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„Gewalt könnte Oberhand gewinnen”

Unionsfraktionschef Volker Kauder sorgt sich nach dem Umsturz in Ägypten um das Schicksal der Kopten. Das hat der Politiker in der Welt am Sonntag erklärt. Mindestens fünf Christen sollen bei Aufständen bereits umgekommen sein.

Von PRO

Foto: Joseph Hill (CC BY-NC-SA 2.0)

„Nun könnte die Gewalt die Oberhand gewinnen”, schreibt Kauder in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung. Weiter stellt er fest: „Die Muslimbrüder suchen scheinbar die offene Konfrontation mit dem Militär und den Bürgern, die sich gegen die Islamisierung Ägyptens wenden oder einfach von Mursi und seiner Regierung enttäuscht sind. Die Gesellschaft ist tief gespalten.”

In der vergangenen Woche hatte das Militär den bisherigen Präsidenten Ägyptens, Mohammed Mursi, abgesetzt. Einen neuen Staatschef gibt es noch nicht. Bei Ausschreitungen kamen bis Montag zahlreiche Menschen ums Leben, unter ihnen sind laut der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) auch mindestens fünf Christen. Demnach sind im Gouvernement Luxor vier Kopten bei Übergriffen umgekommen. Die IGFM berichtet auch von Plünderungen christlicher Geschäfte. Auf der Sinai-Halbinsel in el-Arish sollen maskierte Angreifer zudem einen Pfarrer erschossen haben, als er seine Kirche verließ.

„Dramatische Ereignisse”

„Wir werden Zeugen von dramatischen Ereignissen in Ägypten, die in ihrer Wucht sogar die Revolution vor zwei Jahren übertreffen könnten”, schreibt Kauder in der Welt am Sonntag. Dabei habe es zunächst so ausgesehen, als hätten die Christen Nutznießer des jüngsten Umsturzes sein können, habe er sie doch von der Herrschaft der Islamisten befreit. „Ich glaube, wir dürfen nicht einfach zusehen, wie Ägypten ins Chaos versinkt”, fordert Kauder nun und plädiert für diplomatische Maßnahmen gegenüber den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen. Die EU solle schnellstmöglich das Gespräch mit der Übergangsführung aufnehmen.

Eine dauerhaft gute Entwicklung werde Ägypten darüber hinaus nur dann nehmen, wenn die Wirtschaft gesunde. „Deutschland engagiert sich heute schon in der beruflichen Ausbildung. Meines Erachtens muss der Fokus der Entwicklungszusammenarbeit aber noch stärker auf diesen Aspekt ausgerichtet werden, wenn sich die Lage wieder beruhigt hat”, erklärt Kauder und fordert auch von den USA, die Mittel für Ägypten nicht zu kürzen und über eine Umschichtung der Finanzen nachzudenken: „Wenn ich zum Beispiel von den enormen Militärhilfen der USA höre, frage ich mich, ob zumindest nicht ein Teil der Gelder besser angelegt wäre, wenn sie in Ausbildungsplätze und den Aufbau einer mittelständischen Wirtschaft fließen würden.” (pro)

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