Ein Publikumsmagnet, aber immer wieder auch Ziel der Kritik wegen der ungeklärten Provenienz von Ausstellungsstücken: Das „Museum of the Bible“ in Washington D.C.

Ein Publikumsmagnet, aber immer wieder auch Ziel der Kritik wegen der ungeklärten Provenienz von Ausstellungsstücken: Das „Museum of the Bible“ in Washington D.C.

Bibel-Museum in Washington: Skandale um geraubte oder gefälschte Artefakte

Das Bibel-Musem in Washington D.C. ist das größte seiner Art weltweit. Allerdings musste es in den zweieinhalb Jahren seines Bestehens mit einigen Rückschlägen kämpfen. Der gläubige Gründer, der Chef des amerikanischen Unternehmens „Hobby Lobby“, Steve Green, hatte gefälschte Artefakte eingekauft und wertvolle Gegenstände nicht beim Zoll deklariert.

Nach der monatelangen Sperre wegen der Coronakrise waren das „Museum of the Bible“ und das Spionagemusem Mitte Juni die ersten beiden privaten Museen in Washington D.C., die wieder für Besucher öffneten. Trotz eines Eintrittsgeldes von 20 Dollar (etwa 17 Euro) gehört das Bibel-Museum zu den Publikumsmagneten der Stadt. Gegründet wurde es im November 2017 vom Chef der Kaufhauskette „Hobby Lobby“, die Werkzeuge und Bastelbedarf verkauft.

Seitdem gab es immer wieder Skandalgeschichten um das Museum, das die Bibel den Menschen näherbringen soll. Greene hatte 2009 damit begonnen, Artefakte für das zukünftige Museum zu sammeln. In einer Erklärung im März teilte er mit, er habe damals wenig Ahnung vom Sammeln von antiken Gegenständen gehabt. Weiter heißt es: „Es ist bekannt, dass ich damals den falschen Leuten vertraut habe, und ich habe mich mit skrupellosen Händlern eingelassen. Ich verstand, dass es nicht reicht, sich auf das Wort eines Händlers zu verlassen.“ Mittlerweile habe er die Zusammenarbeit mit diesen Beratern beendet. Inzwischen seien rund 5.000 Papyrus-Fragmente und 6.500 Tonscherben identifiziert, deren Herkunft uneindeutig sei. Die Gespräche mit den Behörden in Ägypten und im Irak dauerten an. Greene sieht die Kritik als berechtigt an und gesteht ein, Fehler gemacht zu haben. Er habe dazugelernt und wolle ab sofort nur noch gut zertifizierte Artefakte erstehen.

Im Jahr 2014 hatte Green bei einer Versteigerung für knapp 1,6 Millionen Dollar die Tontafel mit dem „Gilgamesch-Traum“ ersteigert. Wie sich herausstellte, handelt es sich hierbei um Hehlerware. Die US-Behörden wiesen das Museum im Mai dazu an, die Tontafel zurückzugeben. Die Tafel seien aus dem Irak gestohlen worden. Hobby Lobby teilte mit, eine Klage gegen das Auktionshaus Christie's einzureichen, da dieses die Provenienz nicht ausreichend nachgewiesen habe.

Im Juli 2017 zahlte Hobby Lobby drei Millionen Dollar Strafe für das Schmuggeln von irakischen Tontafeln. Die Angehörigen der Firma hatten rund 5.500 Artefakte im Wert von insgesamt 1,6 Millionen Dollar gekauft und sie lediglich als „Keramikkacheln“ deklariert. Bereits im Jahr 2010 wurde Greene bei der Einreise vom Zoll entdeckt, als er eine Bibel im Wert von einer Million Dollar ohne Zollerklärung ins Land bringen wollte.

Fälschungen ausgestellt

Erst vor kurzem war herausgekommen, dass das Museum Papyrusrollen angekauft hatte, die sich als Fälschungen erwiesen. Archäologen sagten, einige dieser Gegenstände könnten aus dem irakischen Nationalmuseum stammen, das bei der amerikanischen Invasion 2003 bestohlen worden war. Die amerikanischen Soldaten konnten damals nicht verhindern, dass bei den Plünderungen auch kulturelle Stätten ausgeraubt wurden.

Das Bibel-Museum stellte im Jahr 2017, als die Kontroversen um die Provenienz der Ausstellungstücke aufkochte, Jeffrey Kloha ein, einen ehemaliger Professor für das Neue Testament am Concordia Seminary in St. Louis. Kloha erklärte, Hobby Lobby habe die Gegenstände zwischen 2009 und 2014 erstanden von Händlern aus den USA, aus Großbritannien und Israel. Bei rund 5.000 Gegenständen, etwa ägyptische Schriftrollen und Textilien, habe es kaum Dokumentation darüber gegeben, woher sie stammen. Kloha teilte mit, das Bibel-Museum habe nach Untersuchungen herausgefunden, dass zwischen 5 und 10 Prozent der rund 8.000 infrage kommenden Objekte an den Irak zurückgegeben würden.

Im März hatten unabhängige Experten mitgeteilt, dass 16 Fragmente der Schriftrollen vom Toten Meer, die im Museum ausgestellt wurden, Fälschungen sind. Kloha teilte mit, das Museum werde diese Gegenstände an seinen vorherigen Besitzer zurückgeben und erwäge rechtliche Schritte, um das Geld zurück zu bekommen.

Zuletzt hatte das Bibel-Museum mitgeteilt, ein jüdisches Gebetsbuch aus Afghanistan unwissend illegalerweise aus dem Irak gekauft zu haben. Man sei davon ausgegangen, das Buch legal aus England eingeführt zu haben. Die Mitarbeiter gingen nun davon aus, dass das Buch nach 1998 aus Afghanistan exportiert worden sei, also lange nachdem die UNESCO es verboten hat, antike Gegenstände ohne Erlaubnis der irakischen Regierung auszuführen. Die Taliban werden verdächtigt, mit antiken Gegenständen illegalen Handel zu betreiben. Kloha erklärte, das Bibel-Musem arbeite weiter eng mit Experten aus Israel, England und Deutschland zusammen, um die Provenienz des Buches zu klären.

Von: Jörn Schumacher

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