Für HMK-Missionleiter Manfred Müller steht das „treue Jesuszeugnis" an erster Stelle

Für HMK-Missionleiter Manfred Müller steht das „treue Jesuszeugnis" an erster Stelle

„Verfolgung ist oft der Preis für das Jesuszeugnis“

Seit 50 Jahren hilft die Hilfsaktion Märtyrerkirche (HMK) verfolgten Christen. HMK-Leiter Manfred Müller erklärt im pro-Interview, warum es hier nicht zuerst um eine Menschenrechtsfrage geht, sondern was vor allem wichtig ist.

pro: Ist der Begriff „Märtyrer“ nicht etwas aus der Zeit gefallen?

Manfred Müller: Das mag sein, dass der Begriff sperrig, anstößig und befremdlich wirkt. Aber er wiegt schwer. Beim Martyrium geht es nicht in erster Linie um Blut, Bedrängnis, Verfolgung, Leid und Tod, sondern vielmehr um das treue Jesuszeugnis. Märtyrer, also Menschen, die wegen dieses Zeugnisses und letztlich ihres christlichen Glaubens umgebracht wurden, fordern uns heraus, uns zu fragen, welchen Preis wir in der Nachfolge Jesu bereit wären zu zahlen. Zeugnis abzulegen vom Kreuzestod Christi ist unser Auftrag als Christen, und dieser Auftrag kann auch heute noch zum Martyrium führen.

Warum erzielt die Verfolgung von Christen weltweit so wenig Aufmerksamkeit?

Weil Christen letztlich ein Fremdkörper in der Welt sind. Jesus selbst hat seiner Gemeinde Verfolgung vorausgesagt: „Die Welt wird euch hassen!“ (Lukas 21,17) Christen haben also nicht wirklich eine Lobbygruppe. Dazu kommt, dass es auch innerhalb von Kirche und Gemeinden zu Abgrenzungen kommt. Wenn etwa Christen für Missionsbemühungen auch innerhalb der Christenheit kritisiert werden. Kommt es dann zum Martyrium, wie im November auf Nord-Sentinel (Auf der zu Indien gehörenden Insel wurde ein amerikanischer Missionar von Einheimischen getötet. Anm. d. Red.), dann heißt es schnell: „Wie kann man auch so leichtsinnig sein.“ Der Missionsauftrag wird in seiner Schwere auch in der Gemeinde an vielen Stellen gar nicht mehr verstanden. Wer deswegen Risiken eingeht, gilt als leichtsinnig oder gar dumm. Dem radikalen Säkularismus im Westen fehlt es natürlich zudem ohnehin an einer Grundsympathie für die Gemeinde Jesu – im Gegenteil sieht er hier eher ein Feindbild.

Wie wollen Sie dem entgegenwirken?

Dem entgegenzuwirken ist gar nicht unser erstes Ziel. Es geht hier nicht zuerst um eine Frage von Menschenrechten und Religionsfreiheit. Denn weltweit wollen Christen ja nicht zuerst Aufmerksamkeit für ihr Verfolgungsleiden, sondern für ihr Jesuszeugnis. Das rettende Evangelium wollen sie einer verlorenen Welt bezeugen. Die Liebe Jesu treibt sie. Verfolgung ist das, was ihnen dabei zustößt. Aber auf die Verfolgung den Fokus zu legen, würde ihre Prioritäten geradezu umkehren. Dem Verfolgungsleiden an sich entgegenwirken zu wollen, wäre aussichtslos, da uns hier ein Erfolg nicht verheißen ist. Es hilft der Förderung des Evangeliums auch nicht, wenn wir uns darüber empören. Es hilft erst recht nicht, wenn wir vergessen, dass die Verlorenheit der Menschen das noch größere Problem ist, dass Verfolgung der Preis der Verkündigung des rettenden Evangeliums sein kann – und bis zur Wiederkunft Jesu auch bleiben wird. So gehen Christen weltweit im klaren Wissen um den antichristlichen Hass hinaus, das Evangelium zu verkündigen.

Rechnen Sie damit, dass Christen auch in absehbarer Zeit hier unter Druck geraten? Welche Anzeichen lassen darauf schließen?

Ja. Alle Anzeichen stehen auf Sturm. Selbst bisher friedliche Koexistenz, wie jetzt in Sri Lanka zwischen Islam und Christentum, kann plötzlich wegbrechen. Und ja, auch im Westen dreht sich der Wind zunehmend. Die Front rückt sozusagen näher. Über sexualethische Fragen und über Fragen im Kontext der sogenannten Antidiskriminierung könnten Christen auch hierzulande schon bald Probleme bekommen. Das wird nicht frontal sein. Aber was wäre, wenn baurechtliche Bestimmungen oder bürokratische Regeln instrumentalisiert würden, um subtilen Druck aufzubauen? Das ist sicher alles noch harmlos, könnte aber noch stärker spürbar werden, wenn Gemeinnützigkeit von der „richtigen“ Haltung zur Frage der „Ehe für alle“ abhängig gemacht würde.

Wie kümmert sich HMK um verfolgte Christen?

Wir unterstützen medizinische Projekte, vermitteln Rechtsanwälte, helfen beim Wiederaufbau von zerstörten Häusern und Kirchen und bieten Hilfen zur Selbsthilfe. Darüber berichten wir auch in Deutschland, weil wir davon überzeugt sind, dass die Kirche hier davon erfahren muss, um für die verfolgten Christen zu beten, aber auch um von ihrem Mut, ihrer Hingabe und Jesus-Treue lernen zu können. Wir sind überzeugt, dass wir das, was die verfolgte Gemeinde uns vorlebt, in Deutschland dringend brauchen – nämlich Vertrauen in die Bibel und Mut zum Gebet und zum Zeugnis.

Wo ist die HMK aktiv?

Heute ist die HMK mit mehr als 130 Projekten in 45 Ländern weltweit aktiv, vorwiegend in muslimisch geprägten. In Deutschland arbeiten zehn Mitarbeiter in der Projektbetreuung und in der Informations- und Bildungsarbeit. Die Arbeit finanziert sich ausschließlich durch Spenden. Wir investieren vor allem in die Projektarbeit und kaum in Werbung. In den Projektländern arbeiten wir vorwiegend mit einheimischen Partnern zusammen, die vor Ort über die Expertise und die Kontakte verfügen.

Was ist besonders an der HMK?

Es gibt verschiedene christliche Werke, die sich gegen Diskriminierung und Verfolgung von Christen weltweit einsetzen. Die haben auch alle ihre Berechtigung. Aber die HMK ist das einzige Missionswerk, das von der verfolgten Gemeinde selber gegründet wurde. Sie ist aus der erlebten und erlittenen Not der Gemeinde heraus entstanden und hat ihren ganz besonderen Auftrag, Stimme der Märtyrer zu sein.

Wie ist die HMK entstanden?

Vor 60 Jahren hatten sich Häftlinge in rumänischen Gefängnissen untereinander das Versprechen gegeben: Wenn einer von uns frei kommt, muss er auf das Schicksal der übrigen aufmerksam machen und für die Märtyrer seine Stimme erheben. Der lutherische Pfarrer Richard Wurmbrand war damals wegen seines christlichen Glaubens lange inhaftiert. Er kam frei und hat das Versprechen eingelöst. Vor 50 Jahren wurde auf seine Initiative die HMK als Verein gegründet.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Norbert Schäfer

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