Die in Jesaja beschriebene Straße ist nicht nur eine Prophetie, die darauf wartet, erfüllt zu werden. Sie bietet auch einen Rahmen, Muslimen heute von Jesus zu erzählen.

Die in Jesaja beschriebene Straße ist nicht nur eine Prophetie, die darauf wartet, erfüllt zu werden. Sie bietet auch einen Rahmen, Muslimen heute von Jesus zu erzählen.

Die Straße der Hoffnung führt durch den Nahen Osten

Aktuelle politische Umbrüche können ein ganz neues Licht auf alte biblische Texte werfen. Das bietet Chancen, den Glauben der Bibel in die muslimische Welt zu tragen. Ein Kapitel beim Propheten Jesaja gibt dabei Orientierung. Ein Gastbeitrag von Michael Kerem, aus dem Englischen übersetzt von Merle Hofer

Auf die Vision der Straße, die in Jesaja 19 beschrieben wird, sowie auf das Gericht über Ägypten wurde ich erstmals von einem Freund hingewiesen. Dieser bereitete sich darauf vor, Gott in Ägypten zu dienen. Er wusste, dass ich ein jeschuagläubiger Jude bin und meine Frau türkische Armenierin ist. Nachdem wir in der Bibel Jesaja 19 gelesen hatten, sah er mich an und sagte: „Du bist aus Israel, deine Frau ist aus dem alten Assyrien und ich gehe nach Ägypten – lass uns eine Straße bauen.“

Jesaja 19,23–25: „Zu der Zeit wird eine Straße sein von Ägypten nach Assyrien, dass die Assyrer nach Ägypten und die Ägypter nach Assyrien kommen, und die Ägypter samt den Assyrern werden dem Herrn dienen. Zu der Zeit wird Israel der Dritte sein mit Ägypten und Assyrien, ein Segen mitten auf Erden; denn der Herr Zebaoth wird sie segnen und sprechen: Gesegnet bist du, Ägypten, mein Volk, und du, Assur, meiner Hände Werk, und du, Israel, mein Erbe!“

Damals wusste ich noch nicht, dass diese Begegnung einen großen Teil unserer künftigen Arbeit in der Region prägen würde. Ich hatte einen Ruf zu türkisch- und kurdisch-sprechenden Muslimen erhalten. Obwohl ich Jude bin, wusste ich nicht, wie Israel in unsere Vision und Arbeit passen würde. In der antiken Stadt Izmir spürten wir, dass Gott unsere Herzen in den östlichen Teil der Türkei führte, also genau in jene Gegend, die einmal das Zentrum des Assyrischen Reiches gewesen war. Wir mussten noch lernen, wie Israel, Gottes Ruf an das jüdische Volk und die Vision der Straße zu unserer Zukunft passen würden.

Der Golfkrieg 1991 stellt eine entscheidende Wende in der jüngeren Geschichte des Nahen Ostens dar. In der gesamten Region stellten sich Nationen neu auf, alte Bündnisse wurden aufgelöst und neue geformt. Im Nordirak waren Menschen erstmals nach 40 Jahren offen für das Evangelium. Dort war das Zentrum der Bemühungen um einen kurdischen Nationalstaat und 2.700 Jahre Heimat für die Juden aus Kurdistan, die aus Nordisrael in das Assyrische Reich vertrieben wurden (2. Könige 17,1–6).

Osmanisches Reich nahm Juden auf

Im gesamten Nordirak befanden sich an der türkischen Grenze Flüchtlingslager für Kurden, um diese vor Saddam Hussein zu schützen. Die Arbeit mit internationalen Hilfsorganisationen war für uns eine Gelegenheit, nicht nur den Kurden zu helfen, sondern auch offen unseren Glauben an den Messias zu bekunden. Viele hatten noch nie von Jeschua und der Guten Nachricht gehört.

