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Gott im Überfluss

Darf und kann es in Zeiten der Euro-Krise ein grenzenloses Wachstum geben? Nein, meint Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in einem Gastbeitrag der "Zeit"-Beilage "Christ & Welt". Gott sei derjenige, der den Menschen in seine Schranken verweise.
Von PRO

Foto: CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag/Laurence Chaperon.

Gerade in bedrückenden Lebenssituationen würden sich Menschen oft auf Gott besinnen und im Gebet an ihn wenden, meint Schäuble. Während der Alltag voll von beruflichen und familiären Pflichten ausgefüllt sei, merke der Mensch in solchen Momenten, dass er nicht die volle Kontrolle über sich selbst, "seine Kräfte und seine Gesundheit hat, wie wir uns das gern einreden wollen".



Begrenztheit unserer Existenz



Daraus zu folgern, dass man nur in Krankheitszeiten an Gott glauben könne, wäre falsch und schlimm: "Denn die Begrenztheit unserer Existenz, unserer Macht und unserer Möglichkeiten, die uns in solchen Situationen besonders deutlich wird, trifft in Wirklichkeit auf unser Leben als Ganzes zu. Sich ihr auszusetzen und sie anzuerkennen, ist für uns als Individuen wie auch für unsere Gesellschaft als ganze von grundlegender Bedeutung. Genau dies tut der Glaube an Gott", schreibt Schäuble.



Der Glaube an Gott führe die eigene Begrenztheit immer wieder vor Augen. Er zeige, dass es etwas und jemanden gibt, der vor und über uns steht. Die jetzigen Krisen und die der Vergangenheit wurden "nicht zuletzt durch die grenzenlose Gier nach immer höheren Gewinnen an den Kapitalmärkten ausgelöst". Immer dann, wenn die Mechanismen der Marktwirtschaft nicht kontrolliert und begrenzt würden, könnten sie unmenschliche Konsequenzen hervorbringen. Neue Bedürfnisse in der Konsumgesellschaft führten auch zum Raubbau der verfügbaren natürlichen Ressourcen und damit zu Zuständen, "die für das menschliche Wohlergehen und sogar für das menschliche Überleben bedrohlich sind".



Absoluter Schutz der menschlichen Würde



Den Menschen falle es schwer Grenzen anzuerkennen und die Tatsache, dass es etwas Höheres als uns gibt. Viele hätten gerne alle Vorteile eines globalen Weltwirtschaftssystems ausgenutzt: "Der Glaube an Gott erinnert daran, dass solche Auffassungen immer falsch und gefährlich sind", schränkt der Politiker ein. Neben dem Klimaschutz und der Weltwirtschaft gehe es vor allem um den absoluten Schutz der menschlichen Würde: "Gerade weil die Verantwortung vor Gott zum Ausdruck gebracht wird, gibt es einen Schutz des Individuums, den keine politische oder gesellschaftliche Opportunität brechen oder umgehen kann", verweist er auf die Präambel des Grundgesetzes.



Schäuble geht auch auf das weltweite Hungerproblem ein. Hunger habe eine entmenschlichende Dimension und stelle einen fundamentalen Angriff auf den Wert einer Person dar. "Die Bitte an Gott um das tägliche Brot bezieht sich jedoch nicht nur auf diejenigen Menschen, denen es am Nötigsten fehlt." Das gegenwärtige Weltwirtschaftssystem enthalte zu vielen Menschen das vor, was sie wirklich brauchen, "und gleichzeitig nährt es ein unbegrenztes und ungebremstes Begehren, das auch angesichts von Reichtum und Überfluss noch anhält". Neben dem Kampf gegen den Hunger sollten sich die westlichen Länder für eine Begrenzung des Wirtschaftswachstums einsetzen.



Vermeintlich schwächere Wachstumsquoten gegenüber Schwellenländern bedeuteten nicht, dass "unsere Wirtschaftspolitik erfolglos ist, sondern dass wir bereits einen erheblichen Wohlstand für einen großen Teil der Bevölkerung erwirtschaftet haben und dass andere das erst noch erreichen müssen. Das sollten wir akzeptieren". Schäuble weiter: "Wer an Gott glaubt, erkennt an, dass wir die Dinge, auf denen unser Leben im Tiefsten beruht, nicht selbst machen oder uns verschaffen können. Auch für uns satte Menschen im Westen gilt, dass er uns unser tägliches Brot gibt. Es ist leicht, das zu vergessen."



In einer globalisierten Welt sei es eigentlich unmöglich geworden, gemütlich zu Hause zu sitzen und sich an der Ruhe eines friedlichen Landes zu erfreuen und so zu tun, als beträfen die Probleme anderswo uns überhaupt nicht. Deswegen gebe es zum einen Grund stolz zu sein, auf die vielen neuen Möglichkeiten, der modernen Welt. Gleichzeitig führe dies aber auch zu einer gestiegenen Last der Verantwortung, "der wir uns nicht entziehen können. Weder das eine noch das andere jedoch sollte uns dazu verführen zu glauben, wir wären allmächtig".



Grundlegende Dinge werden empfangen



Schäuble kommt zu dem Fazit: "Wir haben keine vollständige Kontrolle über unsere Welt, und wir werden diese auch nie haben. Die wirklich grundlegenden Dinge in unserem Leben werden von uns empfangen, unabhängig von unserem Einkommen, von unserer Bildung oder unserer gesellschaftlichen Position. Für einen solchen Glauben an Gott ist man nie zu satt. Wer auch immer wir sind, wie auch immer erfolgreich wir sind, wir sind Wesen mit Grenzen, und wir müssen das anerkennen – in unserem eigenen Interesse und im Interesse der Welt als ganzer." (pro)

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