In „Erklärkonzerten“ hat der der Kirchenmusiker Helmuth Rilling Menschen das Wirken von Johann Sebastian Bach vermittelt und erklärt. Dabei war ihm die christliche Botschaft des „fünften Evangelisten“ wichtig. Jetzt ist der Musiker mit 92 Jahren gestorben.
Rilling wurde am 29. Mai 1933 in Stuttgart geboren. Er begann seine musikalische Karriere 1957 in Stuttgart als Kantor, wurde dort Kirchenmusikdirektor und lehrte später in Berlin als Professor an der Kirchenmusikhochschule. Es folgte eine Professur für Chorleitung in Frankfurt am Main.
Schon früh fokussierte sich Rilling auf das Schaffen Johann Sebastian Bachs. Eine Faszination, die ihn sein gesamtes Berufsleben begleitete, wie Rilling im PRO-Interview verriet. 1985 nahm er unter Federführung des Hänssler-Verlages als erster Dirigent alle geistlichen Bach-Kantaten auf. Im Jahr 2000 wagte er sich mit Friedrich Hänssler an das Gesamtwerk Bachs und produzierte dies auf 172 CDs.
Glaube wirkt bis in die Partitur
Bach sei kaum trennbar von der christlichen Botschaft, betonte der Kirchenmusiker gegenüber PRO. In der Matthäus-Passion spreche Bach urmenschliche Probleme an, für deren Lösung es eine höhere Autorität brauche. Sogar in Bachs Partituren finde man christliche Bilder. In der Johannes-Passion bildeten im Eröffnungschoral im Schlusstakt die Noten im Bass ein Kreuzzeichen und wiesen auf die Kreuze von Golgatha hin.
Bachs Kantatenwerk und seine Oratorien seien „überragende Monumente menschlichen, aber vor allem christlichen Denkens“, erklärt Rilling im PRO-Interview. Er wolle vor allem den Musikern weitergeben, was Bach zu sagen habe: „Da geht es immer um die Sinndeutung.“ Rilling gründete 1981 auch die Internationale Bachakademie Stuttgart, die zum Vorbild ähnlicher Veranstaltungen in Osteuropa und Asien wurde.
Eine besondere Freundschaft verband ihn mit dem Israel Philharmonic Orchestra, das er 1970 als erster deutscher Dirigent nach dem Zweiten Weltkrieg dirigieren durfte. 1976 besuchte er zum ersten Mal Israel und führte dort in der Folge über 100 Konzerte auf.
Versöhnung als Lebensthema
50 Jahre nach Kriegsende führte er als Geste der Versöhnung das gleichnamige „Requiem der Versöhnung“ von 14 zeitgenössischen Komponisten auf. Rilling erhielt in seinem Leben viele Auszeichnungen, darunter drei Verdienstkreuze, eine Ehrendoktorwürde und einen Grammy. 2012 verlieh ihm die EKD die Martin-Luther-Medaille.
Die Süddeutsche Zeitung bezeichnete den verheirateten Vater zweier Töchter in ihrem Nachruf als „Bewahrer eines Werks, dem mit größtem künstlerischen Respekt zu begegnen sei“. Zentraler Ausgangspunkt sei für Rilling der christliche Glaube gewesen: „Für mich ist der Glaube ein wichtiger und zentraler Aspekt meines Lebens“, sagte er PRO. Und die Botschaft Bachs unter die Leute zu bringen.