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Hitler und Hundesex: Gender Studies entlarven sich selbst

Drei Amerikaner haben mit einem fiesen Streich bewiesen, dass absurde, frei erfundene wissenschaftliche Artikel in Fachzeitschriften für Gender Studies veröffentlicht werden können – solange Meinung und Sprache stimmen.
Von Nicolai Franz
Hunde in einem Park in New York

Foto: Matt Nelson/Unsplash

Hunde in einem Park in New York

Am Paarungsverhalten von Hunden im Stadtpark von Portland kann man ableiten, wie man Männern den Drang zu sexueller Belästigung abtrainieren kann.

Ein dicker Körper ist genauso erstrebenswert wie stahlharte Muskeln, deswegen solle „Fat Building“ als genauso legitimer Sport wie Muskelaufbau akzeptiert werden.

Mehr Männer sollten Dildos benutzen, damit Homo- und Transphobien abgebaut werden können.

Diese Sätze sind zwar natürlich Humbug, fanden aber trotzdem ihren Weg in wissenschaftliche Fachzeitschriften. Sie stammen allerdings nicht aus der Feder seriöser Denker, sondern sind das Ergebnis eines fiesen, groß angelegten Streiches eines Akademiker-Trios aus den USA. Helen Pluckrose, James A. Lindsay und Peter Boghossian fassten 2017 den Plan, den angesehensten Zeitschriften der Gender Studies und anderen Wissenschaften einen Streich zu spielen. Sie schrieben insgesamt 20 Fachartikel mit entweder absurden oder ethisch fragwürdigen oder absurden und ethisch fragwürdigen Inhalten und boten unter teils falschem, teils geliehenem Namen eine Veröffentlichung an.

Gender Studies sind für sie „Jammerstudien“

Die Autoren werfen Teilen der Gender Studies und verwandter Disziplinen wie Queer Studies, Fat Studies, die erforschen, wie dicke Menschen die Welt wahrnehmen, und der Soziologie generell vor, dass sie unwissenschaftlich arbeiten. Nicht vernünftige, nachvollziehbare Argumente würden gelten, sondern vor allem politische Meinungen. Diese Wissenschaften seien durchsetzt von dem Verlangen, die Menschheit in Herrschende und Beherrschte, in Täter und Opfer einzuteilen. Es zähle nicht alleine, was jemand sagt, sondern vor allem, wer etwas sagt.

Frauen, Angehörige ethnischer Minderheiten, Homo- und Transsexuelle gehören demnach zur beherrschten Klasse. Deren mächtiger Gegenspieler, der Inbegriff der Privilegiertheit, sei der heterosexuelle, alte, weiße Mann. „Grievance studies“, „Jammerstudien“ nennen die drei Wissenschaftler diese Fachbereiche ihrer Kollegen etwas gehässig. „Sie haben eine religiöse Architektur im Kopf, in der Privilegien Sünde und böse sind”, sagt etwa Lindsay in einem Video über die Protagonisten der „Jammerstudien“.

Von Religion halten die drei Denker ohnehin nicht viel: Boghossian und Lindsay sind Atheisten, auch Pluckrose äußerte sich ähnlich. Politisch sehen sie sich als Linksliberale, die sich durch unseriöse Forschung schlecht vertreten fühlen. Sie sind der Meinung, dass heutige Sozialwissenschaftler nicht das Recht hätten, sich als Nachfolger der Bürgerrechtsbewegung zu fühlen.

Die These der drei Amerikaner lautete: Solange man die Sprache und das Schubladendenken der jeweiligen Wissenschaften übernimmt, kann man selbst die irrsten Behauptungen aufstellen. Der Beweis dafür ist ihnen mit den Fake-Aufsätzen teilweise gelungen. Zur Sicherheit bezogen sie sich in den Texten immer zunächst auf weithin akzeptierte aktuelle Forschungsliteratur, um ihren kruden Ideen zumindest etwas Seriosität zu verleihen.

Beim Artikel „Menschliche Reaktionen auf die Vergewaltigungskultur und queere Performativität in urbanen Hundeparks in Portland, Oregon“ gab die fiktive Autorin Helen Wilson von der ebenfalls erfundenen „Portland Ungendering Research (PUR) Initiative“ an, etwa 1.000 Stunden lang Hunde und deren Herrchen und Frauchen im Park beobachtet zu haben. Aus dem Verhalten und Geschlecht der Tiere und deren Halter zog sie praktische Schlüsse, um „hegemoniale Maskulinitäten“ aufzubrechen. Oder anders ausgedrückt: Die Schummel-Autorin fand, dass man vom Umgang mit rammelnden Hunden Rückschlüsse auf den Umgang mit Männern ziehen kann.

Die Gutachter der Zeitschrift „Gender, Place and Culture“ waren begeistert. Sie kritisierten allerdings, dass die Privatsphäre der Hunde vielleicht nicht genug respektiert worden sei, als Wilson deren Genitalien zur Feststellung des Geschlechts untersucht habe. Das hielt die Redaktion nicht davon ab, passend zum 25. Jubiläum der Zeitschrift den Aufsatz über die kopulierenden Hunde als einen von zwölf Leitartikeln des Jahres 2018 als besonders wertvoll hervorzuheben.

Die Initiatoren berichten über ihr Fake-Projekt

Schon 2017 hatten Lindsay und Boghossian es geschafft, mit einem sehr irritierenden Artikel namens „Der konzeptionelle Penis als soziales Konstrukt“ das männliche Geschlechtsorgan für den Klimawandel verantwortlich zu machen. Ein Fachblatt druckte den Artikel tatsächlich ab. Damals lautete die Kritik an der Aktion, dass die Zeitschrift ein geringes Renommee habe und man zudem nach dem Prinzip „pay-to-publish“ für die Veröffentlichung Geld zahlen müsse. Damit hatten die beiden Männer also nicht die Gender Studies an sich in Verruf gebracht, sondern eher die zweifelhaften Methoden einer unbedeutenden Fachzeitschrift.

„Mein Kampf“ gelangt leicht verändert in feministisches Magazin

Das änderte sich, als Helen Pluckrose dazustieß. Die clevere Chefredakteurin des Areo Magazines entwickelte zusammen mit ihren beiden männlichen Kollegen ein neues Konzept. Ziel war, ausschließlich den wichtigsten wissenschaftlichen Zeitschriften einen Streich zu spielen. Sie scannten die vorhandene Literatur und arbeiteten heraus, welche Bedingungen Texte zu erfüllen hatten, damit sie abgedruckt wurden.

Heraus kamen neben der Hundepark-Story viele andere bemerkenswerte Artikel. Einer klingt zunächst unverdächtig: „Unser Kampf ist mein Kampf: Solidaritätsfeminismus als intersektionale Antwort auf neoliberalen und choice Feminismus”. In Wahrheit handelt es sich um eine bearbeitete Variante eines Kapitels aus „Mein Kampf“ von Adolf Hitler. Das Papier wurde vom Fachblatt Affilia akzeptiert.

Eigentlich hatte das Trio noch einige Pfeile im Köcher – doch deren Projekt fand ein vorzeitiges Ende, als Journalisten auf die Aktivitäten aufmerksam wurden. Vor dem Projekt hatten Pluckrose, Lindsay und Boghossian vereinbart, nicht gegenüber den Fachblättern zu lügen, wenn diese eine Fälschung vermuteten. Aus ethischen Gründen.

Von: Nicolai Franz

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