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„Gottes Wege haben immer eine Bedeutung”

Patrick Meinhardt gehört als FDP-Bundestagsabgeordneter zu den großen Verlierern der Bundestagswahl. Im pro-Interview verrät er, wie er als Christ mit dieser Niederlage umgeht.

Von PRO

Foto: FDP Fraktion

pro: Der Ausgang der Bundestagswahl bedeutet für Sie, dass Sie nach acht Jahren aus dem Bundestag ausscheiden. Wie geht es Ihnen, einen Tag danach?

Patrick Meinhardt: Das war schon ein Desaster, das ich nicht erwartete hatte, eine bitterböse Niederlage. Zudem ist es eine historische Situation, dass es im Parlament nun keine liberale Partei mehr gibt. Wir haben die Bundesrepublik und die Deutsche Einheit mit aufgebaut. Im Augenblick bin ich noch etwas fassungslos und sorge mich vor allem um meine Mitarbeiter. Es gehört zu meiner Verantwortung diese nun in den kommenden Wochen eine andere Perspektive zu geben.

pro: Hätte die FDP stärker um die christlichen Wähler werben müssen?

Patrick Meinhardt: Ich glaube, dass die religiöse Überzeugung in unserem Fall nicht ausschlaggebend für die Wahl war. Wir haben es als Regierungspartei auch dank Guido Westerwelle geschafft, dass die Religionsfreiheit als Menschenrecht in den Koalitionsvertrag hinein gekommen ist. Volker Kauder und Guido Westerwelle haben gemeinsam international gegen Christenverfolgung gekämpft.

pro: Sie waren bisher Sprecher der Christen in der FDP-Bundestagsfraktion. Gehen Sie als gläubiger Mensch anders mit einer solchen Wahlniederlage um?

Patrick Meinhardt: Ich kann es nur schwer einschätzen, weil ich meine Politik immer als gläubiger Mensch betrieben habe und es nicht anders kenne. Allerdings merke ich schon, dass ich mit einer gewissen inneren Ruhe und Glaubenstiefe an die Situation herangehe. Das hat sich bei mir schon im Verlauf des Sonntags gezeigt. Zur Mittagszeit habe ich mich in ein Kloster in meiner Heimat Baden Baden zurückgezogen und gebetet. Ich habe in diesem Gebet zum Ausdruck gebracht, dass ich den Ratschluss Gottes gerne verstehen möchte, egal wie die Wahl ausgeht. Gottes Wege sind diejenigen, die hier wirken und sie haben am Schluss immer ihre Bedeutung. Ich meistere diese Situation also mit einer großen inneren Getragenheit, die meinem Glauben entspringt.

pro: Der Bundestag wird sich in der kommenden Wahlperiode aus vier Fraktionen zusammensetzen, die Linke ist darin drittstärkste Kraft. Sehen Sie darin eine Gefahr für ein christliche-jüdisches Erbe in der deutschen Politik?

Patrick Meinhardt: Nein. Das Fundament der Bundesrepublik ist ein christliches und so sieht das ein Großteil der Abgeordneten. Wir machen Politik vor Gott und den Menschen, so gestalten wir zum Beispiel unseren Gebetsfrühstückskreis im Deutschen Bundestag. Das ist für mich übrigens eines der Dinge, die ich am meisten vermissen werde – ich bin Moderator dieses Kreises und er ist wirklich etwas besonderes. Ich glaube nicht, dass durch die Linke nun ein Problem entsteht. Es ist für mich aber erschreckend, dass 20 Jahre nach dem Mauerfall Kommunisten im Bundestag sind, aber Liberale, die die Deutsche Einheit mitgestaltete haben, nicht mehr.

pro: Stellen Sie sich eine Skala vor, die von 1 wie antichristlich zu 10 wie christlich reicht. Wo hätten Sie darauf ihre eigene Fraktion verortet?

Patrick Meinhardt: Da 48 von 93 Abgeordneten meiner Fraktion im Kreis der Christen in der FDP sind, würde ich uns eine 7 geben. Es gibt zudem eine ganze Reihe von Kollegen, die uns nahe standen, aber nicht fest zu diesem Kreis gehörten.

pro: Christian Lindner bewirbt sich um den Posten als Parteichef. Er forderte in der Vergangenheit mehrfach einen religiös neutraleren Staat. Würde ein solcher Chef als Nachfolger des Katholiken Rösler das Christliche in der FDP schwächen?

Patrick Meinhardt: Nein. Die Grundlinie der FDP ist eine religiös neutrale. Wir mache zwar Politik in Verantwortung vor Gott und den Menschen, leben aber in einem weltanschaulich neutralen Staat, auch wenn wir seine Wurzeln klar bekennen. Ich könnte mir vorstellen, dass Christian Lindner künftig das ein oder andere etwas pointierter formulieren wird, aber das hat in der Vergangenheit schon häufig dazu geführt, dass die Themen öffentlich diskutiert wurden. Das war der Sache meist eher zuträglich.

pro: Die FDP würde unter Lindner also nicht laizistischer?

Patrick Meinhardt: Nein, dazu haben wir genügend engagierte Christen in der Partei. Er wird die Vielfalt der Partei sehen und schätzen. Gerade wenn es darum unser soziales Profil zu schärfen, wird er froh sein, in uns enge Partner zu haben.

pro: Herr Meinhardt, vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Anna Lutz

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