Der evangelische Bundestagsabgeordnete Frank Heinrich ist am Samstag aus Zentralafrika zurückgekehrt

Der evangelische Bundestagsabgeordnete Frank Heinrich ist am Samstag aus Zentralafrika zurückgekehrt

„Warlords machen Christen zum Feindbild“

Die Lage der Christen in der Zentralafrikanischen Republik ist schwierig. Regelmäßig berichten Menschenrechtler von Zusammenstößen mit muslimischen Gruppen, mangelnder Religionsfreiheit und Vertreibung. Der Bundestagsabgeordnete und evangelische Christ Frank Heinrich (CDU) hat das Land in der vergangenen Woche besucht.

pro: Herr Heinrich, wie geht es den Christen in der Zentralafrikanischen Republik?

Frank Heinrich: Sehr schlecht, in vieler Hinsicht! Es gibt viele Berichte über Christenverfolgung dort und das tut mir sehr weh. Es stimmt, dass Christen in einigen Regionen wegen ihres Glaubens Probleme haben, besonders da, wo Muslime die größte Gruppe sind. Das rührt aber meiner Wahrnehmung nach nicht in erster Linie von einem Religionskampf her, sondern ist die Folge einer Instrumentalisierung von Religion. Und zwar aller gegen alle. Scharfmacher, in diesem Fall Warlords, benutzen den Glauben der Menschen, um sie gegeneinander aufzustacheln. Darunter leiden viele unserer Schwestern und Brüder.

Die Hilfsorganisation für verfolgte Christen, „Open Doors“, führt in ihrem Jahresbericht eine ganze Reihe von Angriffen gegen Kirchen und Gewalt gegen christliche Geistliche auf. Warum richtet sich die Gewalt gezielt gegen Christen, wenn es keine Christenverfolgung gibt?

Dort werden auch Moscheen kaputt geschossen und Imame angegriffen. Es gibt islamistisch geprägte Milizen, die sich etwa in muslimischen Stadtvierteln positionieren. Deren Gewalt ist aber gegen alle Eindringlinge gerichtet. Dabei sind Christen oftmals ein leichtes Ziel.

Es heißt, in Zentralafrika stünden sich christlich und muslimisch geprägte Milizen gegenüber. Das klingt nach Religionskampf.

Am 6. Februar dieses Jahres hat Präsident Faustin Archange Touadéra – ein Baptist übrigens – es geschafft, einen Friedensvertrag mit 14 dieser Milizen auszuhandeln. Darunter sind christliche und islamistisch geprägte Gruppen. Im Falle der Christen würde ich sagen: Das sind keine religiösen Extremisten. Sondern politische Oppositionelle oder Aufständische, die kulturell bedingt unter ihresgleichen kämpfen. Die stellen sich nicht gezielt gegen Andersgläubige, sondern gegen die, die ihren Zielen im Weg stehen.

Und welche sind das?

Es geht den meisten Milizen um Land. Sie erkämpfen und verteidigen ihre Gebiete gegen ethnisch anders geprägte Gruppen. Das trifft auch Christen, aber ihr Glaube ist nicht der Grund für einen solchen Angriff.

Frank Heinrich gemeinsam mit dem Präsidenten der Zentralafrikanischen Republik, Faustin Archange Touadéra

Frank Heinrich gemeinsam mit dem Präsidenten der Zentralafrikanischen Republik, Faustin Archange Touadéra

„Open Doors“ spricht von christlichen Flüchtlingslagern, Unterdrückung und mangelnder Religionsfreiheit. Die Menschenrechtler listen Zentralafrika auf Platz 21 der größten weltweiten Christenverfolger.

Die Lage im Land ist wirklich übel. Es ist mit kleineren oder größeren Flüchtlingslagern übersät. Innerhalb der Lager gibt es muslimische und christliche Bereiche. Und es gibt dort auch Übergriffe religiöser Gruppen gegeneinander. Aber das Problem in diesem Land ist nicht die Religion. Es gibt zu wenig Medizin und eine zu schwache Infrastruktur, um Medikamente zu transportieren. In der vergangenen Woche ist dort Polio ausgebrochen, eine Krankheit, von der wir dachten, wir hätten sie besiegt. Es gibt keine Ärzte. Der äußerst schwache Staat kann seine Bürger nicht schützen. Es gibt kaum Bildung. Wasserknappheit. Das ist ein guter Nährboden, um Menschen zu instrumentalisieren.

Damit sie gegen Andersgläubige kämpfen?

Ich habe von keiner christlichen Hilfsorganisation, mit der ich gesprochen habe, gehört, dass sie wegen ihrer religiösen Ausrichtung dort Probleme hat. Das heißt nicht, dass es keine Unterdrückung von Christen gibt. Aber ich habe sie selbst nicht gesehen und nicht erlebt. Verschiedene religiöse Gruppen haben da Probleme miteinander. Und zwar, weil Warlords die Menschen, gerade auch Kindersoldaten, dazu benutzen, für sie zu kämpfen, und weil sie dazu gezielt Feindbilder aufbauen: Die Christen. Die Muslime. Oder eben dieser Stamm oder jener, die Menschen in diesem Dorf oder in jenem.

Eine interreligiöse Initiative will die Lage vor Ort befrieden, indem sie ein Haus des Friedens aufbaut. Ein Ort, an dem Muslime und Christen zusammenkommen sollen, um sich kennenzulernen. Vorbild ist das in der Planung befindliche „House of One“ in Berlin. Kann das helfen?

Es könnte helfen, Spannungen aufzulösen. Wer sich und das Gegenüber kennt, auch die Unterschiede, der ist nicht so anfällig für Missverständnisse und geht einen Weg Richtung Versöhnung. Jeder Ansatz, der Gesprächsbereitschaft untereinander und Aufklärung über den jeweils anderen erreicht, ist nützlich. Im Moment ist offenbar geplant, dass sich die Gläubigen in einer Jurte treffen. In einer Ecke könnten dann die Christen beten, in der anderen die Muslime und ab und an trifft man sich in der Mitte.

Das „House of One“ in Berlin muss sich immer wieder der Kritik stellen, Religionen vermischen zu wollen und Grenzen nicht klar genug zu ziehen.

Darüber habe ich vor einigen Tagen bei einem Fastenbrechen in Berlin mit den Leuten des „House of One“ gesprochen. Sie waren empört über den Vorwurf. Ihr Anliegen ist es, sich gegenseitig kennenzulernen. Denen geht es nicht um Religionsvermischung. Beim Fastenbrechen hat jemand ein muslimisches Gebet gesprochen, dann hat eine Jüdin einen Psalm gesungen und ein Protestant und ein Pfarrer beteten ebenfalls. Die Trennung war klar. Aber man tat es gemeinsam.

Ist es nicht naiv, zu glauben, dass ein interreligiöses Haus irgendwo im Zentrum der Zentralafrikanischen Republik das Land befrieden kann?

Am Ende kommt es darauf an, wer sich hinter das Projekt stellt, wie die Botschaft transportiert wird und wie auch die Medien es aufgreifen und wie sich die religiösen Kongregationen dazu verhalten. Wenn die Initiatoren es schaffen, Gemeinden einzubinden und ein gemeinsames Erlebnis ermöglichen, dann bin ich guter Hoffnung. Aber dazu braucht es Zeit. Das zeigt nicht zuletzt auch das Vorbild hier in Berlin. Diese Initiative begann vor acht Jahren und doch steht das Haus immer noch nicht.

Herr Heinrich, vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Anna Lutz

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