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Homöopathie: Gefährlicher Aberglaube

All jene, die schon immer Bedenken gegenüber homöopathischen Heilmethoden hatten, dürften sich durch die aktuelle "Spiegel"-Titelgeschichte bestätigt fühlen. Den Recherchen des auflagenstärksten deutschen Wochenmagazins zufolge sind homöopathische Medikamente nicht nur völlig wirkungslos. Die Philosophie hinter dem Industriezweig ist auch noch esoterisch und birgt Gefahren für Leib und Leben.

Von PRO

Foto: pro

Im Artikel "Der große Schüttelfrust" zeigt der "Spiegel" die Ursprünge der alternativen Heilmethode, die weltweit Milliarden umsetzt. So beruhe die Homöopathie auf zwei Grundgedanken: Sie will Gleiches mit Gleichem heilen, Patienten werden also Wirkstoffe verabreicht, die bei gesunden Menschen eben jene Symptome auslösen, unter denen die Erkrankten leiden. Zum anderen würden die Wirkstoffe teilweise bis zum Verschwinden verdünnt und geschüttelt. Das Schütteln erfolgt von Hand und in Richtung des Erdmittelpunkts, die Verdünnung werde damit begründet, dass das Wasser ein Gedächtnis habe und der Wirkstoff selbst somit nicht in starker Form vorhanden sein müsse.

Obwohl der Zeitgeist heute längst nicht mehr so esoterisch sei, wie etwa in den siebziger und achtziger Jahren, boome die Homöopathie, heißt es im "Spiegel". Mehr als 3.000 Apotheker in Deutschland verfügten über eine Ausbildung in diesem Bereich, 6.712 Ärzte führten die Zusatzbezeichnung Homöopath, mehr als die Hälfte der gesetzlichen Krankenkassen erstatteten homöopathische Behandlungen, und 57 Prozent der Bevölkerung hätten bereits entsprechende Mittel eingenommen. Ganze 25 Prozent seien überzeugte Nutzer. Seit 1993 habe sich die Zahl der Homöopathen mehr als verdreifacht.

Fürs Handlesen, gegen Impfungen


Ein Besuch im "Samuel-Hahnemann-Haus" in Torgau, benannt nach dem Erfinder der Methodik, zeigt den "Spiegel"-Autoren, dass die Homöopathie nicht nur medizinische Lehren umfasst: "Der Büchertisch im Eingangsbereich zeigt das Spektrum der Esoterik: Neben (…) Werken wie ‘Homöopathie für Kinder’ finden sich hier Titel wie ‘Gute Laune kann man essen’, ‘Handlesen the easy way’, Impfungen – der Großangriff auf Gehirn und Seele’ oder ‘Krebszellen mögen keine Himbeeren – Nahrungsmittel gegen Krebs’." Der Homöopath Peter Alex erklärt im Artikel: "Nur wenn ein Tumor größer ist als eine Faust und beginnt zu zerfallen, muss er operativ entfernt werden." Gefährlich, so schreibt der "Spiegel", sei auch die "unter Homöopathen beliebte Impfgegnerschaft". Werde ein Kind nicht gegen Masern oder Wundstarrkrampf geimpft, könnten homöopathische Heilmethoden gegen die Krankheiten sogar tödlich sein.

Homöopathische Medikamente seien zudem oft teuer und nachgewiesenermaßen wirkungslos. So sagt etwa Jürgen Windeler, ab 1. September Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: "Die Homöopathie ist ein spekulatives, widerlegtes Konzept." Die Autoren einer Studie aus dem Jahr 2005 folgerten aus ihren Untersuchungen, "dass die klinischen Effekte der Homöopathie Placeboeffekte sind". Edzard Ernst, Professor für Komplementärmedizin im englischen Exeter sagt über Homöopathen: "Inzwischen bin ich mir sicher, dass viele lügen wie gedruckt." Sie führten die Leute hinters Licht – und zwar ganz bewusst. Seit mindestens zehn Jahren kämen alle gutgemachten Analysen einheitlich zu dem Ergebnis: Homöopathie hat keine medizinische Wirkung. "Wenn wir glauben, dass das Schütteln von Hochpotenzen heilt, wenn wir an die mystischen Kräfte und diesen ganzen Käse glauben, wenn die Menschen beginnen, wissenschaftliches Denken abzulehnen und der medizinische Aberglaube zurückkehrt, dann kappen wir unsere besten Traditionen, dann sind wir auf dem Weg zurück ins Mittelalter", sagt Ernst im "Spiegel". (pro)

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