„Gesetzloser Steinzeitislamismus“ in Mali

Die Lage im afrikanischen Mali ist diffizil. Seine Bedenken gegenüber der dortigen Entwicklung äußert der "Welt"-Redakteur Richard Herzinger im heutigen Leitartikel der Zeitung. Herzinger sieht den islamistischen Terrorismus auf dem Vormarsch und fordert von der westlichen Welt die Unterstützung Frankreichs.
Von PRO

Foto: Iohan1025 / flickr (CC-BY-NC 2.0)

Frankreich habe keineswegs, wie häufig proklamiert, überstürzt reagiert. Der Westen ignoriere schon viel zu lange die "bis an die Zähne bewaffneten Banden" von Gotteskriegern, mahnt Herzinger. Nach wie vor existiere dort noch ein "gesetzloser Steinzeitislamismus". Spätestens seit dem 11. September 2001 müsste dem Westen klar sein, dass der islamistische Dschihadismus einen Weltkrieg gegen die westliche Zivilisation führe, der nicht mit der Ausschaltung Osama Bin Ladens beendet worden sei.

Der geplante militärische Rückzug der westlichen Welt aus dem Irak und Afghanistan spiele den regional organisierten Al-Qaida-Ablegern bei ihren Eroberungsplänen in die Karten. Sie könnten die Instabilität der Region nutzen. Vorausschauende Politik sieht aus Herzingers Sicht anders aus. Er vermisse die Unterstützung der westlichen Mächte. Weil mit dem Einsatz amerikanischer Truppen in Krisenherden in absehbarer Zeit nicht mehr zu rechnen sei, müsse Europa in Mali selbst handeln.

Den Preis sollen die anderen bezahlen

In weiten Teilen der deutschen Bevölkerung existiere die Überzeugung, dass "uns die Konflikte dort im Grunde nichts angehen". Die Bundesregierung vermeide eine offene Diskussion, "was den Deutschen die Verteidigung ihrer Freiheit auf Dauer wert ist". Finanzielle Hilfe habe Deutschland eher zögerlich in Aussicht gestellt und auch die logistische Unterstützung sei überschaubar. Soldaten in Kriege zu schicken, sei immer schwierig. Herzinger ergänzt aber: "Für andere Nationen ist es nicht weniger schmerzhaft, das Leben ihrer Soldaten in Gefahr zu bringen. Eine Logik, nach der Deutschland seine Freiheit genießt, den menschlichen Preis dafür aber andere zahlen sollen, kann auf Dauer keinen Bestand haben."

Frankreich kämpfe an der Frontlinie der zivilisierten Menschheit. Dafür schlage dem Land ein mörderischer Hass entgegen. Herzinger sieht darin ein "untrügliches Anzeichen dafür, dass unser Verbündeter jenseits des Rheins das Richtige tut". Von Deutschland erwartet er deswegen in dieser Frage mehr als "verdruckste Solidaritätsadressen". (pro)

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