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Hass unter Palmen

Das Urlaubsparadies Malediven belegt im Weltverfolgungsindex der christlichen Organisation "Open Doors" Platz sechs. Einheimischen Christen sei es unmöglich, ihren Glauben offen zu leben, heißt es dort. Der Honorarkonsul der Republik Malediven in Berlin gehört ausgerechnet zu der Bundestagsfraktion, die sich den Schutz der Christen weltweit auf die Fahnen geschrieben hat. Für ihn ist das keineswegs ein Widerspruch.

Von PRO

Foto: Rasmus Ortmann (flickr)

Wer an die Malediven denkt, kann den weißen Sand schon fast zwischen den Zehen spüren. Die Republik ist bekannt für ihre Wohlfühloasen, der Tourismus ist die Einnahmequelle Nummer eins im Inselstaat. Doch ausgerechnet dieses Urlaubsparadies belegt im diesjährigen Weltverfolgungsindex Platz sechs und gehört damit laut "Open Doors" zu den weltweit schlimmsten Christenverfolgern. Erst kürzlich machten Nachrichten darüber Schlagzeilen, dass der Oberste Gerichtshof der Malediven prüfe, ob der Betrieb von Wellnessoasen gegen den Islam verstoße. Vor Weihnachten waren tausende Menschen auf die Straße gegangen, um gegen Spass und Massagesalons zu demonstrieren, weil sie "versteckte Bordelle" seien. Gegenstand der Proteste soll auch das Servieren von Alkohol und Schweinefleisch in Hotelanlagen und die Aufnahme von Direktflügen nach Israel gewesen sein.

Honorarkonsul sieht keine Verfolgung

Sucht man einen Ansprechpartner zum Thema Malediven in Deutschland, stößt man schnell auf den CDU-Abgeordneten Christian von Stetten. Seit zwei Jahren ist er Honorarkonsul der Malediven und vertritt als solcher ehrenamtlich die Interessen des Landes in Deutschland, informiert dorthin Reisende über ihr Ziel und pflegt Kontakte zur dortigen Politik. "Es ist mir kein Fall bekannt, bei dem Christen aufgrund ihrer Religion Angst um Leib und Leben haben müssen", sagte er auf Anfrage von pro. Dass er Mitglied der Bundestagsfraktion ist, die sich in Deutschland am stärksten für die Freiheit von Christen weltweit engagiert, ist für ihn deshalb kein Widerspruch, im Gegenteil: "Alles, was gegen die Menschenrechte geht, ist mein Thema", stellte er fest und tatsächlich lobt er auf seiner Homepage das Engagement deutscher Politik gegen Christenverfolgung. In einer Rundmail vom 13. Dezember 2011 schreibt er: "Wir brauchen weltweit ein friedliches Miteinander aber auch Solidarität mit denen, die um ihres Glaubens willen verfolgt werden. Und das sind heute vor allem auch Christen."

Dennoch ist er sich sicher, dass die Malediven zwar muslimisch sind, aber keineswegs zu den Staaten gehören, in denen Christen weltweit am meisten leiden. Auf den Malediven gebe es immer wieder Proteste von Muslimen, das sei in einer Demokratie auch in Ordnung, kommentiert er die Spa-Debatte.
"Die Fundamentalisten erreichen bei den Wahlen drei Prozent, da haben wir in Deutschland mehr NPD-Wähler", sagt von Stetten, der zudem dem konservativen "Berliner Kreis" der CDU angehört. Er frage sich aber, wie das "Open Doors"-Ranking zustande komme.
"Ich habe das Gefühl, dass da Informationen über den Tisch zusammengeschrieben werden", wirft er der Organisation vor.

Andersgläubige unter Druck

Daniel Ottenberg ist bei "Open Doors" unter anderem mit der Erstellung des Weltverfolgungsindex betraut. Im Gespräch mit pro erklärte er die hohe Einstufung der Malediven. Die Verfassung lege als Vorraussetzung für die Staatsbürgerschaft den islamischen Glauben fest, ein eindeutiger Verstoß gegen die Religionsfreiheit, der in dieser Form laut Ottenberg weltweit einmalig ist. Wer die Religion wechsle, dem drohe die Ausweisung. Es gebe verhältnismäßig wenige Christen, die lebten aber im Geheimen und stünden unter erheblichem Druck, ebenso wie Anders- oder Nichtgläubige. Presseberichten zufolge soll das Paradies auch eine Hölle für Atheisten sein.
 2010 soll etwa der Journalist Ismail Khilath Rasheed bedroht worden sein, weil er kritisch über den Islam schrieb. "Amnesty International" prangerte erst im Dezember an, dass Rasheed festgenommen worden sei, weil er eine friedliche Protestveranstaltung für religiöse Toleranz in der Hauptstadt Malé organisiert hatte. Er soll außerdem mit Steinen beworfen worden sein und einen Schädelbruch erlitten haben. Auch "Amnesty International" stellt fest, dass maledivischen Staatsangehörigen nur die Praktizierung des Islam gestattet sei.

Allianz fordert Erklärung

In die Kritik geriet Honorarkonsul von Stetten deshalb nun auch in den Reihen der Deutschen Evangelischen Allianz. In einem Brief forderte deren Beauftragter am Sitz des Deutschen Bundestages und der Bundesregierung, Wolfgang Baake, ihn auf, zu überdenken, ob seine Tätigkeit mit seinem Abgeordnetenmandat zusammenpasse. "Ihr Fraktionsvorsitzender Volker Kauder setzt sich wie kein anderer Politiker in der Welt für die verfolgten Christen ein", heißt es dort, und weiter: "Sehr geehrter Freiherr von Stetten, hier besteht dringender Erklärungsbedarf!" Von Stetten stellte dazu am Donnerstag fest:
"Ich möchte helfen, das Land weltoffen zu machen. Gerade weil ich für Menschenrechte engagiert bin, bin ich Honorarkonsul!"
 (pro)

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