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Holly ist kein Einzelfall

In Großbritannien hat sich eine 15-Jährige in den Tod gestürzt – vermutlich, weil sie in sozialen Netzwerken im Internet gemobbt wurde. Die tragische Geschichte von Holly Grogan ist kein Einzelfall: Immer wieder bringen sich Teenager um, nachdem sie online drangsaliert und verleumdet wurden. pro-Autor Moritz Breckner über eine Entwicklung, die "Spiegel Online" inzwischen als "Massenphänomen" bezeichnet. 
Von PRO

Foto: Spencer-E-Holta

Ihre Tochter sei eigentlich ein fröhliches Kind gewesen, sagten Anita und Steve Grogan dem britischen "Daily Telegraph". Holly liebte Sport, spielte Hockey, lief im letzten Winter noch Ski in Österreich. Weil sie an ihrer alten Schule häufig gehänselt worden sei, wechselte sie an die katholische "St. Edward’s School" in Cheltenham. "Wir sind zwar nicht katholisch", erklärten die Eltern der Londoner Zeitung "The Times". "Wir dachten aber, dass diese Schule Werte vermittelt, die hilfreich für Hollys Zukunft wären". Das Sozialverhalten sei dort auch besser gewesen, ihre Tochter habe viele Freundinnen und Freunde gehabt.

Dieser Eindruck spiegelt aber offenbar nur einen Teil von Holly Grogans Leben wieder. Am Abend des 16. September springt das Mädchen in der Nähe der Stadt Gloucester von einer Autobahnbrücke zehn Meter in die Tiefe und stirbt. Mittlerweile sieht es so aus, als sei das Kind durch Mobbing in der Schule und Beschimpfungen im Internet in den Tod getrieben worden. Eine Freundin erzählt dem Reporter des "Daily Telegraph", Mitschülerinnen hätten Holly gehänselt und ausgegrenzt – und vor allem im Internet beschimpft und verleumdet. Viele Mädchen hätten Hassbotschaften im "Facebook"-Profil der 15-Jährigen hinterlassen. Die Polizei hat das Profil von Holly Grogan inzwischen aus dem Netz genommen.

Die Eltern erklären sich die Sache so, dass Holly dem Druck und der Komplexität von sozialen Netzwerken im Internet nicht gewachsen gewesen sei. Wie die "Times" berichtet, appelliert die Familie nun an andere Eltern, mit ihren Kindern über die Gefahren von Mobbing auf Webseiten wie "Facebook" oder "MySpace" zu sprechen.

Holly ist kein Einzelfall

Holly Grogan ist nicht der erste Teenager, der sich wegen Mobbing-Attacken im Internet das Leben nahm. Erst vor zwei Monaten tötete sich die ebenfalls 15-jährige Megan Gillan mit einer Überdosis Medikamente. Zu dieser Zeit wurde eine 18-Jährige zu drei Monaten Jugendhaft verurteilt, weil sie einer Bekannten auf "Facebook" mit dem Tod gedroht hatte. Im Juni 2008 erhängte sich Sam Leeson – der 13-Jährige war von Mitschülern in der Internet-Community "Bebo" vor allem wegen seines Kleidungsstils und seines Musikgeschmacks verspottet worden. Seine Mutter und eine Schwester fanden die Leiche im Kinderzimmer.

Alle drei Fälle ereigneten sich in Großbritannien, wo es nach dem gescheiterten Suizidversuch eines 16 Jahre alten Jungen Anfang 2008 ein weiteres Gerichtsurteil wegen Cyber-Mobbings gab. Wie "Spiegel Online" berichtet, hatte der Junge sich auf ein homosexuelles Cyber-Verhältnis eingelassen. Was er nicht wusste: das vermeintliche Verhältnis war von einem 17-Jährigen unter falscher Identität inszeniert worden, um intime Details an Dritte weiterzugeben. Für ihn sei das ganze ein "Streich" gewesen, der Selbstmordversuch habe ihn "schockiert". Der Fall kam vor Gericht, der Täter wurde für zwölf Monate unter die Aufsicht eines Jugendhilfe-Projekts gestellt. Das Opfer bekam ein Schmerzensgeld von rund 275 Euro.

Der Fall erinnert stark an die Geschichte von Megan Meier aus den USA. Im Alter von 13 Jahren verliebte sie sich auf der Plattform "MySpace" in den 3 Jahre älteren Josh Evans. Der begann nach einer Weile, das Mädchen zu beschimpfen, weil er böse Gerüchte über sie gehört habe. "Jeder hasst dich, der Rest deines Lebens wird beschissen sein", soll Josh geschrieben haben. Megan erhängte sich, eine Tragödie in dem 5.000-Seelen-Städtchen Dardenne Prairie in Missouri.

Megan konnte nicht ahnen, warum ihr Fall ein Jahr später auch in der ganzen Welt bekannt sein würde: Josh Evans existiert nicht. Hinter seinem "MySpace"- Account steckte Lori Drew, die Mutter einer früheren Freundin von Megan. Zusammen mit ihrer Tochter und einer Angestellten hatte sie das Mädchen gezielt in den Wahnsinn getrieben. Damit habe sie sich für Megans Lästereien über ihre eigene Tochter rächen wollen. 

Drew kam vor Gericht, unter anderem wegen Verschwörung. Doch gegen Cyber-Mobbing gibt es in den USA noch keine Gesetze. Im Februar 2009 schließlich stellte der Richter den Prozess ein, hält sich die Option offen, Drew für eine Ordnungswidrigkeit wegen des Verstoßes gegen die "MySpace"-Nutzungsbedingungen zu einer geringen Geldstrafe zu verurteilen.

Die Schuld liegt beim Täter, nicht beim Werkzeug

Experten schätzen laut "Spiegel Online", dass heute 30 bis 40 Prozent aller Jugendlichen bereits Erfahrungen mit Cyber-Mobbing machen mussten. Den meisten davon sei es gelungen, das Erlebte zu verarbeiten – obwohl sich die Fälle häufen, kommt es zu den oben erwähnten Extremsituationen selten. Die Wahrscheinlichkeit einer Eskalation steige mit der psychischen Vorbelastung der Opfer. Eine Freundin von Holly Grogan erzählt, das Mädchen habe kein Selbstvertrauen gehabt, hätte den andauernden Beleidigungen in der Schule nie etwas entgegengesetzt, sich immer mehr isoliert. Megan Meier war bereits vor ihrer Bekanntschaft mit "Josh Evans" in psychiatrischer Behandlung, nahm Medikamente gegen Depressionen, empfand sich selbst als zu dick und hässlich. Die öffentliche Demütigung im World Wide Web kann in solchen Fällen zwar der entscheidende Auslöser für einen Suizid sein, Probleme gab es jedoch meist schon vorher.

Der Vater von Sam Leeson richtet im "Daily Telegraph" einen verzweifelten Appell an alle Mobbing-Opfer: "Gebt nicht auf. Sprecht mit jemandem darüber! Ändert eure Email-Adresse, eure Handynummer, wechselt sogar die Schule. Aber zerstört nicht das Leben eurer Eltern und Geschwister!" (PRO)

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