Nach dem Fall der Berliner Mauer begannen Juden aus der ehemaligen Sowjetunion in großen Zahlen nach Israel einzuwandern. Damals wussten wir nicht, dass auch jeschuagläubige Juden aus vielen westlichen Nationen nach Israel einwanderten. Aufgrund unseres Rufes in die muslimische Welt hatten wir Israel bisher nicht als Option für uns gesehen. Doch mit den gravierenden geistlichen Veränderungen, die in Europa und dem Nahen Osten vor sich gingen, verstanden wir, dass Gott uns tatsächlich nach Israel führen würde, als Ausgangspunkt für unseren Dienst und als Antwort auf die Verheißungen aus Jesaja 19.

Als 1992 die Türkei und Israel diplomatische Beziehungen aufnahmen, zogen wir vom türkischen Izmir nach Israel. 1992 markierte auch den 500. Jahrestag der Vertreibung der Juden aus Spanien. Damals wurden sie vom türkischen Sultan aufgenommen. Die Juden waren im Osmanischen Reich viel besser aufgehoben als in Europa. Diesen Teil der Geschichte lernte ich vor allem, als ich mit den Juden in Istanbul lebte. Doch ich hatte keine Ahnung, wie dieser Umstand unsere Zukunft beeinflussen würde.

Juden bringen Muslimen das Evangelium

Als wir nach Israel zogen, war sich der größte Teil der messianisch-jüdischen Gemeinschaft nicht der Versprechen aus Jesaja 19 bewusst. Viele wussten nicht, dass Gottes Berufung des jüdischen Volkes, ein Licht für die Nationen zu sein, vielleicht bedeuten könnte, die Botschaft in die muslimische Welt zu tragen.

In den folgenden Jahren trafen wir weitere Menschen, die von Gott die Vision Jesajas erhielten, eine Straße aus Versöhnung, Lobpreis und Segen zu bauen. Unsere Kontakte führten uns nach Ägypten, in die Türkei und den Nordirak, um mit den aufkommenden Gemeinschaften der Muslime zu arbeiten, die jeschuagläubig geworden waren.

Wir begannen zu verstehen, dass der moderne Nahe Osten ein Ergebnis des Ersten Weltkriegs ist und eine der vom Evangelium am wenigsten erreichten Gegenden der Welt. Gleichzeitig war es die Heimat vieler biblischer Prophetien zu Gottes Absicht, nicht nur das jüdische Volk wieder in seine alte Heimat zu führen, sondern auch den Bund Abrahams zu erfüllen und alle Nationen der Erde zu segnen. Als wir uns näher mit Jesaja 19 und seinem historischen und geopolitischen Kontext in der Welt in dieser Zeit beschäftigten, entdeckten wir interessante Parallelen zur jüngeren Geschichte des Nahen Ostens.

Abgesehen davon, dass Bündnisse um gemeinsame Feinde geschlossen wurden („Der Feind meines Feindes ist mein Freund“), wurden nationale Identitäten ziemlich stark mit religiösen Identitäten verbunden. Politische Kräfte schufen Gesetze rund um diese starren Identitäten, die Staatslenker zu statischen Personen machten. Im Nahen Osten werden Politik und Gesetze um den „Status quo“ herum gesponnen. Das bedeutet: Wie du geboren bist, wirst du bis zu deinem Tod bleiben. Das hält Menschen an ihrem Ort, hält Nationen gespalten und erlaubt Regierungen ihre Kontrolle auszuüben, während man die Angst vor den anderen aufrecht erhält.

„Versöhnte Gott vielleicht die Söhne Hagars und Keturas mit den Nachkommen Isaaks und Jakobs, um seinen Versöhnungsplan auf der Erde zu vollenden?“

In Jesaja 19,23–25 bezieht Gott andere Nationen in seinen Plan für Israel und das jüdische Volk mit ein. Die Straße aus Jesaja 19 folgte im Wesentlichen dem alten Pfad Abrahams. Er brach in Mesopotamien auf, reiste in das Land Kanaan, ging während der Hungersnot weiter nach Ägypten, bis sein Leben in Hebron endete. Abgesehen davon, dass Abraham der Vater unseres Glaubens ist, wird er in der Schrift mit dem Ehrentitel „Freund Gottes“ bedacht.

