Zunächst inoffiziell soll Kim Jong-Un den Papst nach Nordkorea eingeladen haben. Eine Antwort steht aus

Zunächst inoffiziell soll Kim Jong-Un den Papst nach Nordkorea eingeladen haben. Eine Antwort steht aus

Papst-Besuch in Nordkorea: „Anlass zu mutigem Gebet“

Offenbar will der nordkoeranische Machthaber Kim Jong-un Papst Franziskus einladen. Menschenrechtler sehen darin eigennützige Motive, erhoffen sich aber auch klare Worte vom katholischen Oberhaupt.

Kim Jong-un könnte bald Papst Franziskus in Nordkorea begrüßen. Zumindest, wenn es nach ihm selbst geht. Das berichtete die Bild-Zeitung am Mittwoch. Menschenrechtler sehen die Einladung kritisch. „Kim Jong-un geht es nicht darum, was den Christen hilft, sondern was ihm hilft“, erklärte ein Sprecher der Organisation Open Doors dazu gegenüber pro. Das christliche Hilfswerk will verfolgten Christen weltweit helfen. Nordkorea führt seit 2002 den jährlichen Weltverfolgungsindex des Spendenwerks an und ist damit einer der größten Christenverfolger weltweit. Offenbar öffne sich Nordkorea gerade, weil Kim Jong-un es auf andere Weise nicht für überlebensfähig halte, berwertet Open Doors den Vorstoß. Das Land erhoffe sich nun wohl auch Fürsprache vom Vatikan.

Nach Open-Doors-Schätzungen leben in Nordkorea rund 4.000 Katholiken und insgesamt 300.000 bis 400.000 Christen. Etwa 50.000 bis 70.000 von ihnen seien wegen ihres Glaubens in nordkoreanischen Straflagern inhaftiert – oft bis an ihr Lebensende. Die Einladung des Papstes sei Anlass „zum mutigen und glaubensvollen Gebet“. Dieser weise nämlich immer wieder auf die Lage verfolgter Christen hin - das könne er auch bei einer persönlichen Begegnung mit dem Diktator tun.

Papst würde zum Propagandainstrument

Der Vorstandssprecher der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGfM), Martin Lessenthin, sieht eine mögliche Reise des Papstes kritisch: „Ich bin mir nahezu sicher, dass Nordkorea religiöse Freiheiten niemals zulassen wird", sagte er im Gespräch mit pro. Bei einem Besuch würde Franziskus für Propagandazwecke Kim Jong-uns missbraucht. Trete er gemeinsam mit dem Papst auf, könne er den Anschein erwecken, das Land öffne sich und das Regime sei international akzeptiert. Das nütze dem Machthaber vor Ort, um internationale Gelder zu aquirieren, nicht aber den Christen in den Gefangenenlagern. Die IGfM fordert von der nordkoreanischen Regierung, Christen, die als Zwangsarbeiter missbraucht werden, freizulassen und Folter für Regimegegner und Andersgläubige zu beenden.

Die Einladung des Papstes wurde gerüchteweise in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang verbreitet. Laut Bild-Zeitung bestätigte der Vatikan sie am Dienstag, machte aber keine Angaben dazu, ob der Papst die Reise wahrnehmen wolle. Es wäre der erste Besuch des Papstes in dem abgeriegelten Land. Offenbar war ausgrechnet der südkoreanische Präsident Moon Jae-in Überbringer der Nachricht an den Vatikan. Kim Jong-un habe die Einladung bei einem Treffen mit ihm im September ausgesprochen, berichtet die Bild. Der südkoreanische Präsident ist selbst katholischer Christ.

Von: Anna Lutz

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