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Glaube in Zeiten der Nazis

Drehbuchautor Fred Breinersdorfer wünscht sich mehr biblische Stoffe auf der Leinwand. Am Donnerstag ist sein Film „Elser“ angelaufen und geht mit gutem Beispiel voran. Darin plant der gläubige Frauenheld Georg Elser ein Hitlerattentat. Eine Filmkritik von Anna Lutz
Von PRO
Georg Elser (2.v.l.) beim Erntedankfest im Dritten Reich

Foto: Lucky Bird Pictures| Bernd Schuller

Georg Elser (2.v.l.) beim Erntedankfest im Dritten Reich
13 Minuten haben Georg Elser gefehlt. Wäre seine selbstgebaute Bombe nur 13 Minuten früher hochgegangen, wäre Adolf Hitler bereits 1939 gestorben, die Morde an Millionen Juden wären verhindert worden und der Zweite Weltkrieg hätte niemals richtig Fahrt aufgenommen. Vielleicht. Das ist freilich Spekulation, denn in Wahrheit, und auch in Oliver Hirschbiegels Film, scheitert der Hitlerattentäter. Am 9. April kommt „Elser“ in die Kinos, auf der Berlinale war er schon am Donnerstag zu sehen.

Vom Pazifisten zum Attentäter

„Gewalt, das hat noch nie etwas gebracht“, sagt Georg Elser, verkörpert von Christian Friedel, im Film. Die Szene spielt Jahre vor seinem Attentat. Jahre, bevor, die ersten Juden in Konzentrationslagern sterben und die Nazis politisch Andersdenkende zu Zwangsarbeitern machen. Elser sagt diesen Satz zu einer Zeit, in der seine gläubige Mutter ihn noch dafür ausschimpft, dass er verheirateten Frauen nachstellt, als gäbe es keine größeren Probleme im Deutschland der 30er Jahre. Als die Nazis einen kommunistischen Freund verhaften und eine Bekannte wegen ihrer Freundschaft zu einem Juden zum öffentlichen Gespött machen, beginnt der junge Mann, seine Meinung zu ändern. „Man muss machen, was richtig ist“, rechtfertigt er seine Tat später. Da weiß er noch nicht, dass er Hitler mit seiner Bombe nicht töten wird. Stattdessen reißt sie acht andere Menschen in den Tod. Noch bei seinem Verhör verweist Elser auf die Zehn Gebote, um die Gräuel der Nazis zu verdammen: „Du sollst nicht töten!“ Der SS-Mann kontert, das sage ausgerechnet jemand, der unschuldige Menschen auf dem Gewissen habe. Regisseur Hirschbiegel und Drehbuchautor Breinersdorfer stellen mit ihrem Film die Frage nach der Rechtmäßigkeit von Gegengewalt, beantworten sie aber nicht. Stattdessen konzentrieren sie sich darauf, Georg Elser zum einen als gläubigen Christen darzustellen, zum anderen aber auch sein Hadern mit dem göttlichen Willen aufzuzeigen. So sieht der Zuschauer ihn bei einem Gottesdienstbesuch mit der Familie. Vor der Kirche verspotten Kinder den Juden Jesus. Ein Hinweis darauf, dass der Nationalsozialismus Teile der Kirchen zwar als Verbündete begrüßte, der eigentlichen Glaubenswelt des Christentums aber feindlich gesinnt war.

„Beten, das nützt nichts“

In zwei Schlüsselszenen betet Elser das Vater Unser: Vor seinem Geständnis des Mordversuchs an Hitler in seiner Zelle, kniend unter einem an die Wand gekritzelten Kreuz. Und später noch einmal kurz vor seiner eigenen Hinrichtung im Konzentrationslager Dachau im Jahr 1945. „Beten, das nützt nichts. Gott ist in Amerika oder in Moskau“, schimpft sein Bewacher da. Auch Georg Elser muss das so vorgekommen sein, im Elend des Hitlerreichs, von der SS gefoltert und zu einem Geständnis gezwungen. Dass er selbst seinen Glauben in Frage stellt, deutet der Film nur an. Als sein Freund Josef wegen seiner Mitgliedschaft in der KPD abgeführt wird, rennt Elser nach Hause und blickt voll Panik auf das Holzkreuz an der Zimmerwand. Kein Gebet entfährt seinem Mund, die Angst in den Augen bleibt. Noch während eines Empfangs der Kirchen bei der Berlinale hatte Fred Breinersdorfer Christen im Filmgeschäft dazu aufgerufen, religiöse Stoffe gezielt im Fernsehen unterzubringen. Nun bringt er selbst das Thema auf die große Leinwand. Deutsche Filme, die sich mit dem Nationalsozialismus auseinander setzen, gibt es zu Hauf und auch dieser neue Streifen setzt auf Altbewährtes im Umgang mit dem historischen Stoff. Und doch bleiben die grausamen Szenen dieses Films wie ein Mahnmal in Erinnerung: Die Folter Elsers auf einem Bett ohne Matratze, die Hinrichtung eines Verräters in einem Kellerraum durch Erhängen an einem Draht, die verrußten Gesichter der Zwangsarbeiter, die Waffen für den Krieg produzieren. Mit „Elser“ haben Hirschbiegel und Breinersdorfer das Genre wahrlich nicht neu erfunden. Betroffen macht das Werk dennoch. (pro) „Elser – 13 Minutes“, 110 Minuten, Deutschland 2015
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