Das christliche Medienmagazin

Giordano kritisiert Wulff

Unter der Überschrift "Augen auf, verdammt!" hat der Publizist Ralph Giordano erneut in einem offenen Brief Bundespräsident Christian Wulff einen unkritischen Umgang mit dem Islam vorgeworfen. Gegenüber dem Christlichen Medienmagazin pro sagte Giordano, dass er nicht mit einer Antwort des Bundespräsidenten rechne.
Von PRO

Foto: MMH (Wikipedia)

Bereits im vorigen Herbst hatte sich Giordano mit einem offenen Brief an Wulff gewandt und dessen Aussage zum 20. Gedenktag der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 2010 kritisiert. Damals sagte Wulff "auch der Islam gehört inzwischen zu Deutschland". Giordano schrieb daraufhin, den "real existierenden Islam" dürfe man nicht mit einem "Wunsch-Islam" verwechseln. Denn der politische und militante Islam sei nicht integrierbar. "Dieser Brief ist vollständig untergegangen", sagt Giordano gegenüber pro. "Ich habe keine Resonanz, keine Antwort erhalten." Er gehe davon aus, dass es dieses Mal auch keine Reaktion gebe. "Aber es ist wichtig, dem zu widersprechen, was der Bundespräsident gesagt hat."

Wulff hatte in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" geäußert: "Die Türkei ist ein Beispiel dafür, dass Islam und Demokratie, Islam und Rechtsstaat, Islam und Pluralismus kein Widerspruch sein müssen." Giordano schreibt dazu in seinem aktuellen offenen Brief, der am heutigen Dienstag in der Tageszeitung "Die Welt" abgedruckt ist, dieser Satz verrate eine so verstörende Unkenntnis der Wirklichkeit, "eine derart blauäugige Gleichsetzung des real existierenden Islam mit einem EU-konformen Islam, dass es einem die Sprache verschlagen will". Dazu schließe sich dieser Satz lichtdicht an die "historische Fehlthese vom 3. Oktober 2010" des Bundespräsidenten an, als dieser sagte, auch der Islam gehöre inzwischen zu Deutschland. Giordano fragt, ob damit auch das "fossile anachronistische Rechtssystem des Islam" gemeint sei oder der Islam des von Wulff "stets hoch gelobten Recep Tayyip Erdogan". Es sei derselbe Erdogan, der den Völkermord an den Armeniern 1915/16 leugne, unter dessen Regierung in den Gefängnissen nachweislich weiter gefoltert werde und der sich jüngst mit dem Stichwort "Gaza-Flottille" bis an die Grenze politischer Brandstiftung immer offener zu einem Gegner Israels gemausert habe.

"Warum fehlt Wulff jede Spur von Kritik?"

Giordano fragt in seinem offenen Brief, warum dem Bundespräsidenten in seinen Kommentaren zum Migrations-/Integrationskomplex jede Spur von Kritik fehle, so etwa an menschenrechtsfeindlichen Auffassungen und Praktiken innerhalb der türkisch-arabisch dominierten muslimischen Minderheit. Der Aussage Wulffs, die Türkei sei heute schon ein Beispiel für die Vereinbarkeit von Islam und Demokratie, stellt Giordano die Warnung der iranischen Theologin Hamideh Mohaghegni gegenüber, die darauf hinweist, dass "die innerislamischen Klärungen auf dem Wege zu einem Euro-Islam noch 20 bis 30 Jahre in Anspruch nehmen werden und es auch dann immer noch fraglich ist, ob der sich hier durchsetzen oder dem traditionellen Islam unterliegen wird". Oder die Aussage von Ezhar Cezairli, Mitglied der Deutschen Islamkonferenz: "Es ist eine Gefahr für die Zukunft Deutschlands, dass manche Politiker durch ihre Ignoranz gegenüber islamischen Organisationen dabei sind, die Grundlagen unserer aufgeklärten Gesellschaft aufzugeben." Und schließlich zitiert Giordano den langjährigen Feuilletonchef der libanesischen Tageszeitung "as-Safir", Abbas Baydoun: "Bei uns suchen viele nach Ausreden, nicht in den Spiegel zu schauen, um uns den Anblick eines fürchterlichen Gesichts zu ersparen, das Gesicht eines anderen Islam der Isolation und der willkürlichen Gewalt, der nach und nach die Oberhand gewinnt und bald, während wir dem Höhepunkt der Verblendung zusteuern, unser tatsächliches Gesicht sein wird." Giordano würde diese Aussagen gerne "allen Pauschalumarmern, xenophilen Einäugigen, Sozialromantikern, Gutmenschen vom Dienst und Beschwichtigungsaposteln" ins Stammbuch schreiben.

Der Publizist räumt allerdings ein, dass es die Ehre der Nation bleibt, jeden Zuwanderer, Fremden oder Ausländer vor der Pest des Rassismus und seinen Komplizen zu schützen. Gleichzeitig sei es bürgerliche Pflicht, sich gegen Sitten, Gebräuche, Traditionen und Mentalitäten zu wehren, "die jenseits von Lippenbekenntnissen den freiheitlichen Errungenschaften der demokratischen Republik ablehnend bis feindlich gegenüberstehen". Von all diesen Problemen lese er in den Kommentaren des Bundespräsidenten zum Migrations-/Integrationskomplex nichts.

"Terrorgewohnter Mann"

Giordano schreibt, es sei keineswegs unbedrohlich, eine kritische Meinung zu äußern. Er sei sein ganzes Leben lang bedroht worden. "Aber was seit meiner Kritik an der Köln-Ehrenfelder Großmoschee von muslimischer Seite mit einer religiös-fanatischen Note dazukommt, das kann selbst einen terrorgewohnten Mann wie mich beeindrucken." Davon abhalten, auch weiterhin an der Seite kritischer Muslime und Muslima zu stehen, werde es ihn jedoch nicht. Nach den Erfahrungen in Hitlerdeutschland gebe es nur eine Gesellschaftsform, in der er sich sicher fühle – die demokratische Republik. "Wer sie antastet, ob Muslim, Christ oder Atheist, der hat mich am Hals." Das wolle er den Bundespräsidenten "hochachtungsvoll wissen lassen". (pro)

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