet-als-therapierbar-dargestellt-80674/
https://www.pro-medienmagazin.de/fernsehen/detailansicht/aktuell/wegen-schwulenheiler-einstweilige-verfuegung-gegen-ndr-89613/
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