Von den mehr als 21 Millionen Bewohnern des Inselstaates Sri Lanka bekennen sich etwa zwei Millionen zum christlichen Glauben

Von den mehr als 21 Millionen Bewohnern des Inselstaates Sri Lanka bekennen sich etwa zwei Millionen zum christlichen Glauben

Bomben töten vor allem Christen

Am Ostersonntag hat sich in Sri Lanka eine Serie von Anschlägen ereignet. Unter den Todesopfern sind vor allem Christen, die in dem Land eine Minderheit darstellen und im Bürgerkrieg zwischen den Fronten standen. Übergriffe gegen Christen hatten laut Open Doors bereits 2018 zugenommen.

Am Ostersonntag haben sich in Sri Lanka insgesamt acht Explosionen ereignet, bei denen Hunderte Menschen getötet wurden. Auch Kirchen waren Ziel der Angriffe. Dort hatten sich Christen zu Ostergottesdiensten versammelt. Die Zahl der Toten bei der verheerenden Anschlagsserie in Sri Lanka ist nach Angaben der Behörden auf mehr als 200 gestiegen. Wer genau dahinter steckt, ist zur Zeit noch nicht geklärt. In Sri Lanka hat bisher keine Terrorgruppe Verantwortung für die Anschläge übernommen. Die Behörden ermitteln.

Am Sonntagmorgen wurden – soweit bis jetzt bekannt ist – in Sri Lanka auf drei Kirchen, vier Hotels und eine Wohngegend Anschläge verübt. Die Mehrzahl der Todesopfer kam Berichten zufolge in den Ostergottesdiensten ums Leben. Die Zahl der Opfer und Verletzten wurde im Lauf des Tages immer wieder nach oben korrigiert.

„Christen sind Bürger zweiter Klasse“

Ado Greve von Open Doors, einem Hilfswerk für verfolgte Christen, haben am Ostersonntag weitere Informationen erreicht. Laut einem Mitarbeiter des Hilfswerks in der Region wurde Sprengstoff in weiteren Kirchen und Hotels gefunden. Eine Prüfung der genauen Umstände stehe noch aus. In den sozialen Netzwerken würden Bilder geteilt, welche die Schwere der Explosionen erkennen ließen. „Dies ist eine sehr schwere Zeit für die Christen in diesem Land", sagte Greve. Eine der betroffenen Kirchen, die Zionskirche in Batticaloa, gehöre zu den größten Kirchen dieser Stadt. „Betet, dass Gott den Familien Trost schenken möge, die so herzzerreißende Verluste erleiden mussten“, sagte Greve.

Von den mehr als 21 Millionen Bewohnern des Inselstaates Sri Lanka bekennen sich etwa zwei Millionen zum christlichen Glauben. „Sie werden als Bürger zweiter Klasse behandelt", erklärte Greve auf Anfrage. Denn von allen Singhalesen werde erwartet, dass sie Anhänger des Buddhismus seien. „Christen aus traditionellen Kirchen erfahren etwas mehr Akzeptanz als Mitglieder von Freikirchen", erklärte Greve auf Anfrage. Wer sich vom Buddhismus oder Hinduismus abwende und Jesus Christus nachfolge, müsse mit Angriffen seitens der Familie und des sozialen Umfelds rechnen, denn Glaubenswechsel gelte als Verrat. Auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors rangiert Sri Lanka aktuell auf Platz 46 der 50 Länder, in denen es für Christen am schwierigsten und gefährlichsten ist, ihren Glauben zu leben.

Angriffe von extremistischen buddhistischen Mönchen

Die Angriffe gegen Christen in dem Land hätten im Jahr 2018 gegenüber dem Vorjahr erheblich zugenommen, berichtet Greve. Die Übergriffe gingen zumeist von extremistischen buddhistischen Mönchen und Hindus aus, oft aber mit Beteiligung der Bevölkerung. Greve führt einen Bericht der National Christian Evangelical Alliance of Sri Lanka (NCEASL) an. Demnach gab es von Januar bis September 2018 insgesamt 67 Vorfälle. Angriffe muslimischer Gruppen wurden demnach nicht gemeldet.

Manfred Müller, Missonsleiter des christlichen Hilfswerkes Hilfsaktion Märtyrerkirche (HMK), bestätigt die Quelle der Übergriffe gegen Christen. „Grundsätzlich geht die Gefahr gegen Christen in Sri Lanka von den Buddhisten aus, die um ihren Einfluss und ihre Vorherrschaft fürchten", erklärte Müller auf Anfrage. Insbesondere Mönche hätten Angst, Privilegien zu verlieren. Während des Bürgerkrieges, der 26 Jahre lang in dem Land tobte und 2009 zu Ende ging, hätten die Christen zudem zwischen den Fronten gestanden, da sie weder die Unterdrückung der Tamilen gutheißen konnten, noch deren terroristischen Aktionen befürworteten. „So waren die Christen von allen Seiten bedrängt", sagte Müller. Den Christen in dem Land werde vorgeworfen, das kulturelle Erbe des Landes zu zerstören. Alle sozialen Aktivitäten der Christen, wie der Bau von Schulen und Krankenhäuser, hätten in den Augen radikaler Kräfte letztlich nur ein Ziel: Buddhisten zu Christen zu machen.

Müller ist von der „Kaltblütigkeit dieser konzertierten Aktion" und dem „Ausmaß dieses Horrors" der aktuellen Angriffe erschüttert. „Wie furchtbar, dass Ostern immer wieder zum Anlass für brutalste Anschläge gegen Christen wird", erklärte Müller am Ostersonntag gegenüber pro. Gerade an hohen christlichen Feiertagen sei die Gemeinde Jesu in den Ländern, wo sie verfolgt wird, besonders gefährdet. „Beten wir für sie und helfen wir, wo wir können", sagte Müller.

Von: Norbert Schäfer

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