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Glauben auf der Arbeit

Wie wichtig ist der Glaube im Berufsalltag? Die Wochenzeitung "Die Zeit" hat drei Menschen nach ihren Erfahrungen mit ihrer Religion am Arbeitsplatz befragt.
Von PRO

Foto: Helder Almeida - Fotolia.com

"Religion spielt für viele Menschen eine wichtige Rolle in ihrem Leben – in der modernen Arbeitsgesellschaft hat sie aber selten einen Platz", heißt es in dem Artikel mit der Überschrift "Karriere mit Gott". Dennoch: manche Menschen integrieren ihren Glauben auch in ihren Arbeitsalltag.

Im Artikel 4 des Grundgesetzes steht: "Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich. Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet." Aufgrund dieses Gesetzes und des Allgemeinen  Gleichbehandlungsgesetzes dürfe die Religion im Arbeitsverhältnis "nur ausnahmsweise eine Rolle spielen", sagt Detlev Fey, Referatsleiter für Arbeitsrecht des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD). "Kein Problem ist die Ausübung des Glaubens da, wo der Glaube selbst Beruf ist", so die "Zeit".

Als Beispiel stellt die Zeitung Schwester Judith vor, die vor 40 Jahren dem Orden der Thuiner Franziskanerinnen beitrat und als Gemeindereferentin arbeitet. "Die Nonne ist damit eine von 1,2 Millionen Menschen, die bei der katholischen Kirche angestellt sind, die damit der zweitgrößte Arbeitgeber in Deutschland ist", so die Zeitung. Die studierte Theologin selbst unterscheidet für sich: "Der Eintritt in den Orden war eine Berufung, die Arbeit als Gemeindereferentin ist Beruf."

Die Nonne kenne das Gefühl, ausgelaugt zu sein von der Arbeit. "Dann fürchtet Schwester Judith,  den Menschen nicht gerecht werden zu können. Durch das Gebet oder die Meditation gelingt es ihr, Stress abzubauen und neue Kraft zu schöpfen." Und auch Stress mit den Kollegen hat die Nonne. Zu schaffen macht es ihr etwa, wenn Kollegen annehmen, dass eine Ordensschwester keine Arbeitszeiten kenne und rund um die Uhr im Einsatz sei. "Besonders, wenn der berufliche Stress groß ist, schätzt die Nonne das Gebet, das sie nur für sich führt. Ihr Vorteil: Dass sie Zeit für ihren Glauben haben möchte, stößt bei ihrem Arbeitgeber auf großes Verständnis."

Fünfmal Beten in der KFZ-Werkstatt

Der 37-jährige Abdul Aziz ist einer von 4,3 Millionen gläubigen Muslimen in Deutschland. Laut "Zeit" ist es für Aziz wichtig, fünfmal täglich seiner Gebetspflicht nachzukommen. Die Zwiesprache mit Gott gebe ihm Kraft für den Alltag, sagt er. Als Raum dafür reichte dem KFZ-Mechaniker eine stille Ecke in der Werkstatt. Probleme hatte er bei seinen Arbeitgebern nicht, doch als Mitglied im Vorstand seiner Moschee in Bremen kennt Aziz die Probleme einiger seiner Glaubensgenossen in seiner Gemeinde. Häufig herrsche auf Seiten der Arbeitgeber und Kollegen Unverständnis und Misstrauen gegenüber dem Wunsch des muslimischen Kollegens, seinem Glauben nachzugehen. "Besonders kontrovers wird nach wie vor der Umgang mit Frauen diskutiert, die ein Kopftuch bei der Arbeit tragen wollen."

Als weiteren religiösen Menschen befragte die "Zeit" Herbert M., der stellvertretender Leiter einer Justizvollzugsanstalt im Norden Deutschlands ist. Er ist Protestant, geht aber mit seinem Glauben eher zurückhaltend um, sagt er. "Eine Bibel findet sich nicht auf meinem Schreibtisch, jedoch ein christlicher Kalender hängt an der Wand", sagt Herbert M. Glauben heiße für den Gefängnisleiter, "sich auf Schatzsuche zu begeben. Schätze, die gefunden werden, sind beispielsweise Eigenschaften bei Gefangenen, die förderungswürdig sind. Manchmal sind es Talente, die der Gefangene an sich selber nie festgestellt hat." Jedoch gebe es für ihn auch Widersprüche zwischen seinem Glauben und seinem Job: immerhin sanktioniert er Gefangene, obwohl sein Glaube ihm sagt, er müsse verzeihen. Für einen Christen dürften eigentlich nicht die Strafen entscheidend sein, sondern das Vertrauen in den Menschen. Das aber steht im Widerspruch zum Strafvollzug. Doch Herbert M. ist überzeugt, dass der Glaube gerade im Gefängnis Trost, Hoffnung und Zuversicht geben könne –  sowohl dem Personal als auch den Gefangenen. "Was gibt es Befreienderes als die Botschaft: Unabhängig von der irdischen Gerechtigkeit bin ich verantwortlich vor Gott. Er hat die Macht, zu verzeihen und gibt mir die Chance auf einen Neuanfang." (pro)
http://www.zeit.de/karriere/beruf/2009-11/glaube-arbeit
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