Johannes Grün von „Brot für die Welt“ sieht in erster Linie die Länder des globalen Südens als die Leidtragenden des Klimawandels

Johannes Grün von „Brot für die Welt“ sieht in erster Linie die Länder des globalen Südens als die Leidtragenden des Klimawandels

„Leidtragende des Klimawandels brauchen Hilfe“

Am Montag hat in Madrid der 25. Weltklimagipfel der Vereinten Nationen begonnen. Die Hilfsorganisation „Brot für die Welt“ befüchtet, dass arme Länder ohne Hilfe mit den Folgen des Klimawandels nicht fertig werden. Die „Micha Initiative“ sieht im Klimaschutz den biblischen Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung.

Seit Montag wird im spanischen Madrid im Rahmen der UN-Klimakonferenz (United Nations Framework Convention on Climate Change, 25th Conference of the Parties, abgekürzt: COP25) darüber beraten, wie die nächsten entscheidenden Schritte zur Rettung des Klimas eingeleitet werden können. Ein Ziel von COP25 ist, die Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens weiter voranzubringen. Mit dem Abkommen von Paris will die Staatengemeinschaft erreichen, die Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter auf „deutlich unter" zwei Grad Celsius zu begrenzen – das 1,5 Grad-Ziel – und Treibhausgase, die sich schädlich auf das Klima auswirken, zu minimieren. In Madrid soll auch darüber beraten werden, wie Länder mit klimabedingten Schäden unterstützt werden können.

Johannes Grün, Leiter des Referats Wirtschaft und Umwelt bei der evangelischen Hilfsorganisation „Brot für die Welt“, liegen für COP25 vor allem zwei Dinge am Herzen. Auf Anfrage erklärte Grün: „Erstens, dass die Beiträge der einzelnen Staaten zur Vermeidung von klimaschädlichen Gasen nachgeschärft werden und die Reduktionsziele schärfer formuliert werden, und zwar jetzt.“ Zweitens müsse mehr für die getan werden, die am stärksten unter dem Klimawandel und seinen Folgen litten, aber am wenigsten zur Klimakrise beigetragen hätten. „Die Menschen in den Ländern des globalen Südens leiden schon heute unter klimabedingten Schäden und Verlusten. Dafür müssen die Verursacher, also wir in den Industrieländern, endlich Verantwortung übernehmen, und das auch finanziell.“

„Nicht leben, als hätten wir drei Planeten zur Verfügung“

Grün sieht „Brot für die Welt“ als einen „Teil der weltweiten Bewegung für die Bewahrung der Schöpfung". Aktuell sei die Organisation mit Vertretern von Partnerorganisationen in Madrid auf der UN-Klimakonferenz, damit „politische Entscheidungsträger aus erster Hand erfahren, was notwendig ist, um gegen die Folgen des Klimawandels vorzugehen, und um ambitionierten Klimaschutz in Einklang mit der 1,5 Grad-Grenze einzufordern“. Gegenüber pro erkärte Grün: „Die Menschen in Bangladesch, auf den Fiji-Inseln, in Äthiopien brauchen jetzt Unterstützung, um die Folgen der Klimakrise zu bewältigen.“

Nach Grüns Ansicht können „wir in Deutschland nicht weiter so leben, als hätten wir drei Planeten zur Verfügung“. Auf die Frage, was jeder Deutsche hier und jetzt dafür tun könne, damit nachfolgende Generationen noch eine Chance auf eine halbwegs intakte Umwelt haben, antwortete Grün: „Einerseits können wir unser persönliches Konsumverhalten ändern: Plastikmüll vermeiden, auf Flugreisen verzichten und wenn gar nicht vermeidbar anschließend kompensieren, Strom aus Erneuerbaren Energien beziehen, wenig bis gar kein Fleisch essen und unsere Ersparnisse in nachhaltige Geldanlagen investieren.“

Um jedoch die Klimakrise in den Griff zu bekommen, brauche es strukturelle Veränderungen auf politischer Ebene. „Diese Verantwortung kann nicht bei den Verbrauchern abgeladen werden.“ Dass die EU den „Klimanotstand“ ausgerufen hat, bewertet Grün als ein „richtiges und starkes Signal“. Noch wichtiger sei nun, dass Taten folgen.

Nach Angaben von „Brot für die Welt“ verursacht der Klimawandel bereits jetzt Schäden in Höhe von rund drei Milliarden Dollar jährlich – mit steigender Tendenz. Arme Länder und Menschen im Süden könnten demnach ohne Reserven nicht aus eigener Kraft fertigwerden mit den Schäden. Die Organisation fodert deshalb zusätzliche internationale Finanzzusagen für diese Länder. Die Folgen des Klimawandels entzögen immer mehr Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika die Lebensgrundlage. Nach Angaben der Weltbank treibe der Klimawandel jährlich rund 26 Millionen Menschen in Armut und vernichte Entwicklungsfortschritte von Jahrzehnten.

EU-Klimanotstand ist „Weckruf"

Das Ausrufen des Klimanotstands durch die EU versteht Stefanie Linner, Geschäftsführerin der „Micha Initiative Deutschland“, als einen „Weckruf“. Christen sollten nun endlich auch „in den eigenen Gemeinden, Unternehmen und Haushalten“ umkehren und Verhaltensweisen ändern. Diese beginnen nach Linners Ansicht „am eigenen Frühstückstisch“. Jeder Schritt hin zu einem bewussteren und nachhaltigen Konsum sei hilfreich und zu begrüßen. Die Leitfrage dabei solle lauten: Wo kommen die Sachen her, die ich kaufe, esse, mir in die Wohnung stelle, und wie werden diese produziert? Linner: „Für neue Gesetze und Regelungen sind Wahlen und politisches Engagement zentral, aber auch die zur Zeit laufenden Proteste der Fridays4Future-Bewegung sind eine Möglichkeit, sich zu beteiligen.“

Die „Micha Initiative Deutschland“ will Christen aus christlicher Überzeugung und Schöpfungsverantwortung heraus für Themen globaler Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit sensibilisieren. Auf Anfrage erkärte Linner, dass ihre Organisation mit anderen Gruppen hinter den Forderungen steht, die im Pariser Klima-Abkommen festgehalten sind. Linner: „Das bedeutet, dass eine massive Reduktion der CO2-Emissionen hin zur Emissionsneutralität notwendig ist, um das Klima- und andere Erdsysteme vor sogenannten ‚tipping points‘ (Kipppunkte; Anm. d. Red.) zu bewahren – und somit eine riesige Katastrophe zu vermeiden.“ Linner wünscht ein beherztes Handeln von Politik, Wirtschaft und der Öffentlichkeit, um dieses Ziel zu erreichen. „Alles andere bedeutet, den biblischen Auftrag der Bewahrung der Schöpfung zu missachten.“

Von: Norbert Schäfer

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