Wer beim Muskathlon Fahrrad fährt, tut nicht nur sich selbst etwas gutes

Wer beim Muskathlon Fahrrad fährt, tut nicht nur sich selbst etwas gutes

Extreme Anstrengung gegen extreme Armut

Die christliche Bewegung „Der 4te Musketier“ sammelt bei Sportveranstaltungen Geld für notleidende Menschen. Die Teilnehmer berichten von Erfahrungen, die ihren Blick für Entwicklungshilfe geweitet haben.

Seit 2012 organisiert die internationale christliche Männerbewegung „Der 4te Musketier“, die ursprünglich aus den Niederlanden stammt, sogenannte „Muskathlons“ auf der ganzen Welt. Ein Muskathlon ist – wie ein Marathon – eine sportliche Ausdauerherausforderung, im Gegensatz zu diesem aber an entlegenen Orten rund um den Globus. Oft findet der Muskathlon in Ländern statt, die von Hunger, Not und Menschenhandel betroffen sind. Jeder Teilnehmer sammelt im Voraus 10.000 Euro an Spendengeldern oder vermittelt zehn Patenschaften für bedürftige Kinder in den ärmsten Regionen der Welt. Darüber hinaus trägt jeder Sportler die Reise- und Übernachtungskosten und übernimmt auch die Kosten für Impfungen selbst.

Die gesammelten Spenden fließen an eine von drei verschiedenen Hilfsorganisationen: „Compassion“, „Open Doors“ und „A21“. Diese setzen sich ein, um Kinder aus Armut zu befreien, Frauen und Mädchen aus der Sexsklaverei zu helfen und diejenigen zu unterstützen, die wegen ihres Glauben verfolgt werden. Die Beweggründe liefert Muskathlet und Vorstandsmitglied von „Der 4te Musketier Deutschland“, Ralf Pieper: „Kinder in Armut verdienen unsere Aufmerksamkeit und unsere Kraft. Dafür bin ich auch bereit, extremen Einsatz zu bringen.“

Viel Geld für den guten Zweck

Seit dem ersten Muskathlon in Ruanda 2012, an dem 30 Läufer teilnahmen, sind insgesamt über elf Millionen Euro zusammengekommen. Seit drei Jahren nehmen auch deutsche Sportler an dem Event teil. Die Männer und Frauen können sich zwischen verschiedenen Disziplinen wie einem Halbmarathon (21,1 Kilometer), einem klassischen Marathon (42,2 Kilometer), einer Wanderung von 63 Kilometern oder verschiedenen Mountainbiketouren (120 oder 400 Kilometer) entscheiden.

In Ruanda führen die Strecken durch die Savanne, durch kleine Dörfer und vorbei an Kinderzentren von Compassion. Das Hilfswerk hat vergangene Woche einen Lauf mitorganisiert. „Extremer Einsatz gegen extreme Armut“ lautete das Motto des Muskathlons in Ruanda, bei dem 130 Frauen und Männer, davon 35 aus Deutschland, sportlich ans Limit gingen und insgesamt fast eine Millionen Euro für die Arbeit von Compassion sammeln konnten. Allein 410.000 Euro davon kamen aus Deutschland.

Mehr als nur ein Sportevent

Trotz der unverzichtbaren finanziellen Hilfen gehört zum Muskathlon mehr als der Spendenlauf am Ende der Woche. „Ein Muskathlon ist eine extreme Herausforderung und Teil einer gestalteten Reise“, erklärt Stefan Rüth, Pressesprecher von „Der 4te Musketier Deutschland“, im Blick auf den Muskathlon in Ruanda. „Die Teilnehmer kommen vor Ort ganz anders mit Armut und Not in Kontakt, als es in Deutschland möglich ist.“ Neben dem Kontakt mit den von den Hilfswerken betreuten Kindern am „Kids Fun Day“ haben die Sportler auch die Möglichkeit, ihre eigenen Patenkinder vor Ort kennen zu lernen. „Manche der Sportler nehmen im nächsten Jahr wieder an einem Muskathlon teil, wenn sie diese beeindruckende Erfahrung einmal gemacht haben“, weiß Rüth. Neben den Teilnehmern aus den USA und Europa engagieren sich auch Sportler aus den jeweiligen Ländern, in denen der Lauf stattfindet. Allein in diesem Jahr haben sich bislang 630 internationale und 820 lokale Teilnehmer für die Veranstaltungen angemeldet.

Heike Rabus nimmt aus Liebe zu Afrika am Muskathlon teil, heißt es auf der Webseite der Initiative

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Beeindruckende Begegnungen vor Ort

Viele Teilnehmer machen während eines Muskathlons besondere Erfahrungen. So auch der 49-jährige Gunther Dilling, der vergangene Woche am Muskathlon in Ruanda teilnahm. Er bewältigte die Halbmarathonstrecke von 21 Kilometern. „Was mich beim Muskathlon in Ruanda besonders beeindruckt hat, war die Erfahrung, welchen großen Wert die persönliche Begegnung hat, für die Menschen dort und für mich“, ist sich der 49-jährige Notar sicher.

Auch Florian Unger, der in Ruanda beim Marathon an den Start ging, merkt, dass das Erlebte ihn geprägt hat „Sehr beeindruckt hat mich die Dankbarkeit der Menschen. Ich möchte meinen Glauben nun noch viel leidenschaftlicher leben und das Ziel nicht aus den Augen verlieren“, nimmt sich der 30-Jährige vor. Die Dankbarkeit der Menschen vor Ort war auch für Polizeihauptkommissarin Simone Schwarz aus Rosenheim deutlich zu spüren, die sogar noch im Hotel auf ihren Einsatz für benachteiligte Kinder angesprochen wurde.

Für den Chirurgen Uli Andrich hat sich in Ruanda seine Sichtweise auf finanzielle Hilfeleistungen für Menschen in Not geändert. Früher habe er gedacht, dass seine Geldspenden nicht mehr seien als ein Tropfen auf dem heißen Stein. „Nach dem Muskathlon weiß ich: Es ist ein Tropfen in ein großes Fass, das immer voller wird.“

Die nächsten Muskathlons mit deutscher Beteiligung finden im Oktober in Indonesien und im Mai 2018 in Tansania statt. Dazu bietet „Der 4te Musketier Deutschland“ im Vorfeld verschiedene Infoabende an. (pro)

Von: Lms

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