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„Gott will nicht, dass diese Frauen leiden”

Gegen Zwangsprostitution in Deutschland haben sich am Donnerstag hunderte Kirchentagsbesucher in Hamburg stark gemacht. In einer Resolution forderten die Unterzeichner Politiker dazu auf, Opfer von Menschenhandel besser zu schützen. Die Teilnehmer einer Diskussionsrunde riefen besonders Christen auf, gegen das Unrecht vorzugehen.

Von PRO

Foto: pro

Schwester Paula Fiebag von der katholischen Hilfsorganisation „Solwodi” berichtete im Rahmen der Talkrunde zum Thema „Zwangsprostitution – bei uns vor der Tür?” aus ihrem Arbeitsfeld. Ihre Organisation hilft Frauen, aus der Zwangsprostitution zu fliehen. Moderne Sklaverei sei „ein Verbrechen, das mitten unter uns stattfindet”, sagte Fiebag. Allein im vergangenen Jahr habe Solwodi 1.709 Frauen aus 105 Länder betreut. Politiker sprächen zwar oft über das Thema, täten aber wenig dagegen, kritisierte sie. Das Prostitutionsgesetz habe mehr den Schleppern, Schleusern und Zuhältern geholfen als den Frauen. Hinzu komme, dass die Polizei nur geringfügig gegen Menschenhandel vorgehe. Bordelle würden seltener kontrolliert, weil es zu wenig oder überlastetes Personal gebe. Wie drängend die Not ist, machte sie mit der Geschichte von Zaida aus Rumänien klar, einer Frau, die Fiebag aus ihrer Arbeit kennt. Vor zehn Jahren sei sie nach Deutschland gekommen, um Geld für ihre Familie zu verdienen. Ein Freund habe sie mit dem Versprechen ins Land geschleust, hier könne sie eine gute Arbeit finden. In der Bundesrepublik angekommen, habe er sie zur Prostitution gezwungen, bei Widerstand habe er sie geschlagen. Er habe sogar gedroht, ihre Tochter in Rumänien zu vergewaltigen, sollte sie eine Flucht wagen. „Zaida ist eine von hunderten Frauen, denen wir jedes Jahr begegnen”, sagte Fiebag, und weiter: „Gott will nicht, dass diese Frauen leiden.”

„Wie tausend Mal vergewaltigt”

Gaby Wentland von der christliche Organisation „Mission Freedom” benannte ein weiteres Problem: Viele Frauen sprächen kein Deutsch, könnten deshalb oft nur schwer Hilfe suchen. Viele seien zudem traumatisiert: „Ich weiß nicht, ob sich jemand hier vorstellen kann, wie es ist, wenn man 1.000 Mal vergewaltigt wird.” Ruth Dearnley von der Organisation „Stop the Traffic” wünschte sich besonders von Christen, dass sie sich öffentlich gegen diese Verbrechen stark machen. Wie das gehen kann, erklärte der CDU-Bundestagsabgeordnete Frank Heinrich. Er rief die Zuhörer dazu auf, sich direkt an ihre Abgeordneten im Bundestag zu wenden. „Ich habe zu dem Thema in den letzten dreieinhalb Jahren vielleicht fünf Zuschriften bekommen”, sagt er.

Thomas Schirrmacher, Botschafter für Menschenrechte der Weltweiten Evangelischen Allianz, kritisierte, der Umgang mit Frauen, die aus der Prostitution aussteigen wollten, sei „mies geregelt”. Gerade Christen seien in diesem Punkt gefragt: Er beobachte, dass die Motivation „im Namen Gottes Gerechtigkeit zu fordern” bei Evangelikalen besonders stark sei.

Jörg Blicke vom Landeskriminalamt Hamburg zeigte sich skeptisch, was die Bekämpfung von Zwangsprostitution angeht: „Wir werden immer damit leben müssen”, sagte er. Es gebe eine Nachfrage, die sich nicht einfach so abschalten lasse. Mit Prostitution ließe sich eben Geld verdienen. „Man kann nicht jeder Frau helfen”, erklärte er und berichtete von einer Prostituierten, die von ihrem Zuhälter unter Druck gesetzt worden sei, indem er ihr ein Foto ihrer in Russland lebenden Tochter gezeigt habe. In dem Moment habe die Frau gewusst, dass ihr Kind nicht sicher sei, der Polizei in Deutschland hingegen seien die Hände gebunden gewesen. (pro)

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