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Heinrich: „Deutsche schleppen 16 Milliarden Euro in Bordelle“

90 Prozent der Prostituierten arbeiten unfreiwillig im Sex-Gewerbe. Die Große Koalition hat lange über einen Gesetzesentwurf zum Schutz dieser Frauen gearbeitet – am Donnerstag wird er im Bundestag eingebracht. Im Interview mit pro erklärt der CDU-Bundestagsabgeordnete Frank Heinrich die Hintergründe und Zusammenhänge von Menschenhandel und Zwangsprostitution.
Von PRO
Frank Heinrich (CDU) engagiert sich gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution

Foto: pro/Norbert Schäfer

Frank Heinrich (CDU) engagiert sich gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution

pro: Herr Heinrich, wann spricht man von Zwangsprostitution und Menschenhandel?

Frank Heinrich: Der Menschenhandel findet in Deutschland im Bereich der legalen Prostitution statt. Durch meine Lebensgeschichte und meine Herkunft aus der Heilsarmee setze ich mich gerne für die Schwachen und Wehrlosen ein. Alleine die Tatsache, dass es Zwangsprostitution in Deutschland gibt, sollte dazu führen, dass das Thema politisch eine hohe Priorität bekommt. Im Prostitutionsgewerbe spreche ich immer von der Armutsprostitution, die zur Zwangsprostitution wird. Die Gewerkschaft Verdi zählt täglich von 1,2 Millionen Transaktionen im Prostitutionsgewerbe. Umgerechnet würde dies bedeuten, dass jeder über 18-Jährige im Schnitt alle sechs Wochen erotische Leistung in Anspruch nimmt. Vieles findet im Graubereich statt. Die Prostituierten werden abhängig gehalten: Man nimmt ihnen die Pässe ab und sie lernen die Sprache nicht, sie geraten in eine Schuldknechtschaft. Hinzu kommt, dass Menschen als „Haushaltskräfte“ eingesperrt werden. Ich würde sagen, sie sind dort Diener und Sklaven.

Wie ausgeprägt sind diese Strukturen in Deutschland?

Es geht hier definitiv um mafiöse Strukturen. Es werden in Deutschland mit sexuellen Dienstleistungen 16 Milliarden Euro Umsatz gemacht. Dies ist mehr als mit illegalen Waffen und Drogen zusammen, wenn ich das richtig sehe. Wenn das nicht richtig abgerechnet werden muss und es hier keine verlässlichen Gesetze gibt, dann lässt sich damit eine Menge Geld verdienen.

Wo erfahren Sie Widerstand, wenn Sie über Prostitution aufklären?

Der Widerstand findet vor allem in der PR-Arbeit und in den politischen Ränkespielen statt. Nach einer positiven Welle der Information zu diesem Thema gibt es dann wieder Talkshows, in denen zwei von fünf Gästen die Prostitution befürworten. Das repräsentiert aber nicht unsere Gesellschaft. Die Gegner können aber auch keine Zeichen setzen, weil es in dem Graubereich keine konkreten Zahlen gibt. Das Innenministerium sieht bis jetzt auch keinen Anlass, dies zu untersuchen, weil es keine Indizien oder Regelungen gibt. Das ist, als ob Sie die Zahl der Schwarzfahrer auf Null senken, nur weil sie keine Kontrolleure mehr in die Busse schicken. Zudem können wir die Geschädigten nicht auf die Bühne schicken, weil sie medial völlig auseinander genommen werden. Ihre Stimme kann gar nicht gehört werden. Deswegen hat das Ganze immer eine journalistisch-politische Schlagseite.

Hilft da das neue Prostituiertenschutzgesetz?

Es wird immer kommuniziert, dass die Prostituierten das alles freiwillig machen. Die Polizei schließt bei 90 Prozent von ihnen die Freiwilligkeit aus. Bei Hilfsorganisationen liegt die Zahl noch höher. Jedes Land muss seine eigenen Gesetze machen. Frankreichs Gesetz hat zu einem immensen Anstieg der Prostitution in Saarbrücken geführt, obwohl es nicht einmal das strengste Gesetz ist.

Was muss die Politik tun?

Die Politik muss sich im Klaren darüber sein, was erlaubt ist und was nicht. Zuhälterei und Menschenhandel müssen aus meiner Sicht eine Katalogstraftat werden. Damit kann auch die Mafia, die dahinter steckt, bestraft werden, indem sie abgehört werden darf. Zudem müssen Gelder für die Fürsorge zur Verfügung gestellt werden, damit es Aufnahmestellen gibt. Und dann muss viel Aufklärungsarbeit geleistet werden, dies politisch zu regeln. 1,2 Millionen „Kunden“ täglich sind ein immenser Markt. Und das ist auch ein Votum für eine gewisse Freiheit. Das Gesetz wäre eine Einschränkung.

Wie kam der Gesetzesentwurf zustande?

Das Gesetz stammt hauptsächlich aus der Feder von CDU/CSU. Es gibt sogar Abgeordnete, die eine noch freiere, liberalere Lösung wünschen. Wenn alles glatt läuft, kann das Gesetz zum 1. Juli nächsten Jahres mit entsprechenden Übergangsfristen in Kraft treten. Wir haben mit der SPD gerungen, geredet und gekämpft.

Wo sehen Sie die größten Widerstände?

Die größten Widerstände liegen in der Lethargie der Bevölkerung. Viele informieren sich nicht über Prostitution, dafür ist ihnen das Gewerbe immer noch zu schmuddelig. Daneben gibt es die mafiösen Strukturen in diesem Gewerbe. Viele denken, dass die große Bordelle in Deutschland den Durchschnittszustand der Prostituierten darstellen, aber das stimmt nicht. Ich ermutige die Leute immer, Briefe an lokale Abgeordnete zu schreiben und sie dafür zu alertisieren. Sie sollen dann in ihren politischen Gremien nachfragen, was da eigentlich passiert. Mehr als zehn persönliche Briefe habe ich nur zu drei bis fünf Themen in meiner Zeit als Abgeordneter erhalten. Selbst so wenige Briefe machen am Schluss einen Unterschied. An die kann ich mich erinnern.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Norbert Schäfer. (pro)

Prostitution ist Titelthema der in Kürze erscheinenden Ausgabe 3/2016 des Christlichen Medienmagazins pro. Sie können pro kostenlos und unverbindlich bestellen unter der Telefonnummer 06441/915151, via E-Mail an info@pro-medienmagazin.de oder online.

https://www.pro-medienmagazin.de/politik/detailansicht/aktuell/staatsministerin-gruetters-demokratie-braucht-barmherzige-menschen-96191/
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