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Heinz Buschkowsky: “Mit Kirchen für Werte kämpfen”

"Nicht 'die Einwanderer' sind das Problem, sondern die soziale Schwäche vieler Einwanderer." Das erklärte der Bezirksbürgermeister für Berlin-Neukölln, Heinz Buschkowsky, beim "Kongress christlicher Führungskräfte". Der Politiker plädierte auch für eine Kindergartenpflicht. 
Von PRO

Foto: pro

Buschkowsky führte an, dass es millionenfach gelungene Integration in Deutschland gebe. Allerdings sei die Integrationspolitik in den vergangenen Jahrzehnten konzeptionslos gewesen, anders als beispielsweise in den USA, Kanada und Australien: "Dort fragt man Einwanderer danach, was sie zur Gesellschaft beitragen wollen und ob sie ein Teil der Gemeinschaft werden wollen." Dies sei in Deutschland verpönt. Dabei sei das eigentliche Problem nicht die Einwanderung, sonder die soziale Schwäche vieler Einwanderer auch in der zweiten und dritten Generation.

Einwanderer aus anderen Kulturkreisen müssten sich bewusst für die freiheitliche Gesellschaft entscheiden: "Wir leben hier nun mal anders als im Südsudan oder in Somalia. Wir haben christlich-jüdische Traditionen, und ich trete dafür ein, dass das auch so bleibt." Neukölln solle nicht nur geografisch, sondern auch in den Köpfen der Menschen mitten in Europa liegen.

Da viele Migrantenkinder in einem Hartz-4-Haushalt aufwüchsen, kämen sie mit einem "verschrobenen Weltbild" in die Schule. Buschkowsky erklärte: "Wenn die Leherin sagt, ‘Wer arbeitet, kann sich etwas schönes leisten’, dann sagen die Kinder: ‘Aber das Geld kommt doch vom Amt’. Das sagen die nicht, um die Lehrerin zu ärgern, sondern die kennen es nicht anders." Niemand hätte den Kindern beigebracht, dass es einen Zusammenhang zwischen materiellen Wünschen und der eigenen Leistung gebe.

Umfangreiche Reformen des Bildungssystems nötig

Der SPD-Politiker fokussierte seinen Vortrag auf das Bildungssystem. Es sei mehr als problematisch, dass zahlreiche Migrantenkinder ohne Deutschkenntnisse eingeschult würden, obwohl bereits deren Eltern in Deutschland geboren seien. "Wir müssen darüber nachdenken, das ohnehin sehr hohe Kindergeld zu halbieren und in die Struktur zu investieren", so Buschkowsky. Er plädiert für eine Kindergartenpflicht und fordert diese bereits für Einjährige. Das Fernbleiben aus Bildungseinrichtungen müsse betraft werden: "Kommt das Kind nicht in die Schule, kommt das Kindergeld nicht aufs Konto."

Buschkowsky berichtete von sehr guten Erfahrungen, die er mit Ganztagsschulen gemacht habe. Diese seien den normalen Schulen weit überlegen. "Wir haben Berlins erstes Ganztagsgymnasium an einem sozialen Brennpunkt eröffnet", sagte er. "In vier Jahren hat sich die Zahl der Abiturienten versechsfacht, bei einem gleichgebliebenen Migrantenanteil von 90 Prozent." Die Umwandlung aller deutschen Schulen in Ganztagsschulen koste 20 Milliarden Euro.

Es sei nicht akzeptabel, dass Deutschland in der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) das Land sei, das am meisten für Familien ausgebe und gleichzeitig bei der Effizienz dieser Investitionen auf dem drittletzten Platz liege. "Warum geben andere weniger aus und erreichen mehr? Weil sie in Krippen, Lehrer und Erzieher investieren. Wir hingegen investieren in das Prinzip Hoffnung." Buschkowsky weiter: "Wir hoffen, dass Eltern vom Kindergeld Geigen für ihren Nachwuchs kaufen. Das machen aber nicht alle."

"Kirchen sind unser verlässlichster Partner"

Der Politiker, der 2012 mit seinem Buch "Neukölln ist überall" für Aufsehen sorgte, lobte die Rolle der Kirchen in der Integrationspolitik: "Die Kirchen sind unser verlässlichster Partner. Nicht nur beim karitativen Gedanken, sondern auch bei der Idee, gemeinsam für die Werte unserer Gesellschaft zu kämpfen und diese an junge Leute weiterzugeben." Und weiter: "Da wo ich herkomme, ist der christliche Glaube in der Diaspora. Damit tun wir jungen Menschen keinen Gefallen."

Buschkowsky mahnte, dass es die Aufgabe der Gesellschaft sei, sich um die Schwächsten zu kümmern, die Kinder. Gleichzeitig müsse diesen Kindern beigebracht werden, dass jeder zunächst selbst für sein Leben verantwortlich ist, und der Staat nur als Notlösung einspringe. "Es ist weder verwerflich, stolz auf die eigene Leistung zu sein, noch, auch mal eine Niederlage einzustecken." Dies müsse jungen Menschen mit auf den Weg gegeben werden. (pro)

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