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Gesicht zeigen

Mit dem textilen Mund-Nase-Schutz hat pro-Kolumnist Jürgen Mette seine Mühe. Er würde lieber anderen ins Gesicht sehen und seines unverhüllt zeigen. Die „Maskenpflicht“ aus Schutz vor Viren erinnert ihn aber auch daran, dass er vor Gott alle Masken ablegen kann.
Von PRO
Viele Jahre leitete der Theologe Jürgen Mette die Stiftung Marburger Medien. Sein Buch „Alles außer Mikado – Leben trotz Parkinson“ schaffte es 2013 auf die Spiegel-Bestsellerliste. Für pro schreibt er eine regelmäßige Kolumne.

Foto: pro/Jürgen Mette

Viele Jahre leitete der Theologe Jürgen Mette die Stiftung Marburger Medien. Sein Buch „Alles außer Mikado – Leben trotz Parkinson“ schaffte es 2013 auf die Spiegel-Bestsellerliste. Für pro schreibt er eine regelmäßige Kolumne.

Ich fühle mich seit Wochen von gesichtslosen Menschen umgeben: Ich kenne dich nicht, aber ich begrüße dich trotzdem. Wenn ich mein Smartphone freischalten möchte, dann bestätigt die Gesichtserkennung meine Identität nicht. Ich komme mit diesem Nasen und Mund bedeckenden Material nur widerwillig zurecht. Beschlagene Brillengläser nehmen mir den Durchblick. Meine Allerliebste hat sich wegen meiner vorübergehend abstehenden Ohren lustig über mich gemacht. Die Gummizüge der Maske haben meine bis dato ganz passablen Lauscher so deformiert, dass meine Gemahlin mir schon mit dem Bügeleisen gedroht hat.

Ob Siegfried Fietz vor 40 Jahren, als er das Lied „Wir tragen viele Masken und haben kein Gesicht“ geschrieben und mit seinem Fietz-Team aufgeführt hat, schon die Gesichtslosigkeit unserer Tage vor Augen hatte? Eher nicht. Er hatte vermutlich die rheinischen Jecken vor Augen, die zu Fasching öffentlich die „Sau raus lassen“ und darum ihr eigentliches Erkennungsmerkmal, nämlich das Gesicht und damit ihre einmalige Identität verbergen.

Maske runter

Im Foyer einer Klinik kam kürzlich ein älterer Herr auf mich zu und begrüßte mich auf Abstand mit „Hallo, Herr Mette!“. Ich zupfte meine Maske etwas irritiert zwischen Nasenrücken und Brille in die vorgeschriebene Position. Erst an seiner Sprache habe ich ihn dann auch erkannt.

Unser Gesicht ist das Relief unseres Lebens: Zwischen Bergen und Höhen, zwischen guten und schweren Tagen hat dieses Gesicht mehr gelacht, das andere mehr geweint. Bei bestimmten Menschen unterschiedlicher Gewichtsklassen erzählt das Gesicht sogar etwas über den Speiseplan der Träger des Gesichts. Im Alter könnte jede kleine Gesichtsfurche oder jedes Lachfältchen eine Geschichte erzählen. Die Gesichtshaut kann man in Kosmetikstudios manipulieren, sogar renovieren lassen, aber es bleibt immer eine Abbildung meines Wesens und meiner Geschichte. Darum freue ich mich auf die Zeit, wenn die verordnete Demaskierung hoffentlich zeitnah erlaubt wird und ich meine Kinder und Enkelkinder wieder in den Arm nehmen darf.

Es steht uns ins Gesicht geschrieben

Das Angesicht Gottes spielt in den Exodus-Berichten eine zentrale Rolle. Gott verspricht Mose, dass sein Angesicht vor dem Volk hergehen wird. Er redet mit Mose „von Angesicht zu Angesicht“ – so vertraut wie ein Mensch mit einem anderen. Gleichzeitig verbirgt Gott sein Angesicht vor seinem Volk, sodass David fleht: „Verwirf mich nicht von deinem Angesicht und nimm die Kraft deiner Heiligkeit nicht von mir!“ (Psalm 51,13)

Ich freue mich aufs Pfingstfest. Wir feiern das Geschenk der heiligen Kraft des Geistes Gottes. Gott überlässt uns nicht unserem Schicksal. Er stellt uns einen Vermittler zur Seite, einen Advokat und einen Tröster, der uns dann bei Gott vertritt, wenn wir längst aufgehört haben, ihm zu vertrauen. Die heilige Kraft des Geistes Gottes bewirkt, dass wir unsere scheinheilige Maskerade endlich fallenlassen können. Die Freisetzung dieser Kraft ist auf die junge Gemeinde übertragen worden. Und wer in das Kraftfeld der Heiligkeit Gottes gerät, der wird aus Dankbarkeit beim Bau seiner Kirche mitarbeiten.

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