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Handy statt Geldbörse: Der Klingelbeutel wird virtuell

In manchen Kirchengemeinden zücken Besucher nach dem Gottesdienst neuerdings Handy statt Geldbörse. Gespendet wird virtuell. Ein Zukunftsmodell?
Gemeinnützige Akteure profitierten von der Spendenbereitschaft der Deutschen

Foto: M. Schuppich, fotolia

Statt auf Scheine und Münzen setzen manche Kirchgemeinden jetzt auf Handys und iPads bei der Spendenakquise

Bleiben die Kirchenbänke leer, weil die Gemeinde den Gottesdienst coronabedingt von zu Hause aus verfolgen muss, klirren auch im Kollektenbeutel keine Münzen mehr. Damit kirchliche und karitative Zwecke auch von der Ferne oder ohne das nötige Kleingeld im Portemonnaie unterstützt werden können, ermöglichen Spenden-Apps wie Givt eine digitale Kollekte.

„Wir wollen Kirchengemeinden die Liberalisierung ihres Spendenangebots ermöglichen – auch nach Corona“, sagt Marie Sirrenberg, Geschäftsführerin von Amos IT. Das Magdeburger Start-up will Kirche und IT miteinander verbinden und holte das von Theologen in den Niederlanden entwickelte Online-Spendenkonzept zu Beginn der Corona-Pandemie nach Deutschland.

Haben Spender ihre Bankdaten in der App hinterlegt, können sie den Zahlungsverkehr per Givt nach Ende des Gottesdienstes in Gang setzen. „Zum Beispiel können unsere Sender am Klingelbeutel angebracht werden. Der Nutzer geben nur den gewünschten Betrag auf dem Handy an, halten das Handy an den Sender und die Spende wird ausgelöst“, erklärt Sirrenberg. Alternativ könnte zum Beispiel auch ein QR-Code gescannt werden. „Alles, was die Zahlung angeht passiert automatisch, man muss dann nichts mehr bedenken.“

„Zum Beispiel können unsere Sender am Klingelbeutel angebracht werden. Der Nutzer geben nur den gewünschten Betrag auf dem Handy an, halten das Handy an den Sender und die Spende wird ausgelöst“

Marie Sirrenberg,
Geschäftsführerin von Amos IT

Durch das bargeldlose Spenden solle die gewohnte Kollekte jedoch keinesfalls abgeschafft werden, betont Pfarrer Johannes Böttner. Seine Gemeinde im hessischen Niedenstein testet Givt seit Anfang des Jahres. „Mit Givt soll eine datensparsame und datenschutzkonforme alternative Möglichkeit angeboten werden“, sagt Böttner. Die App sei sehr spielerisch aufgebaut und am Ende des Jahres erhalte jeder Spender eine Übersicht der gezahlten Beträge. Zudem könne ihnen Anonymität gewährt werden. Das sei ein weiterer Vorteil, sagt der Pfarrer.

Givt sei ein Ansatzpunkt, die eigene Gemeinde modern aufzustellen, wirbt Sirrenberg für das digitale Spendenkonzept: „Die App ist aus Spendersicht gedacht, bietet aber auch für die Gemeinden Vorteile.“ So könnten beispielsweise Spendenprojekte und Kollektenpläne angelegt und hochgeladen werden. „Und Gebühren fallen nur an, wenn tatsächlich jemand über Givt spendet. Das sind dann Verwaltungsgebühren, die auch anfallen, wenn man Bargeld bei der Bank einzahlt“, ergänzt Böttner.

Weniger Spender, dafür höhere Summen

Bereits jetzt zeichne sich ab, dass die Anzahl der bargeldlosen Spender zwar vergleichsweise geringer sei, der jeweils gespendete Betrag jedoch höher, sagt der Gemeindepfarrer: „Wir haben oft fünf oder zehn Euro, also quasi Scheine, im virtuellen Klingelbeutel. Sonst sind es in der Kollekte eigentlich immer eher Münzen.“

Seine Beobachtung bestätigt auch Sirrenberg. Im Durchschnitt nutzten zehn bis 30 Prozent der Gottesdienstbesucher die digitale Spendenmöglichkeit. Sie seien meist großzügiger, rundeten die Beträge eher auf. „So erreicht man dann auch wieder die Leute, die kein Bargeld mehr dabei haben. Das betrifft ja immer mehr“, sagt Sirrenberg.

Ein halbes Jahr hat es in Böttners Gemeinde gedauert von der Idee im Kirchenvorstand bis zur Umsetzung – einschließlich der Freigabe durch die Landeskirche. „Es ist natürlich so, dass die App am Anfang nicht so viele nutzen“, berichtet der Pfarrer. Pro Sonntag seien es in den vergangenen Wochen zwischen drei und fünf Spenden gewesen.

Allerdings seien auch nicht jeden Sonntag die gleichen Personen im Gottesdienst, weshalb die Gemeinde das App-Angebot zunächst für ein Jahr anbieten und testen will. „Wir wollen auch die großen Feste abwarten, die noch kommen und gegebenenfalls Alternativen ausprobieren“, sagt der Gemeindepfarrer.

epd
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