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„Hinter jeder Zahl steckt ein Schicksal“

Lisi Maier nimmt kein Blatt vor den Mund. Die hauptamtliche Vorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) fordert eine lückenlose Aufklärung der Missbrauchsfälle. Kirche müsse den Opfern jetzt zuhören, sie finanziell unterstützen, aber auch die Betroffenen einbinden, um interne Strukturen zu verändern.
Von PRO
Die Chefin des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend, Lisi Maier, sieht in ihrer Kirche Strukturen am Werk, die sexualisierte Gewalt gegen Kinder begünstigen und Aufklärung verhindern

Foto: BDKJ-Bundesstelle / Christian Schnaubelt

Die Chefin des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend, Lisi Maier, sieht in ihrer Kirche Strukturen am Werk, die sexualisierte Gewalt gegen Kinder begünstigen und Aufklärung verhindern

3.677 Minderjährige sind laut Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz in der katholischen Kirche Opfer sexueller Vergehen geworden. Die Vorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), Lisi Maier, möchte die Zahlen vor allem nutzen, um einen Strukturwandel in der Kirche herbeizuführen.

Die Strukturen der katholischen Kirche begünstigten sexualisierte Gewalt gegen Kinder und verhinderten Aufklärung, sagte die 33-Jährige gegenüber der Tageszeitung Die Welt. Außerdem sei das Thema Sexualität tabuisiert und totgeschwiegen worden. Hinter jeder der Zahlen stehe ein Schicksal: „Diese Menschen waren Strukturen hilflos ausgeliefert, die solchen Machtmissbrauch möglich gemacht haben.“

Transparenz, Demokratie und Prävention

Sie beobachte in der katholischen Kirche eine „totale Schere“ zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Es verwundere sie nicht, wenn Eltern, Kinder und Jugendliche das Vertrauen in die Kirche verlieren. Der BDKJ versuche mit Transparenz, demokratischen Strukturen und guter Prävention genau dieses Vertrauen zu schaffen.

Scharfe Kritik äußert Maier an den „Männerbünden innerhalb der Kirche“. Diese Karrierenetzwerke verhinderten Aufklärung. Maier möchte deswegen die Macht der Laien innerhalb der Kirche stärken. Zudem brauche es dauerhafte Strukturen, wann Geld für Prävention bereitgestellt werde. Dass Papst Franziskus die Leiter aller Bischofskonferenzen zum Thema sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche eingeladen habe, hält sie für einen wichtigen Schritt.

„Jugendliche müssen wissen, wo sie Hilfe finden“

Nach der Veröffentlichung des Berichts müssten nun diejenigen die Verantwortung übernehmen, die für diese Fälle Verantwortung tragen. Hier könne auch die Politik darauf dringen, dass eine unabhängige Aufarbeitung geschieht. Kirchenintern müsse das Thema Sexualität auch in den Priesterseminaren eine größere Rolle spielen. Ihr Verband thematisiere das Ganze in der Fortbildung, damit „Jugendliche auch wissen, wo Grenzen überschritten werden, wie sie sich selbstbewusst wehren können und bei wem sie Hilfe finden“.

Aktuell gehe es darum, den Opfern zuzuhören und sich der Einzelfälle anzunehmen. Dies bedeutet für Maier auch eine finanzielle Unterstützung. Außerdem sollten die Betroffenen an der Veränderung der Strukturen beteiligt werden. Der Bund der Katholischen Jugend ist der Dachverband von 17 katholischen Jugendverbänden. Er vertritt die Interessen der katholischen Jugend, unter anderem im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), und begleitet die Entwicklungen und innerkirchlichen Diskussionen kritisch.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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