In den griechischen Flüchtlingscamps ist die Angst vor dem Coronavirus groß

In den griechischen Flüchtlingscamps ist die Angst vor dem Coronavirus groß

Angst vor dem Virus in Flüchtlingslagern

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) setzt sich für die Aufnahme minderjähriger Flüchtlinge aus den griechischen Camps ein. Dort herrscht mittlerweile große Angst vor einem Ausbruch des Coronavirus.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm hat am Dienstag eine sofortige Aufnahme von Flüchtlingskindern aus den Lagern auf den griechischen Inseln gefordert. „Den Schutzsuchenden in den Flüchtlingslagern droht eine Katastrophe, sobald die Erkrankung Covid-19 dort ausbricht. Sie müssen sofort an einen sicheren Ort gebracht werden.“

Diesem Aufruf schloss sich am Mittwoch die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) an: „Europa und Deutschland dürfen ihre Verantwortung für diese Menschen inmitten der Corona-Krise nicht vergessen.“ Die VEF unterstütze daher die Bemühungen, Flüchtlinge schnellstmöglich zu evakuieren. Menschen in den griechischen Flüchtlingscamps seien dem Coronavirus schutzlos ausgesetzt.

Diese Einschätzung bestätigt Sarah Bauer (Name aus Sicherheitsgründen geändert), die gerade als freiwillige Helferin auf Lesbos arbeitet, gegenüber pro. Es fehle an allem. Hauptsächlich mangele es an Zugang zu Wasser, genügend sanitären Anlagen, Seife und Desinfektionsmittel. Eine ärztliche Versorgung sei ohnehin kaum gewährleistet. Mittlerweile drücke die Angst vor dem Coronavirus die Stimmung zusätzlich. Insgesamt seien zwar weniger Menschen im Camp unterwegs, dennoch gebe es vor Ort kaum Rückzugsmöglichkeiten. „Social Distancing“, also Abstand zueinander zu halten, sei nahezu unmöglich.

„Corona-Ausbruch wäre eine Katastrophe“

Aus Angst vor dem Coronavirus, internationalen Reisebeschränkungen und der grundsätzlichen Sicherheitslage hätten einige Organisationen bereits weniger Helfer vor Ort. Wirkliche Notfallpläne gebe es aber nicht. So bestehe keine Möglichkeit, sich in Quarantänebereiche zurückzuziehen. Den Mitarbeitern bleibe nichts anderes übrig, als die Bewohner des Camps immer wieder vor größeren Menschenansammlungen zu warnen. Ein Corona-Ausbruch würde die humanitäre Situation in den Flüchtlingslagern in unvorstellbarem Maße verschlimmern. Das käme einer Katastrophe gleich, befürchtet Bauer.

Mittlerweile hingen überall Plakate, die in mehreren Sprachen über das Virus informieren. „Anfangs gab es nur einige, aber mittlerweile ist das Camp regelrecht zutapeziert.“ Einige der Flüchtlinge würden sogar selbst Mundschutze herstellen, um sich und andere vor möglichen Infektionen zu schützen.

Auf Plakaten wird über das Coronavirus informiert

Auf Plakaten wird über das Coronavirus informiert

Mit seiner Forderung, Kinder aus den Camps nach Deutschland zu holen, stützen sich Bedford-Strohm und die Freikirchen auf eine Entscheidung des Koalitionsausschusses von Anfang März. Dieser hatte entschieden, einen „angemessenen Anteil“ besonders schutzbedürftiger Kinder und Jugendlicher mit Hilfe einer „Koalition der Willigen“ innerhalb der Europäischen Union aufzunehmen. Angepeilt sind dabei 1.000 bis 1.500 Kinder, die wegen schweren Erkrankungen behandlungsbedürftig oder unbegleitet und jünger als 14 Jahre alt sind. Die Bundesregierung hatte sich bereiterklärt, einen Teil der Kinder selbst aufzunehmen.

Von: Martin Schlorke

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