Umstrittenes Projekt in Dänemark: Die „Bibel 2020“

Umstrittenes Projekt in Dänemark: Die „Bibel 2020“

Dänische Bibelgesellschaft streicht „Israel“ an vielen Stellen

Ein Projekt der Dänischen Bibelgesellschaft stößt international auf Kritik: In der „Bibel 2020“ wurde das Wort „Israel“ an zahlreichen Stellen des Bibeltextes gestrichen. Kritiker werfen der Gesellschaft vor, die Ersatztheologie zu verfolgen.

Die Dänische Bibelgesellschaft hat bei einer neuen „zeitgenössischen“ Bibel-Übersetzung an vielen Stellen das Wort „Israel“ gestrichen und anderweitig ersetzt. Damit löste sie international Kritik in verschiedensten Kreisen aus. Mit der „Bibel 2020“ sollen vor allem säkulare Leser erreicht werden. In der dänischen Kirche ist sie nicht als offizielle Bibel zugelassen.

Kritik an der Übersetzung äußerte unter anderem der australische Imam Scheich M. Tawhidi. Der im Iran geborene islamische Geistliche schrieb auf Twitter: „Die dänische Bibelgesellschaft hat eine neue Bibel veröffentlicht, die das Wort ,Israel‘ nicht enthält, unabhängig davon, ob es sich auf das Heilige Land oder auf die Israeliten bezieht. ,Israel‘ wurde durch ,Juden‘ ersetzt oder ganz gelöscht. Die Agenda ist es, Juden als staatenlos darzustellen. Das ist falsch und gegen Gott.“

Der Rabbiner Abraham Cooper vom Simon-Wiesenthal-Zentrum verglich die Übersetzung mit einem „Käsekuchen ohne Kalorien“. Das „böse Wort Israel“ sei verschwunden. „Wow, wird Jesus überrascht sein“, zitiert das US-Journal „The Algemeiner“ den Rabbi. Judenhasser und Israel-Gegner würden sich nun freuen.

Wie die Bibelgesellschaft in einer Pressemitteilung bekannt gab, ist es die erste neue Übersetzung der gesamten Bibel seit 20 Jahren. Ziel sei es gewesen, eine moderne und gut verständliche Übersetzung zu schaffen. „Die zeitgenössische dänische Bibel 2020 ist ein Versuch, neuen Lesern die Möglichkeit zu geben, das Wort der Liebe Gottes auf eine Weise zu erfahren, die sie verstehen können“, heißt es auf der Internetseite der Bibelgesellschaft. Zu diesem Zwecke seien Redewendungen und Wörter verändert oder umgeschrieben und so an die Alltagssprache angepasst worden. Auch Hunderte Leser hätte die überarbeiteten Texte vor Veröffentlichung gesichtet. Ihre Rückmeldungen seien in die Übersetzung zum Teil mit eingeflossen.

Vertritt das Bibel-Projekt die Ersatztheologie?

Um vor allem Menschen zu erreichen, die keine oder nur geringe Kenntnisse der Bibel und ihrer Geschichte sowie der traditionellen kirchlichen und biblischen Sprache haben, seien viele Dinge anders übersetzt worden als in traditionellen Bibelübersetzungen. So seien unter anderem nicht die üblichen dänischen Wörter für Sünde, Gnade, Barmherzigkeit oder Bund benutzt worden. Auf der Internetseite der Bibelgesellschaft heißt es zudem, dass im Neuen Testament „Israel“ übersetzt wurde mit Begriffen wie das „jüdische Volk, die Juden, Gottes auserwähltes Volk oder einfach das Volk“. Begründet wurde dies damit, dass die Mehrheit der dänischen Leser nicht wisse, „dass sich Israel im Neuen Testament insgesamt auf das Volk Gottes bezieht, mit dem er einen Bund geschlossen hat“.

Ein weltlicher Leser, der die Bibel nicht gut kenne, könnte meinen, dass sich „Israel“ nur auf ein Land bezieht, erklärt die Bibelgesellschaft. Um zu verdeutlichen, dass sich das Wort auf das ganze jüdische Volk bezieht, sei der Text anders übersetzt worden. In der von den Kirchen zugelassenen Bibel werde „Israel“ nach wie vor mit „Israel“ übersetzt.

Auf die vielfache Streichung des Wortes „Israel“ in der neuen Bibel hat unter anderem der Däne Jan Frost in einem Youtube-Video aufmerksam gemacht. Er zählte im Neuen Testament 59 von 60 Stellen des griechischen Urtextes, an denen „Israel“ durch eine andere Bezeichnung ersetzt wurde. Die überarbeitete „zeitgenössische“ Version des Neuen Testaments ist nicht neu auf dem Markt. Sie erschien bereits im Jahr 2007.

Doch auch im Alten Testament wurde „Israel“ an Dutzenden Stellen gestrichen. So heißt es in Psalm 121 ursprünglich, „der Hüter Israels schläft noch schlummert nicht“. In der neuen Bibel wurde Israel hier durch „unser“ ersetzt. Wie die Zeitung „Times of Israel“ berichtet, teilte die Bibelgesellschaft Frost gegenüber mit, durch die neue Übersetzung solle verhindert werden, dass das biblische Land Israel mit dem heutigen Staat Israel verwechselt wird. Laut Frost werde hier die sogenannte Ersatztheologie praktiziert. Diese besagt, dass durch die Kreuzigung Jesu Israel seinen Status als auserwähltes Volk Gottes verloren habe und ein Volk wie jedes andere geworden sei.

Bibelgesellschaft: „Keine politische Entscheidung“

Auf Nachfrage erklärte die Generalsekretärin der Bibelgesellschaft, Birgitte Stoklund Larsen, gegenüber Israelnetz, das Bibelprojekt folge nicht der Ersatztheologie. „Die Übersetzung der Psalmen möchte die Relevanz der Texte für die Menschen von heute hervorheben – in persönlichen Hymnen ist der Gott Davids auch der Gott des Lesers – es ist Andachtsliteratur, die auch von modernen Lesern in ihrer ganzen Stärke gelesen und gefühlt werden kann“, sagte Stoklund Larsen.

Die Entscheidung, „Israel“ im Neuen Testament mit „Juden“ oder „dem jüdischen Volk“ zu übersetzen, „wurde nur getroffen, um die Bedeutung des Textes zu vermitteln“. „Es ist eine Übersetzungsentscheidung, keine politische Entscheidung und sie hat absolut nichts mit der Boykottbewegung (BDS) zu tun“, erklärte Stoklund Larsen.

Gegenüber Israelnetz teilte die Generalsekretärin weiter mit, die Bibelgesellschaft werde die Kritik an dem Projekt überprüfen und untersuchen, ob es Stellen gibt, an denen andere Wörter verwendet werden sollten. Sie betonte, dass die „Bibel 2020“ nicht die autorisierte dänische Bibel sei.

Auf die viel geäußerte Kritik an dem Bibelprojekt geht die Bibelgesellschaft auf ihrer Internetseite unter der Rubrik „Falschmeldungen über die neue dänische Bibel“ ein. Dort weißt sie unter anderem darauf hin, dass die Wörter „Israel“ oder „Israeliten“ rund 2.000 Mal in der neuen Bibelübersetzung vorkommen.

Von: Dana Nowak

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