Vor mehr als 2.000 Jahren wurden in solchen Töpfen Bonsai-Bäume gezüchtet

Vor mehr als 2.000 Jahren wurden in solchen Töpfen Bonsai-Bäume gezüchtet

Garten im Bonsai-Stil von König Herodes entdeckt

Archäologen entdecken in Jericho einen besonderen Garten von König Herodes. Der für seine großen Bauprojekte bekannte Herrscher hatte scheinbar auch ein Faible für kleinere Dinge: Bonsai-Bäume.

In einem Garten des Winterpalastes von König Herodes haben Archäologen Hinweise auf besondere Zierpflanzen gefunden. In dem königlichen Garten in Jericho wurden Bonsai-Versionen von Kiefern, Zypressen, Zedern, Oliven und anderen Bäumen gezüchtet. Das berichtet das Archäologiefachmagazin Strata.

Die Wissenschaftler untersuchten versteinerte Pollen, die sie in Bodenproben des Gartens gefunden haben. Laut der Leiterin des archäologischen Labors an der Universität in Tel Aviv, Dafna Langgut, sind Pollen das haltbarste organische Material: Es kann in fossiler Form hunderttausende Jahre überleben. Darüber hinaus seien Pollen verschiedener Arten unter dem Mikroskop sehr gut zu unterscheiden und dadurch bestimmbar.

In den Bodenproben erwarteten die Wissenschaftler eigentlich Pollen von Zierpflanzen wie Rosen und anderen Blumen. Sie hofften Pflanzen zu finden, die für die Herstellung des rätselhaften Afarsemon-Balsams genutzt wurden. Das parfümierte Öl war in der gesamten antiken Welt bekannt und begehrt. Bekannt ist nur, dass für die Herstellung Pflanzen dienten, die rund um das Tote Meer angebaut wurden.

Pflanzenzucht als politisches Statement

Langgut sei von der Entdeckung der Bonsai-Pollen so überrascht gewesen, dass sie anfangs vermutete, die Proben seien kontaminiert gewesen, sagte sie gegenüber der israelischen Zeitung Ha'aretz. Gezüchtet wurden die Pflanzen in kleinen Töpfen, die die Gärtner einfach bewässern konnten. Geschicktes Beschneiden der Bäume haben schließlich zu einer Verzwergung der Bäume geführt.

In diesem Areal wurden die Töpfe gefunden

In diesem Areal wurden die Töpfe gefunden

Direkt neben dem Fundort der Töpfe hätten wahrscheinlich große Dattelpalmen gestanden, erklärt die Wissenschaftlerin. Das habe den Effekt der kleinen Bäume verstärkt. Generell sei das Ziel des Königs gewesen, seine Gäste zu beeindrucken: „Herodes war ein Größenwahnsinniger. Er wollte die Natur genauso kontrollieren wie seine Untertanen.“ Er habe so die Botschaft gesendet: „Ich kann sogar die Natur nach meinem Willen verändern.“

Darüber hinaus vermutet Langgut, dass Herodes mit Hilfe des Gartens kulturelle Nähe und Lehnstreue zu den Römern zeigen wollte. Im 1. Jahrhundert vor Christus seien Bonsai-Bäume überall im Römischen Reich in Mode gewesen.

Von: Martin Schlorke

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