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Gott loben trotz Katastrophe

"Wo war Gott in Japan?" Unter dieser Überschrift legt der gläubige Philosoph Robert Spaemann in der "Zeit"-Beilage "Christ und Welt" seine Meinung dar, warum man Gott selbst in der größten Katastrophe vertrauen könne und warum Jesus Leid nicht stoisch ertrug. Der ehemalige Bischof Wolfgang Huber macht in seinem Beitrag Kindern ebenfalls Mut zum Gottvertrauen inmitten der Hilflosigkeit.
Von PRO

Foto: Save the Children (flickr)

Der 83-jährige Spaemann gehört zu den bedeutendsten katholischen Denkern der Zeit.
Er wurde 1927 in Berlin geboren, studierte Philosophie, Geschichte, Theologie und Romanistik. Spaemann war Professor für Philosophie an den Universitäten Stuttgart, Heidelberg und München, wo er 1992 emeritiert wurde. 2005 erschien sein Buch "Das unsterbliche Gerücht. Die Frage nach Gott und der Aberglaube der Moderne".

Auf die Frage "Wo war Gott in Japan?" antwortet Spaemann, die Menschen stellten auch die Frage: Wo war Gott in Auschwitz? "Meine Antwort lautete stets: am Kreuz." In Auschwitz habe die "teuflische Bosheit von Menschen" gewirkt. In Japan handelte es sich um ein "ungeheuerliches Zusammentreffen von drei Katastrophen". Doch die Frage "Wo ist Gott?" stelle sich auch unabhängig von solchen Ereignissen. "Schon wenn ich zum Beispiel höre, dass ein kleines Kind von seinen Eltern auf bösartige Weise zu Tode gequält wurde." Nach Katastrophen entstehe eine "gewisse Hysterie, die auf die Größenordnung schaut, da muss sich Gott speziell rechtfertigen", stellt der Philosoph fest. "Bei kleineren Sachen ist man bereit, darüber hinwegzusehen." Der gläubige Katholik fügt hinzu: "Gott hingegen sieht über gar keine Sache hinweg."

"Jesus war kein Stoiker"

Eine Antwort auf die Frage, wie Gott dieses oder jenes zulassen könne, könne man im Buch Hiob finden: Dort trete Gott selbst irgendwann auf und mache klar, dass im Grunde kein Mensch eine Ahnung von Gottes Motiven habe. An Hiob persönlich gewandt frage Gott ihn, ob er denn überhaupt eine Ahnung vom Kosmos habe, den er erschaffen habe. Dies bringe Hiob zur Besinnung. "Er vertraut auf Gott, trotz allem, was geschieht." Hiobs Frau hingegen riet ihm, Gott abzuschwören und zu verfluchen. Auch ein gläubiger Jude habe, so Spaemann, bevor er in Auschwitz ermordet wurde, aufgeschrieben: "Gott, mach mit uns, was du willst. Du wirst es nicht schaffen, dass wir aufhören, dich zu loben." Spaemann: "Dieses gewaltige Paradox versteht nur ein Gläubiger." Den Grund, warum man sich auf Gott verlassen könne, sieht Spaemann darin, dass Gott kein alter Mann sei, der zürne oder sich aus dem Konzept bringen lasse, so der Philosoph. "Gott ist immer gleich, er verändert sich nicht."

Die "stoische Ruhe und Gelassenheit" der Japaner angesichts der Katastrophe könne man als Christ nur bewundern. Doch damit seien sie nicht unbedingt in einer besseren Lage als Christen. "Jesus selbst war kein Stoiker. Er hat gezittert am Ölberg, er hat geweint, er hat sich überschwänglich gefreut." Der Philosoph fügt hinzu: "Christen haben den nichtchristlichen Japanern etwas voraus: Vertrauen. Das ist zukunftsweisender als stoisches Aushalten." Indem er auf etwas Größeres schaue als er selbst, könne ein Christ selbst die schlimmsten Dinge annehmen.

Spaemann erinnert, dass laut biblischer Vorstellung die Erde ohnehin einem Ende entgegengehe, "und am Ende kommt nicht etwa das Reich Gottes, sondern der Antichrist. Das Reich Gottes kommt dann rettend in Form eines Einbruchs von außen". Paulus habe ebenfalls betont: "Wir haben hier keine bleibende Statt, unsere Heimat ist im Himmel." Diese unbequeme Botschaft des Paulus sei ihm "eine Quelle der Freude" geworden. Dennoch sei es legitim, seine Sorgen und Nöte vor Gott auszuschütten. "Wir können unsere Klagen vor Gott bringen. Sie trennen uns nicht von ihm." Schließlich rufe etwa der Psalmist Gott fast in dessen Eigeninteresse an: "Du kannst doch nicht wollen, dass die Heiden sagen: Wo ist denn ihr Gott?" Christen könnten nun angesichts der Krise in Japan zwei Dinge tun: Praktisch helfen und beten. "Übrigens auch in umgekehrter Reihenfolge", sagt Spaemann.

Huber: "Keine absolute Sicherheit der Atomtechnik"

Der ehemalige Ratsvorsitze der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, schreibt in der "Kinder-Zeit" derselben Ausgabe der "Zeit" unter der Überschrift "Angst, Fragen, Zweifel", wie man als Kind die Ereignisse in Japan verarbeiten könne.
Jeden Tag sehe man erschütternde Bilder aus dem Katastrophengebiet. "Und wo ist Gott in all dem?", fragt auch Huber. Er sei bei den hilflosen Menschen, die auf Rettung warteten, so Huber. Ihm persönlich gehe ein Mann nicht aus dem Sinn, der inmitten der Katastrophe sagte: "Ich bete, dass es doch noch gut wird." Denn er halte auch in der Zerstörung an der Hoffnung fest, wie der Psalmist, der ausrief: "Gott, hilf mir! Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle. Ich versinke in tiefem Schlamm, wo kein Grund ist (…)".

Er selbst spüre Gottes Nähe auch in dem Chaos von Erdbeben, Tsunami und Atomgefahr, so der Geistliche. Er fügt hinzu, dass die Welt, in der wir leben, zwar Gottes Schöpfung sei, "aber keine heile, immer glückliche". Die Welt sei erschaffen in der Spannung zwischen Reichtümern und Bodenschätzen einerseits und Naturkatastrophen andererseits. Gott habe der Natur dieses "Rechte" eingeräumt, ebenso wie er dem Menschen seinen freien Willen lasse. Gleichzeitig mahnt Huber, der Mensch dürfe sich nicht zu sehr auf Technik verlassen. "Die modernste Technik macht die Zukunft nicht sicherer. Jeden Tag unseres Lebens empfangen wir als ein neues Geschenk. Dankbarkeit und Gottvertrauen sind eine Kraftquelle für unser Leben." (pro)

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