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„Gleichberechtigung muss kommen”

Die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner hat am Montag in Koblenz mehr Verantwortung für Frauen in der katholischen Kirche gefordert. Im pro-Interview erklärt die gläubige Katholikin, warum sie heute zwar für weibliche Diakone in der Kirche, aber gegen eine Frauenquote in der Wirtschaft ist.

Von PRO

Foto: CDU

Frau Klöckner, braucht die katholische Kirche eine Frauenquote?

Die katholische Kirche wäre klug, wenn sie mehr Frauen Führungspositionen ermöglichen würde. Wenn Kirche lebendig im Alltag der Menschen verankert sein möchte, dann darf sie sich nicht vor den Lebensrealitäten verschließen. Frauen sprechen eine andere Sprache als Männer, sie gehen Dinge anders an – das ist weder besser noch schlechter, sondern eine gute Ergänzung, und das macht Kirche dann auch attraktiv. Der ständige Diakonat der Frau wäre so etwas, zumal es ihn in der Geschichte der Kirche auch schon gegeben hat.

Erzbischof Robert Zollitsch hat sich am Wochenende für einen Diakonat der Frau ausgesprochen. Manche bezeichnen diesen Dienst auch als Mini-Priesterschaft. Reicht Ihnen das?

Es geht um ernsthafte Anerkennung und Würdigung des Engagements von Frauen in der Kirche. Das Lob für den schön geschmückten Altarraum oder den guten Kuchen beim Pfarrfest ist vielleicht nett gemeint, aber Frauen sollte man darauf nicht reduzieren. Deshalb ist das ein wichtiger Schritt, den Diakonat für Frauen einzuführen, ein besonderer Dienst, der nicht nur Männern vorbehalten bleibt. Anders als Bischof Zollitsch bin ich aber der Meinung, dass der ständige Diakonat der Frau sakramental untermauert sein sollte.

Sie betonen immer wieder, dass Sie selbst mit Hilfe einer Quote Karriere gemacht haben, nämlich dem CDU-internen Frauenquorum. Trotzdem haben Sie jüngst den Beschluss Ihrer Partei verteidigt, erst 2020 eine Frauenquote von 30 Prozent im Wahlprogramm festzulegen. Sind Frauenquoten für Sie nun etwas Gutes oder etwas Schlechtes?

Ganz ehrlich – am liebsten wäre es mir, man könnte auf Frauenquoten verzichten. Das würde aber voraussetzen, dass Frauen in unserer Gesellschaft dieselben Chancen haben. Mit geht es um Gleichberechtigung. Mithilfe von Quoten soll einer Entwicklung auf die Sprünge geholfen werden. Nur 13 Prozent der Leitungsfunktionen in der Katholischen Kirche sind mit Frauen besetzt. Das macht den Reformstau deutlich. Und seien wir ehrlich. Es sind Aufgaben zweiter Klasse, die die Frauen in der Kirche erledigen dürfen. Zur Quotendiskussion: Die Parteien haben sich selbst eine Flexiquote gegeben, die einen 40 Prozent, die anderen 30 Prozent, also keine starre gesetzliche. Quoten sind – zugegeben – nur eine Krücke und Brücke hin zur Normalität. Man darf das nicht verbissen und unrealistisch betreiben, auch keinem vorschreiben, welche Position er oder sie zu erreichen hat. Aber wenn eine Frau kann und will, aber sie nicht zum Zuge kommt, weil sie eine Frau ist, dann ist das nicht gut. Wahlfreiheit lautet mein Motto.

Wenn es auf dem Weg zur Normalität einer Quote bedarf – warum sollten Frauen bis 2020 auf die Quote warten müssen?

Mir sind bei der Diskussion zwei Dinge wichtig. Die Gleichberechtigung muss kommen. Sie muss aber auch Akzeptanz finden. Ich bin sicher, dass eine gesetzliche Quote im Jahr 2020 für die meisten Aufsichtsräte gar kein Thema mehr sein wird, weil der Frauenanteil schon vorher erreicht sein wird. Mit dem Kopf durch die Wand gehen zu wollen, bringt keinem etwas. Es gibt ja verschiedene Branchen, in denen ist der Frauenanteil höchst unterschiedlich, deshalb ist es auch unterschiedlich schwierig weibliches Führungspersonal daraus zu rekrutieren, das kann man nicht von heute auf morgen einfach per Gesetz festlegen, das geht an der Wirklichkeit vorbei.

Ihre Parteikollegin Erika Steinbach twitterte vor einer Woche im Bezug auf Ursula von der Leyen: "Rücktritt ist fällig!" Das war, als sie angekündigt hatte, im Notfall auch gegen den Willen der Partei im Bundestag für eine Frauenquote zu stimmen. Dürfen Sie Ihre Meinung zum Thema Quote in Ihrer Partei noch offen und ehrlich sagen?

In einem freien Land, und vor allem in der CDU, darf man natürlich seine Meinung sagen. Wir sind eine Volkspartei mit verschiedenen Strömungen. Die Diskussionen um den besten Weg sind in einer Demokratie wichtig. Da müssen nicht immer alle zur gleichen Zeit das Gleiche denken und sagen.

Frau Klöckner, vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Anna Lutz

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