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Höhlenrettung: Deshalb fühlen wir mit

Am Dienstag sind die letzten eingeschlossenen Jungen und ihr Fußballtrainer aus einer thailändischen Höhle gerettet worden. Die ganze Welt fieberte mit. Kommentatoren der Frankfurter Allgemeinenen und der Süddeutschen Zeitung haben sich gefragt, warum.
Von Anna Lutz
Dieses Foto veröffentlichten die Taucher der Thai Navy Seals vor Beginn ihrer Rettungsaktion in Sozialen Netzwerken

Foto: Thai Navy Seals

Dieses Foto veröffentlichten die Taucher der Thai Navy Seals vor Beginn ihrer Rettungsaktion in Sozialen Netzwerken

Sebastian Eder von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hat eine schlichte Erklärung dafür, warum die Geschichte der thailändischen Fußballer, die seit dem 23. Juni in einer teils überschwemmten Höhle festsaßen, so große Aufmerksamkeit bekommt. Und das auch noch, obwohl sie sich in einem für uns weit entfernten Land abspielt und nur verhältnismäßig wenige Menschen betrifft. „Wahrscheinlich lag es daran, dass es eine Urangst ist, lebendig begraben zu werden“, schreibt er. Außerdem könne sich jeder in die grauenhafte Situation der Eltern hineinversetzen. Und: „Bei aller Tragik war die Rettungsaktion einfach eine unglaubliche Geschichte, spannend bis zum Schluss, mit tragischen Helden, wie dem verstorbenen Marinetaucher und dem Trainer, der seine Mannschaft zuerst in die Höhle führte und dann fast verhungerte, weil er alles Essen den Kindern überließ.“

Und die Flüchtlinge im Mittelmeer?

Matthias Drobinski von der Süddeutschen Zeitung geht noch weiter und vergleicht die Art der öffentlichen Aufmerksamkeit, die die Thailänder erfahren, mit der, die im Mittelmeer ertrinkenden Flüchtlingen verwehrt bleibe. Zwar sei die Tatsache, dass so viele Menschen mit den Jungen in Asien fieberten, „auch eine Geschichte über die Kraft der Menschlichkeit und des Mitleids“. Andererseits aber beobachte er einen Verlust an Empathie mit den Flüchtlingen im Mittelmeer. „Manche von ihnen sind im Alter der in der Höhle gefangenen Jungs, auch sie haben Angst vorm Ertrinken, auch hier gibt es selbstlose Helfer“, schreibt Drobinski.

Wer Mitleid mit den Flüchtlingen an den europäischen Grenzen habe, werde als naiv diffamiert. Wer helfen wolle, gelte als einer, der weitere potenziell aus Afrika Kommende gefährdet. „Man stelle sich vor, es würde einer sagen: Gut, dass da welche in der Höhle hocken – jetzt wissen alle, wie gefährlich solche Exkursionen in der Monsunzeit sind. Er müsste sich zu Recht als herzloser Zyniker beschimpfen lassen.“

Auch mit denen leiden, die ihre Unschuld verloren haben

Die Flüchtlinge seien den Europäern im Gegensatz zu den thailändischen Jungen nahe gekommen. „Aus der Nähe betrachtet, verlieren Elend und Not schnell ihre Unschuld. Mancher der Elenden will das schnelle Geld, der traumatisierte Verfolgte wird viel Unterstützung brauchen, vielleicht kommt gar ein Terrorist ins Land.” Auf Basis solcher Befürchtungen Ertrinkenden das Mitleid zu entziehen sei „ein gefährlicher Zivilisationsverlust”. „Mit jedem Menschen mitleiden zu können, auch mit dem, der seine Unschuld verloren zu haben scheint, ist keine Schwäche – sondern eine wahre Stärke des Abendlands.“

Auch der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen beschäftigte sich am Dienstag im Interviw von NDR Info mit dem Zusammenhang zwischen dem Leid der Kinder in Thailand und dem der Flüchtlinge: Würden die Medien so emotional über letztere berichten, wie sie es bei den Kindern in der Höhle getan hätten, wären die Menschen eher vom Schicksal der Flüchtlinge berührt, erklärte er. Weil sie das nicht täten, bleibe „das Leid zunächst abstrakt und in gewissem Sinne für uns unsichtbar: reduziert auf die nackte Zahl; auf die Zahl derjenigen, die da umgekommen sind“.

Von: Anna Lutz

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