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Gott sei Punk: Jesus liebt Nina Hagen

"Controlfreak" - es ist wohl das hässlichste Wort, das Nina Hagen kennt, und zugleich das am meisten benutzte. Sie hat ihre Freiheit gefunden, das wird in ihrem neuen Buch "Bekenntnisse" schnell deutlich. Die Punkrockerin, die immer aus dem Rahmen fiel, hat denjenigen gefunden, der allen "Controlfreaks" den Garaus gemacht hat, ihren neuen "Verlobten": Jesus Christus.
Von PRO

Foto: pro

Überall ist sie derzeit zu sehen oder von ihr zu hören, so scheint es. In diesen Tagen absolviert sie einen regelrechten Marathon der Buchvorstellungen und Interviews. Auf der Leipziger Buchmesse plauderte sie erstmals auf ihre einmalige Art über ihr Buch, ihre "Bekenntnisse" und ihr bisheriges Leben, griff zur Gitarre und sang aus vollem Herzen Gospels. Doch sie redet nicht nur von Jesus, so wie ihr neues Buch nicht nur von Jesus handelt. Stattdessen breitet sie ihre Jugend vor dem Leser aus, die erste(n) Liebe(n), das fast unerträgliche Gefühl des Eingesperrtseins in der DDR, Bekanntschaften mit kulturellen Größen der 60er Jahre wie Wolf Biermann, Heinrich Böll und Udo Lindenberg.

Und doch blitzt immer wieder, in Interviews wie im Buch, auf, was ihr Leben in den vergangenen Jahren komplett umgekrempelt hat: Vor einem Jahr sorgte sie für Schlagzeilen, weil sie sich in einer kleinen evangelischen Kirchengemeinde in Schüttorf an der holländischen Grenze taufen ließ. Nina Hagen auf einem neuen Trip?, dachten viele. Und der Verdacht, die unruhige, spirituelle und stets suchende Sängerin habe nun erneut eine Abzweigung genommen und wolle mit neuen spinnerten Geschichten von geistlichen Erfahrungen die Welt beglücken, ist auch den Besuchern der Leipziger Buchmesse ins Gesicht geschrieben. Milde lächelnd oder starr staunend lauschen sie Nina, die wie eh und je aufgeregt auf ihrem Sitz hin und her rutscht und mit großen Augen von Wundern erzählt, die sie gerade erlebt hat.

Doch sie scheint irgendwie wirklich ans Ziel gekommen zu sein. Freudig ruft sie immer wieder "Praise the Lord" aus, und es klingt nicht aufgesetzt, wie nichts an ihr. Sie spricht von ihrem neuen liebenden Verlobten Jesus und dem "Big Daddy" im Himmel. Mit 17 bereits habe sie Gott eigentlich zum ersten Mal "getroffen", schreibt sie in ihrem Buch. OK, es war LSD im Spiel, und ok, wenn sie erzählt, sie sei für kurze Zeit wirklich richtig tot gewesen, bleibt vielen in der Tat nur ein mildes Lächeln übrig. Dabei ist die Szene, in der Nina Jesus trifft, das inhaltliche Zentrum ihres Buches. Denn es ist mehr als ein LSD-Trip, es ist eine Wende in Ninas Leben. Jesus macht ihr klar, dass er sie – und alle Menschen auf der Erde – unendlich und mit der immer gleichen Liebe liebt. Doch erst jetzt, 40 Jahre später, hat sie sich nach ein paar Abstechern nach Indien und in die UFOlogie einen Reim auf ihre Gotteserfahrungen machen können. Jesus ist die Wahrheit, und der biblische Gott der Eine, dessen ist sie sich nun mehr als sicher.

"Nini, willst Du zu den Punks?"

Immer wieder versucht sie, ihren Lesern einen Funken dieser neuen Freude abzugeben, ermutigt Niedergeschlagene und gibt Suchenden, wie sie früher eine war, Rat. "Ich glaube an Gott, oh ja, hipp, hipp, hurra!", solche Sätze gibt es viele in ihrem neuen Buch. "Jesus ist the healer! The doctor! Gott ist der Heiler, der Arzt, der Retter und der Fels meines Heilwerdens!" Wenn sie von ihrem Glauben schreibt, natürlich auf Nina Hagen-Art, deckt er sich doch mit der Quintessenz der protestantischen Theologie, ist absolut rein paulinisch und noch dazu voller kindlicher Begeisterung und geradezu mütterlicher, fürsorglicher Liebe.

"Controlfreaks" hat sie schon immer gehasst, Menschen, die meinen, anderen Menschen sagen zu müssen, was sie zu tun und zu unterlassen haben. Der biblische Glaube passt daher so perfekt zu Nina Hagen, weil er alle menschliche Kontrolle, alle Besserwisserei, jedes Pharisäertum ans Kreuz genagelt und dem Tod übergeben hat. Wenn Nina von ihrem König Jesus spricht, ist es der König als Befreier aller Unterdrückten und Kontrollierten.

Jetzt hat Gott ihr einen Auftrag gegeben. "Wie James Bond" hat sie eine "mission". "Nini, willst du zu den Punks?", fragte sie Gott. "Bei denen war noch keiner, um von Mir, ihrem Gott, zu erzählen!" Klar will sie. Ihre Freude über das Losreißen von dem "faulen Zauber" der indischen Gurus, über ihren wirklich treuen Verlobten Jesus und den liebenden Vater im Himmel strahlt sie nach außen. Sie singt erstmal nur noch Gospels, und ihre Konzerte sollen Gottesdienste sein. Und sie hat gleich eine Botschaft parat: "Jedes Kind hat übrigens eine mission; und für jeden Menschen hat Gott einen Masterplan."

Es bleibt zu hoffen, dass die Nina, die schon immer rebellisch gegen jede staatliche oder menschliche Kontrolle ihre Fratze gezeigt hat, die alte bleibt. Denn auch oder gerade unter den Frommen gibt es Ideologien und Gesetze, die sich Menschen ausgedacht haben, um anderen die Freiheit zu nehmen. Die Nina, ob nun gläubig oder nicht, wird hoffentlich auch dagegen standhaft bleiben und ihr Ding durchziehen, auch wenn ihr nun die einen oder anderen zu sagen versuchen werden, was sie zu tun und zu unterlassen hat, rein christlich gesehen natürlich. Aber Jesus ist ja hauptsächlich für die gekommen, die ihn brauchen, die Drogenabhängigen, Kranken und Verlorenen. Und für die Punks. (pro)
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