Das Bundesversprechen, das Gott an Abraham gibt, wird fast mit den gleichen Worten in Jesaja 19,24 wiederholt. Ist es vielleicht Gottes Wunsch, seinen Bund zu bestätigen, indem er Abraham und den von ihm zurückgelegten Glaubenspfad ehrt? Versöhnte er vielleicht die Söhne Hagars und Keturas mit den Nachkommen Isaaks und Jakobs, um seinen Versöhnungsplan auf der Erde zu vollenden?

Die Umwälzungen, die der „Arabische Frühling“, der syrische Bürgerkrieg, der Aufstieg und Fall des Islamischen Staates und der sich daraus ergebende Flüchtlingsstrom nach Europa mit sich gebracht haben, formen den Nahen Osten in vielerlei Hinsicht neu. Die anschließende Verlagerung von Verbündeten in der Region, erst mit dem Iran, der Türkei und Russland, nun mit Israel und den sunnitisch-arabischen Staaten bewegen viele von uns zu der Frage, ob wir Zeuge einer weiteren gravierenden geistlichen Veränderung in der Region sind.

In all diesem Hin und Her sind Muslime heute viel offener für den Glauben der Bibel und lesen die Schriften des Neuen Testaments. Unzählige erklären ihren Glauben an Jeschua, wie es der Nahe Osten seit der Eroberung des Islam nicht erlebt hat.

Die Kirche im Nahen Osten verändert sich

Es bleibt das Ergebnis: Die Kirche im Nahen Osten verändert sich rasant. Neue Gemeinschaften von Gläubigen bilden sich vom Iran bis Ägypten, geführt von Pastoren, deren Namen Ahmad und Muhammad sind. Klingt das neu und seltsam? Das sollte es, denn genau das ist es, doch dies ist erst der Anfang. Diese neuen Nachfolger Jeschuas wollen ihren Glauben zusammen mit jüdischen Jeschuagläubigen leben und Israel besuchen, wo nicht nur Jeschua gelebt hat, sondern auch ihre Glaubensväter, die Propheten und die frühen Nachfolger des Messias.

Tatsächlich könnten sie ein Teil von Gottes Plan sein, sein altehrwürdiges Volk, die Juden, zur Eifersucht zu reizen. In Römer 11,13–15 lesen wir: „Euch Heiden aber sage ich: Weil ich Apostel der Heiden bin, preise ich meinen Dienst, ob ich vielleicht meine Stammverwandten eifersüchtig machen und einige von ihnen retten könnte. Denn wenn ihr Verlust Versöhnung der Welt ist, was wird ihre Annahme anderes sein als Leben aus den Toten!“

Diese alte Straße ist nicht nur eine Prophetie, die darauf wartet, erfüllt zu werden, sondern bietet auch einen Rahmen für Evangeliumsdienst im Nahen Osten.

Michael Kerem ist Teil des Leitungsteams von „An der Kreuzung“, einer Allianz von Verkündigungsdiensten zu Jesaja 19. Er leitet das israelische Werk „Abrahams Weg“, das israelische, palästinensische und arabische Gläubige auf „die Straße“ senden und sie für diesen Dienst zurüsten möchte. Mehr lesen Sie auf: https://derechavraham.org/

Michael Kerem ist Teil des Leitungsteams von „An der Kreuzung“, einer Allianz von Verkündigungsdiensten zu Jesaja 19. Er leitet das israelische Werk „Abrahams Weg“, das israelische, palästinensische und arabische Gläubige auf „die Straße“ senden und sie für diesen Dienst zurüsten möchte. Mehr lesen Sie auf: https://derechavraham.org/

Diesen Artikel finden Sie auch in der Ausgabe 2/2019 des Israelnetz Magazins. Diese besondere Themenausgabe befasst sich mit den Beziehungen Israels zu arabischen Staaten und dem Iran. Sie können die Zeitschrift kostenlos und unverbindlich bestellen unter der Telefonnummer 06441/915152, via E-Mail an info@israelnetz.com oder online. Gerne können Sie auch mehrere Exemplare zum Weitergeben oder Auslegen anfordern.

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