Das christliche Medienmagazin

Gröhe im Interview: Fröhlich bekennen statt laut klagen

Für Hermann Gröhe, Generalsekretär der CDU, besteht ein wichtiger Unterschied zwischen christlichem Glauben und Konservativismus. Die CDU beruhe zwar auf christlichen Wertvorstellungen, diese ließen sich jedoch nicht nur durch Tradition umsetzen. Das sagte Gröhe im Interview mit dem Christlichen Medienmagazin pro.
Von PRO

Foto: pro

Wichtiger als bloßer Konservatismus sei es, anhand christlicher Werte Politik mit einem Blick auf die Probleme der Gegenwart mit Offenheit für Neues zu machen. Die Stärke des Konservativismus sieht Gröhe darin, sich zu "bewährten Werten und Institutionen" zu bekennen, anstatt lediglich über die Moderne zu klagen. Wichtig sind ihm die christlichen Werte und weniger eine grundsätzlich konservative Haltung. Aus dieser Perspektive ließen sich konservative, liberale und christlich-soziale Vorstellungen verbinden.

Einer solchen Sichtweise liege auch die aktuelle Politik zugrunde. Die anhaltende Kritik an der Familienpolitik werde zwar ernstgenommen, dennoch sei Wahlfreiheit in dieser Frage das wichtigere Leitbild der CDU. Die Familienpolitik müsse die verschiedenen Lebensentwürfe der Menschen unterstützen. Für Familien mit Elternteilen, die aufgrund der Erziehung zu Hause bleiben, geschieht dies durch das Ehegattensplitting und die Mitversicherung des nicht erwerbstätigen Elternteils. Für Familien, bei denen beide Elternteile erwerbstätig sind, werden Kinderbetreuung und Ganztagsschulen ausgebaut. Dadurch sollen Grundsatztreue und Modernität vereint werden.

Zu den Kommentaren über den Rücktritt von Roland Koch äußert sich der Generalsekretär der CDU ablehnend. Er widerspricht Vermutungen, dass Roland Koch aus Protest gegenüber dem Reformkurs der Kanzlerin gegangen ist. Alle hätten ihn gerne in seiner bisherigen Funktion behalten. Und zudem sei er nicht nur stets konservativ, sondern zugleich auch modern gewesen, wie sich am Ausbau der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren gezeigt hätte.

Auch in den Äußerungen über christliche Symbole durch die muslimische Sozialministerin von Niedersachsen, Aygül Özkan, sieht Herr Gröhe keine Loslösung von christlichen Werten, sondern eher übertriebene Zuspitzungen. "Wer sich über sie aufgeregt hat, sollte sich fragen, ob in der Schule der eigenen Kinder und Enkel Kreuze hängen". Erschreckend empfand er dabei die massive Islamfeindlichkeit einiger Zuschriften. Denn nur durch eine bessere Zusammenarbeit mit der "großen Mehrheit friedlicher Muslime" könne der militante Islamismus bekämpft werden. Frau Özkan habe ihre Aussage im Übrigen wieder revidiert.

Diese Vorgehensweise, Modernes mit Altbewährtem zu verbinden, sieht Gröhe als zukunftsweisend für die Politik der CDU. Im Hinblick auf die Bundestagswahl von 2009 betont er die Wichtigkeit eines Parteiprofils, das Integrationskraft mit Identität verbindet. Als Maßstab hierfür bezeichnet er die christlichen Werte, die einladend wirkten und somit auch von Menschen anderer Religion oder Weltanschauung akzeptiert würden. Zugleich sind sie aber auch Teil der christlichen Kultur und schaffen damit eine Verbindung. "Denn wenn wir uns beispielsweise gegen die Zulässigkeit der Tötung auf Verlangen bei Schwerstkranken wenden, brauchen wir mehr als nur die Unterstützung überzeugter Kirchgänger". Was die Stärke einer solchen Unterstützung angeht, sieht Herr Gröhe allerdings einen Bruch mit den christlichen Wurzeln in der Gesellschaft. Auf der anderen Seite freut er sich über die verstärkte missionarische Arbeit und über die große Religionsfreiheit, die in Deutschland herrscht. "Es gibt nicht so viele Länder, in denen so wenig Mut dazu gehört, sich zum seinem christlichen Glauben zu bekennen wie in Deutschland". Statt der Klage sollte das fröhliche Bekenntnis zum Glauben stehen. (pro)

Lesen Sie das vollständige Interview mit Hermann Gröhe in der aktuellen Ausgabe des Christlichen Medienmagazins pro 03/2010, auf Seite 12.

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