Als dieser Text entsteht, sitzen vier Menschen in einer Raumkapsel und kehren von einer Reise um den Mond zurück. Die Astronauten der Nasa-Mission Artemis II sollen planmäßig am Freitagabend kurz nach 17 Uhr Ortszeit vor der kalifornischen Küste im Wasser landen, einer von ihnen ist bekennender Christ. Für insgesamt zehn Tage werden sie dann unterwegs gewesen sein – und so weit weg von der Erde wie niemals ein Mensch zuvor.
Anfang dieser Woche schickten sie Bilder von der Rückseite des Mondes. Und Bilder von der Erde, kurz bevor sie in der Form einer Sichel, wie wir sie sonst nur vom Mond kennen, hinter dem Horizont des Trabanten und aus dem Sichtfeld der Astronauten verschwindet. Damit brach auch der Kontakt der vier Raumfahrer zur Erde ab, bis vierzig Minuten später die Erde auf der anderen Seite wieder auftauchte. Erduntergang und Erdaufgang.
All das ist unfassbar faszinierend: die wunderhafte Schönheit der Schöpfung; die räumlichen Dimensionen; die völlig andere Perspektive auf die Erde; die technische und auch menschliche Leistung, überhaupt eine solche Reise ins Weltall zu unternehmen. Ja, diese Bilder sind zu Staunen, zum Innehalten, um denjenigen demütig anzubeten, der das geschaffen hat.
Aber das Staunen ist getrübt: Können wir uns über diese Bilder freuen, fragt die „Zeit“ in einem Kommentar. Der Autor verweist auf all die Krisen und Kriege auf der Erde, und auch auf die Rolle der USA dabei, die wesentlich für diese Mission verantwortlich zeichnen. Bei der Raumfahrt geht es genauso wie auf der Erde immer darum, dass verschiedene Mächte ihre Einflusssphäre erweitern und gegen andere behaupten wollen – eben auch im All. Das war in den sechziger Jahren zwischen Russland und den USA so, jetzt heißt der Konkurrent der Vereinigten Staaten eher China.
Die Erde strahlt in einem anderen Licht
Es scheint nahezuliegen, dass sich aus einer Perspektive von „hinter dem Mond“ die Probleme der Erde irgendwie in Wohlgefallen auflösen und sich in den Weiten des Alls relativieren. Aber das ist ein Trugschluss. Denn dorthin, wo Menschen gelangen können, wollen sie auch. Und sie streben danach, die Grenzen zu verschieben und dabei schneller und besser zu sein als andere. Der Wunsch, anderen überlegen zu sein, hat die Erde in Unheil gestürzt und macht auch hinter dem Mond nicht halt. Die gefallene Schöpfung zeigt sich genau darin. Insofern hat die „Zeit“ durchaus einen Punkt, wenn sie bei aller Faszination für diese Mondmission die Schattenseiten beleuchtet.
Aber ist genau das nicht auch ein Sinnbild für das, was die Astronauten auf ihren Fotos festgehalten haben – und für die Botschaft, die von Karfreitag und Ostern ausgeht? Die Erde geht unter. Die dunkle Seite des Mondes, der Ort, der dem Licht der Sonne abgewandt ist, bestimmt das Sichtfeld. Sonnenfinsternis. Doch über den Rand der Dunkelheit leuchtet die Korona, strahlt das Licht wie ein Kranz um die Kugel in die Dunkelheit hinein. Schließlich geht die Erde wieder auf – es ist dieselbe, aber ein neuer Tag.
Jesus, der Schöpfer selbst, kam in unsere schuldgeplagte, untergehende Welt. Am Kreuz ist er dort, wo es am dunkelsten ist. Gottesfinsternis. Doch das Licht von Ostern strahlt über den Rand des Grabsteins und hinein in die Finsternis der Welt. Es bleibt die alte, kaputte Welt, aber durch den neuen Bund Gottes und dem Angebot der Versöhnung mit ihm liegt ein anderes Licht auf ihr. Und mit diesem Licht die Verheißung einer neuen Welt, in der wir ungetrübt von menschlicher Schuld über Gottes Größe staunen dürfen.