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Hassliebe: Berlin und seine Religionen

Wie religionsfeindlich ist die Hauptstadt? Diese Frage stellten Medien und Kirchen in den vergangenen Wochen anlässlich einer möglichen Benachteiligung Gläubiger in Kreuzberg. Bei einer Debatte im Roten Rathaus warnte SPD-Politiker Wolfgang Thierse nun vor einem „militanten Atheismus”.

Von PRO

Foto: pro

Wie öffentlich darf Religion sein, fragte der Berliner Kulturstaatsminister André Schmitz am Donnerstagabend bei der Eröffnung einer Diskussionsrunde zum Thema. Er selbst erklärte, er wolle auch weiterhin in einer Stadt leben, in der es Weihnachtsmärkte und Ramadanfeste gebe. Auch der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, habe jüngst „klare Worte” dafür gefunden, dass der Stadtteil Friedrichshain-Kreuzberg religiös engagierte Bürger nicht mehr mit einer Bezirksmedaille ehren wolle. In den vergangenen Wochen hatten Berichte aus Berlin für Schlagzeilen gesorgt, nach denen Behörden die Umbenennung religiöser Feste veranlasst hatten und eine Auszeichnung für Bürgerengagement nicht mehr länger für den Bereich Religion vergeben wird. Das Bezirksamt selbst hatte sich daraufhin erklärt und die Vorwürfe teilweise dementiert.

Der Grundstein für eine Diskussion um Säkularismus und Religion war damit gelegt. Zu dem Gesprächsabend hatten die Initiatoren des Bet- und Lehrhauses Berlin eingeladen. Juden, Christen und Muslime planen in der Hauptstadt den Bau dieses Gebäudes, in dem sie je einen eigenen Raum zur Religionsausübung erhalten. Geplant sind aber auch interreligiöse Gespräche zwischen Studenten aller theologischen Richtungen. Derzeit sammeln die Initiatoren Geld für den Bau, das Haus soll frühestens in zwei Jahren fertig sein.

Militanter Atheismus und Intoleranz

Der SPD-Politiker und Katholik Wolfgang Thierse stellte fest: „Es gibt Intoleranz in unserer Gesellschaft.” Er verwies auf einen „militanten Atheismus”, den er etwa bei der Debatte um die Beschneidung jüdischer und muslimischer Knaben wahrgenommen habe. Religion als solche sei aber politisch und dürfe nicht aus der Öffentlichkeit verdrängt werden. Sie stifte Lebensentwürfe und beantworte Fragen wie: Was ist Freiheit? Was ist Menschenwürde? Religion sei mehr als das Befolgen von Glaubenssätzen, sie präge das Leben. So könne er es zum Beispiel nicht nachvollziehen, wenn Menschen sich über zu laute Kirchenglocken beschwerten: „Kultur macht immer Lärm”, sagte er. Die Angst vor Religion richte sich in Deutschland oft gegen Muslime. „In Staaten, in denen er Islam prägend ist, gibt es keine Religionsfreiheit”, erklärte Thierse dies. Deshalb wünsche er sich, dass sich der Islam weltweit so entwickle, wie er es in Deutschland getan habe – hin zu einem kritischeren und reflektierteren Umgang mit den eigenen Glaubenssätzen.

Der Rabbiner Walter Homolka stimmte zu. Religion sei eine sehr persönliche, aber zugleich eine sehr öffentliche Angelegenheit. Gläubige Menschen brächten sich als solche in die Gesellschaft ein. „Die Vorstellung, dass Religion sich ins Wohnzimmer zurückzieht, halte ich für irrig”, sagte er. Die Grundsatzreferentin für interkulturelle Angelegenheiten des Berliner Senats, Sawsan Chebli, sagte: „Ich glaube, dass Menschen, die sich in Berlin offen zu ihrer Religion bekennen, es schwierig haben.” Glaube werde als etwas Negatives wahrgenommen, fuhr die Muslima fort. Grundsätzlich sei es schwierig, in Deutschland mit einem Kopftuch Karriere zu machen. Die Kopfbedeckung stehe nach wie vor für Rückwärtsgewandtheit. Deshalb verzichte sie persönlich darauf, auch wenn sie das Tragen für eine religiöse Pflicht halte. Der ebenfalls eingeladene Autor und Dramaturg Thomas Oberender erklärte, die Probleme, die sich aus der Religion ergäben, seien oft das Resultat einer Politisierung: „Das Problem setzt ein, wenn wir es mit Hasspredigern zu tun haben, wenn Religion gekapert wird.” Seiner Meinung nach verlaufe der eigentliche Konflikt nicht zwischen den Glaubensgemeinschaften sondern zwischen dem Säkularismus und den Religionen. (pro)

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