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Gülen-Dokumentation mit einjähriger Verspätung

Eigentlich sollte die Sendung „Der lange Arm des Imam – Das Netzwerk des Fethullah Gülen“ schon im vergangenen Jahr gezeigt werden. Eine Intervention der Intendantin hatte dies verhindert. Als Grund nannte sie, dass die Dokumentation nicht rechtzeitig fertig geworden sei. Keinesfalls habe man die Ausstrahlung eines kritischen Films verhindern wollen. Am 15. April wird der Beitrag in der WDR-Sendereihe “die Story” nun doch gezeigt.

Von PRO

Foto: Diyar se (Wikipedia/CC-BY-SA 3.0)

Die beiden Autoren Cornelia Uebel und Yüksel Ugurlu widmen sich dem  Prediger, Manager und Medienmogul Fethullah Gülen, der die Gesellschaft spaltet. Während seine Befürworter die moderne und liberale Ausprägung des Islam loben, haben die Gegner Probleme mit dessen Bildungszentren, in denen er versuche, eine islamistische Elite heranzuziehen.

Der große islamische „Reformator“?

In mehr als 140 Ländern soll die Gülen-Bewegung inzwischen Schulen gegründet haben, zwei Dutzend davon gibt es allein in Deutschland. Hinzu kommen etwa 150 Nachhilfezentren. Laut WDR sei die Bewegung in deutsch-türkischen Gemeinden zu einer wichtigen Kraft geworden – fast unbemerkt vom Rest der Gesellschaft. Gülen arbeite erfolgreich an seinem Ruf als großer islamischer „Reformator“ – weltweit, heißt es in der Ankündigung zur Sendung.

Uebel und Ugurlu haben in ihrer Dokumentation begeisterte Anhänger des Predigers getroffen. Dazu gehören auch Manager, die Gülens Bildungsideale in Deutschland mit Eifer umsetzen. In dem Beitrag untersuchen sie, wofür die Bewegung genau steht und welche Ziele sie verfolgt. Ihr Gründer Fethullah Gülen hatte immer wieder betont, dass vor allem extreme Randgruppen das Zusammenleben von Muslimen und Christen belasteten. Der Islam selbst zeige gegenüber jeder Religion Respekt.

Herzensangelegenheit Bildung

In einem Öffnet externen Link in neuem FensterInterview mit dem FAZ-Redakteur, Rainer Herrmann, hatte Gülen das islamische Frauenbild relativiert. Einiges, was an der Rolle der Frau im Islam negativ erscheine, müsse im Zusammenhang mit den Bedingungen der jeweiligen Epochen und Staaten bewertet werden. Im Interview verneint er auch die häufig kritisierte Nähe seiner Bewegung zum Islamismus. Die meisten Aktivitäten fänden in aller Öffentlichkeit statt.

Seine Arbeit im Bildungsbereich bezeichnet er als konstruktiven Beitrag zur Gesellschaft. Auch das Streben nach „Allahs Wohlwollen“ sei ein wichtiger Baustein. Hilfe für Bedürftige gehöre ebenso zu den religiösen und ethischen Verpflichtungen eines Moslems: Diese dürfe man nicht komplett dem Staat überlassen, betonte der 74-Jährige in dem Interview.

Gülen wurde 1938 in der Nähe des türkischen Ortes Erzurum geboren. Er galt früh als begabter Redner und war schon damals politisch aktiv. Mit seinen Büchern und Predigten scharte er immer mehr Anhänger um sich, zu deren genauer Zahl es nur Schätzungen gibt. 1999 geriet er ins Visier der türkischen Staatsanwaltschaft. In einer seiner Reden, die öffentlich wurde, hatte er zur Unterwanderung des türkischen Staates aufgerufen. Er selbst begründete seine anschließende Emigration in die USA mit gesundheitlichen Motiven. Die WDR-Autoren haben sich auf die Reise gemacht, um Gülen in Pennsylvania zu besuchen. „Der lange Arm des Imam – Das Gülen-Netzwerk“ wird am Montag, dem 15. April 2013, von 22 Uhr bis 22.45 Uhr im WDR-Fernsehen übertragen. (pro)

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