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Gott vor Gericht

Ist Gott tot oder nicht? Diese Frage sollte vor zwei Jahren im Spielfilm „Gott ist nicht tot“ ein Philosophie-Professor klären. Nun wird sie in einem Nachfolgefilm vor Gericht verhandelt. Eine Filmkritik von Jörn Schumacher
Von PRO
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Der Spielfilm „Gott ist nicht tot 2“ bringt die Frage nach dem Glauben an Gott vor Gericht

Foto: Gerth

Der Spielfilm „Gott ist nicht tot 2“ bringt die Frage nach dem Glauben an Gott vor Gericht
Der Tag beginnt mit einem wundschönen Sonnenwetter, christliche Country-Musik unterstreicht, wie schön die Welt ist, die amerikanische Flagge wird vor der Universität gehisst, und das Baseballteam betet vor dem Training. So beginnt der Film „Gott ist nicht tot 2“, und es besteht schon zu Beginn kein Zweifel daran, dass auch in diesem christlichen Film der weiße angloamerikanische Protestantismus am Ende gewinnen wird – was wahrscheinlich mit einer großen Party und einer christlichen Band gefeiert werden wird – wie in „Gott ist nicht tot“. Ein Christ, der einen Film anschauen möchte, aber Produktionen aus dem sündigen Hollywood ablehnt, ist angewiesen auf das Genre „christlicher Film“. Das ist die kostengünstiger produzierte Imitation, in der es garantiert ein Happy End mit Jesus gibt, in der sich die eher mittelschlimmen Probleme durch den Verweis auf Gott von selbst auflösen. Er muss sich aber auch damit abfinden, dass die Produktionen selten sehr aufwändig, spannend oder von einer schauspielerischen Elite gekrönt sind. Mit „Gott ist nicht tot 2“ brachte der amerikanische Regisseur Harold Cronk nun einen zweiten Teil zu „Gott ist nicht tot“ heraus, der 2014 auf dem amerikanischen Markt und 2015 auf Deutsch als DVD herauskam. Mit dem Plot hat dieser zweite Teil, der nun in Deutschland auf DVD erschienen ist, nichts zu tun, nur ein paar Schauspieler sind identisch. Und auch die Ästhetik kommt dem ersten Teil nahe: Die schauspielerische Leistung liegt im Mittelfeld und Christen werden als Heilige dargestellt. Christliche Filmemacher verfolgen meistens einen Auftrag, und der lautet: die Welt so zeigen, wie sie nach Ansicht eines amerikanischen Durchschnittschristen sein sollte. Da sind Christen die starken Persönlichkeiten, zu denen Nichtchristen aufsehen, Pastoren sprechen in Bibelversen miteinander, und die Sonne scheint über einer amerikanischen Kleinstadt nur deshalb, weil einige Christen darin wohnen. Leider wirkt zudem die deutsche Synchronisation auch bei „Gott ist nicht tot 2“ genauso hölzern wie in „Gott ist nicht tot“.

Gandhi und Jesus im Unterricht

Grace Wesley ist eine junge, motivierte Lehrerin, die – anders als ihre Kolleginnen – ihren Job noch liebt. Und die Schüler lieben sie. Eine niedergeschlagene Schülerin, deren Bruder gestorben ist, fragt Wesley: „Sie sind immer so zuversichtlich. Wie machen Sie das?“ Und die Lehrerin antwortet: „Jesus.“ Und damit endet der Dialog zwischen Lehrerin und Schülerin auch schon wieder, und man möchte dem Drehbuchautoren dafür am liebsten eine Fünf Minus verpassen. Im Unterricht nimmt Wesley eines Tages das Thema Gewaltlosigkeit durch. Und dabei spricht sie selbsterklärend Mahatma Gandhi und Martin Luther King an. Nur eine Person der Weltgeschichte, die für Gewaltlosigkeit bekannt wurde, lässt sie erstaunlicherweise aus: Jesus Christus. Eine Schülerin hakt nach: ob denn nicht Jesus noch vor Martin Luther King schon Gewaltlosigkeit gepredigt habe, fragt sie. Ja, das habe er, stellt die Lehrerin klar und gibt sogar noch eine Bibelstelle wieder, wo das steht. Aus dieser Begebenheit wird dann im Film ein Skandal, was man als Zuschauer zunächst nicht ganz nachvollziehen kann – hat die Lehrerin doch lediglich auf die Frage einer Schülerin geantwortet. Dennoch bauscht sich der Fall zu einer großen, medial beobachteten Gerichtsverhandlung aus. Es geht um nichts weniger als die Unterrichtserlaubnis von Wesley und die Übernahme der Gerichtskosten. Der Fall ist etwas weit herbeigeholt und erinnert damit ein wenig an den Vorgänger-Film, wo ein Philosophie-Professor von seinen Studenten verlangte, auf ein Blatt Papier zu schreiben: „Gott ist tot“. Hier wie dort geht es um die ganz große Frage. „Wir werden ein für alle mal beweisen, dass Gott tot ist“, grinst der Anwalt der Anklage diabolisch. Er will an der Lehrerin ein Exempel statuieren.

Achterbahnfahrt vor Gericht

Vor Gericht nimmt der Film endlich Fahrt auf, und es ist spannend mit anzusehen, wie Anklage und Verteidigung darüber streiten, was die Floskel „Trennung von Kirche und Staat“ eigentlich bedeutet, woher sie kommt und was sie will. Zum Glück kommen beide Seiten rhetorisch gut weg, und der Zuschauer ertappt sich dabei, wie er – mit den Geschworenen gemeinsam – alle Argumente gegeneinander abwägt. Lee Strobel, der amerikanische Buchautor und früherer Journalist, der durch tiefgehende Recherchen zum Glauben kam, hat einen Gastauftritt im Gerichtssaal als Zeuge der Verteidigung. Der Kniff, den der junge und zunächst etwas unbeholfen wirkende Anwalt der gläubigen Lehrerin schließlich anwendet, kommt dann in der Tat überraschend. Am Ende gibt es eine große Party mit einer christlichen Band. (pro) Gott ist nicht tot 2, DVD, 116 Minuten, FSK 12, Gerth Medien, 14,99 EUR
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