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Glaube keine Privatsache

"Um die Religion in Deutschland ist es vermutlich anders bestellt, als es die Gebildeten unter den Verächtern lange als unabänderlich bezeichnet haben." Diese Bilanz zieht FAZ-Autor Daniel Deckers in einem Beitrag in der Samstagsausgabe der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Dies bewiesen nicht nur die Bilder vom Papstbesuch in Deutschland.

Von PRO

Foto: Mike Mcbride/flickr

Die Bilder wollten so gar nicht zur Erzählung passen, dass die "Modernität eines Staates und einer Gesellschaft sich darin erweist, dass sich die Sphären von Politik und Religion trennen und religiöse Überzeugungen bestenfalls Privatsache sind. Auch in den säkularisierteste Gesellschaften sind religiös begründete Gewissheiten stets wirkmächtig gewesen."

Kirchen bestenfalls Kulturmächte



Noch ehe der Umgang mit muslimisch geprägten Bevölkerungsgruppen zu einem Thema europäischer Integrationspolitik geworden sei, sei die Religion bereits da gewesen. Vor allem die EU-Erweiterung hätte den zunächst "lateinisch-westlich" geprägten Staatenbund in eine – politisch fragile – Ökumene von Ost und West verwandelt. Aus Sicht Deckers ist die Religion einem historischen Gestaltwandel ausgesetzt: "Dieser zeigt sich nicht nur in der Aggressivität, mit der in vermeintlich liberal-aufgeklärten Gesellschaften auf die öffentliche Manifestation von Religion reagiert wird", meint Deckers.



Ein größerer Teil der Eliten des Landes würden in den Kirchen bestenfalls noch Kulturmächte erkennen wollen, deren Bedienstete "als Agenten einer ‘stellvertretenden Religion’ kultische und soziale Dienstleistungen zu erbringen haben". Deckers gibt zu, dass es in beiden Volkskirchen nicht an Kräften fehle, die "eher der Selbstsäkularisierung als der Durchdringung der Gesellschaft im Geist des Christentums Vorschub leisten".

Den Trend, dass immer weniger Bürger ihren Glauben öffentlich bezeugen, hält er für irreversibel. Die Bilder dieser Tage seien mittlerweile das einzige Medikament "gegen die Zerstörung des kulturellen Gedächtnisses eines ganzen Kontinents. Und gegen eine Amnestie hinsichtlich der Herkunft Europas aus dem Geist von Glaube, Vernunft und Recht. Deckers bilanziert, dass nur in dieser Herkunft die Zukunft liege

.

Der 51-jährige "FAZ"-Autor hat katholische Theologie in Freiburg (Schweiz) und Bonn, Bogotá (Kolumbien) und Köln studiert und sich anschließend an der Jesuitenhochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main promoviert. Seit 1993 war er zunächst für sieben Jahre in der politische Nachrichtenredaktion, danach wechselte er in das Ressort "Die Gegenwart" und ist schwerpunktmäßig zuständig für die Berichterstattung über die katholische Kirche in Deutschland. Deckers ist verheiratet und Vater von sechs Kindern. (pro)

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