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“Gott ist Person, nicht nur Energie”

Sprechen die Kirchen zu wenig über Gott als Person? Ja, meint der Theologe Stephan Schaede, Leiter der evangelischen Akademie "Loccum" in Niedersachsen. Im Interview mit der "Welt" erklärt er, warum der Gott der Bibel mehr ist als nur eine abstrakte Kraft.
Von PRO

Foto: Wikipedia (Public Domain)

"Religiosität zeigt sich bei vielen Menschen heute etwa auch dadurch, dass sie an eine höhere unpersönliche Kraft oder Energie glauben", erklärt Schaede und weist darauf hin, dass diese Vorstellung von Gott als bloße Kraft auch "in Teilen der evangelischen Zunft in Kirche und Theologie" angekommen sei. Er persönlich halte dies für falsch und sogar irreführend: "Selbst eine kritische Auseinandersetzung mit der biblischen Erzähltradition kommt nicht darum herum, dass Gott als eine Person mit einer Biografie zu denken ist."

Schaede benennt Vorteile, die ein solches Gottesbild mit sich bringe: "Personen sind im Vergleich zu bloßen Kräften oder Energien viel komplexer. Personen entwickeln sich lebensbiografisch, sie haben im Gegensatz zu bloßen Kräften die Fähigkeit, etwas zu erleben. Sie haben Mitgefühl." Eine Person habe die Fähigkeit, zu vergeben und zu segnen, sich zu korrigieren und in einen Dialog zu treten. "Schon deshalb wäre es ein großer Verlust an Komplexität im Gottesbild, wenn wir uns Gott als Kraft statt als Person denken würden", so Schaede in der Samstagsausgabe der "Welt".

"Mitteilungsdefizit in den Kirchen"

Pfarrerinnen und Pfarrer dürften Segensgesten im Gottesdienst nicht als Ersatzhandlung für den konkreten Verkündigungsauftrag gebrauchen, fordert Schaede und sagt: "Ich habe den Eindruck, in den Kirchen herrscht im Bezug auf Gott ein erhebliches Mitteilungsdefizit. Es lohnt sich die Biografie Gottes, die die Bibel entfaltet, viel stärker auszuplaudern." Der 49-Jährige erklärt, dass Gott sich als Person auch dem einzelnen Gläubigen zuwende: "Ansprechen kann ich nur eine Person, ein Gegenüber, die komplexe Gestalt hat. Derzeit wird Gott in Gebeten zu wenig gefragt." In Gottesdiensten müsse auch Raum für kritische Fragen, etwa nach Leid und Krankheit, eingeräumt werden.

Schaede konkretisiert sein Gottesbild auf Nachfrage der "Welt": "Dass Gott uns Heilszusagen macht und Zukunftswünsche unterbreitet, ist nur beim Glauben an einen persönlichen Gott vorstellbar." Gott sei eben keine abstrakte Kraft. "Alle entscheidenden Ansagen des Neuen Testaments darüber, was Gott mit uns vorhat – vergeben, versöhnen, richten, neues Leben gestalten – sind Dynamiken, die nur personal vorstellbar sind." (pro)

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