Der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Ekkehart Vetter, war einer von fast 1.000 Teilnehmern bei der Generalversammlung der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA) in Jakarta.

Der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Ekkehart Vetter, war einer von fast 1.000 Teilnehmern bei der Generalversammlung der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA) in Jakarta.

WEA-Generalversammlung im bevölkerungsreichsten muslimischen Land der Erde

Am Dienstag ging die Generalversammlung der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA) in Jakarta zu Ende. Fast 1.000 Teilnehmer aus 92 Ländern hatten an der WEA-Generalversammlung in Bogor nahe der indonesischen Hauptstadt Jakarta teilgenommen. pro hat den Vorsitzenden der Deutschen Evangelischen Allianz, Ekkehart Vetter, zu seinem Besuch in Jakarta befragt.

pro: Herr Vetter, wie war es bei der Generalversammlung der Weltweiten Evangelischen Allianz?

Ekkehart Vetter: Sehr international, 92 Nationen wurden durch die knapp 1000 Delegierten repräsentiert. Dass auch gerade der globale Süden gut vertreten war – sicher auch dem Tagungsort geschuldet –, machte die Konferenz zusätzlich interessant.

Warum fand sie ausgerechnet in Indonesien statt?

Indonesien ist das bevölkerungsreichste muslimische Land der Erde und mit 265 Millionen Einwohnern das viertbevölkerungsreichste Land der Erde. Offizielle Statistiken besagen, dass 10 Prozent davon Christen sind. Allerdings bestätigten indonesische Delegierte unabhängig voneinander, dass sie eher von etwa 20 bis 25 Prozent Christen ausgehen, was etwa 60 Millionen Menschen entspricht! Insofern sollte die Standortwahl sicher auch ein Zeichen der Unterstützung für die „Federation of Indonesia Evangelical Churches“ sein. Denn die Kirche in Indonesien wächst – unter nicht immer leichten Bedingungen!

War der Islam Thema?

In den offiziellen Themenformulierungen kam der Islam eher indirekt vor („Holistic Disciple Making and Inter-Religious and Interfaith Conversations“ oder „Holistic Disciple Making for the Persecuted Church“), in Gesprächen und Diskussionen war er ständig präsent. In meiner Tischgruppe waren Mitchristen aus Bangladesch und Nepal. Für Christen aus diesen Ländern ist der Dialog und oft auch die Auseinandersetzung mit dem Islam das tägliche Brot. Ihre Sicht auf manche Themen ist aus dieser Perspektive hochinteressant. Etwas überraschend war am Abschlussabend der indonesische Innenminister zu Gast, der sich in seinem Grußwort freundlich und freimütig zu seinem muslimischen Glauben bekannte und gleichzeitig ein Plädoyer für das friedliche Miteinander der Religionen hielt. Übrigens waren zahlreiche der Kongress-Servicekräfte in Küche, Reinigungs- und Ordnerdiensten Muslima und Muslime, ein sicher kleines, aber schönes Zeugnis dafür, dass ein friedliches Miteinander möglich ist.

Wie viele deutsche Vertreter waren dort?

Die offizielle Delegation des Hauptvorstandes der Evangelischen Allianz in Deutschland bestand aus fünf Personen. Sie sind alle Mitglieder des Hauptvorstandes: Michael Eggert vom Geschäftsführenden Vorstand, Stefanie Linner, Koordinatorin des Micha Deutschland e.V., Johannes Schmidt, Mitglied des Aufsichtsrats des Evangelischen Allianzhauses, sowie Generalsekretär Reinhardt Schink. Hinzu kamen weitere Deutsche, zum Beispiel Delegierte von Werken und Personen mit offizieller WEA-Beauftragung, etwa Thomas Schirrmacher, Johannes Reimer und Timo Plutschinski.

Wie gut war der Kontakt zu den ausländischen Kollegen möglich?

Sehr einfach. Zunächst war die Konferenz mit insgesamt sechs Tagen sehr lang, also blieb viel Zeit auch zum informellen Austausch. Es gab offizielle Networking-Zeiten, aber auch gemeinsame Mahlzeiten im Konferenzzentrum, Tischgruppen für inhaltliche Diskussionen. Da alle Teilnehmer praktisch sechs Tage unter einem Dach zusammen waren, und weitgehend in den gleichen Hotels eingebucht waren, gab es eine Fülle von Begegnungsmöglichkeiten.

Welche Botschaft geht von der Versammlung hauptsächlich aus?

Das Leitthema „Your Kingdom come“ verästelte sich in viele Unterthemen. Viele Klassiker kamen zur Sprache: Herausforderung zu entschiedener und authentischer Nachfolge; Ernstnehmen des Missionsauftrags im Alltag; Mission und Diakonie als beide Flügel glaubwürdigen Redens und Handelns in der Welt; Förderung gerade von jungen Leiterinnen und Leitern; die Notwendigkeit interreligiösen Dialogs bei gleichzeitiger Betonung, dass Jesus allein Weg, Wahrheit und Leben ist; die Bedeutung von Frieden und Versöhnung für und mit allen Menschen; die Solidarität mit der verfolgten Gemeinde Jesu und vieles mehr. Beeindruckend war für mich, dass die Delegierten, obwohl sie aus national, religiös und kulturell höchst unterschiedlichen Kontexten kamen, doch mit einem – gefühlt – hohen Maß an Übereinstimmung unterwegs sind. Das „Statement of Faith“, also die Glaubensbasis der Allianz, die in ihren verschiedenen Fassungen auf Welt- und nationaler Ebene zwar nicht völlig gleich ist, aber doch sehr hohe Schnittmengen hat, bewirkt hier direkt und oft sicher eher indirekt doch ein vergleichsweise hohes Maß an Übereinstimmung.

Was war für Sie persönlich der Höhepunkt der Reise?

Da denke ich nicht an einen einzigen Moment. Eher daran, dass die Begegnung mit Mitchristen aus der Weltchristenheit, gerade auch aus dem globalen Süden, gerade auch aus Ländern, wo Glaube an Jesus nur unter erheblichem Druck gelebt werden kann, unglaublich horizonterweiternd und bereichernd ist. In der direkten Begegnung mit Menschen aus solchen Kontexten spürt man, dass Nachfolge Jesu ganz andere Dimensionen haben kann, als wir es im wohltemperierten europäischen Kontext erleben. Und man spürt, dass wir in Europa wieder auf die Schulbank müssen, um von der Christenheit aus diesen Ländern, wo Kirchen zum Teil erheblich wachsen, zu lernen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Jörn Schumacher

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