Manfred Müller von der Hilfsaktion Märtyrerkirche

Manfred Müller von der Hilfsaktion Märtyrerkirche

„Gewalt gegen Missionare radikal verschlimmert“

Am Sonntag ist der tschechische Missionar Petr Jasek nach über einem Jahr aus sudanesischer Haft entlassen und in seine Heimat gebracht worden. Er arbeitet für den amerikanischen Zweig der „Hilfsaktion Märtyrerkirche“. pro hat mit dem Missionsleiter der deutschen Sektion, Manfred Müller, über den gefährlichen Einsatz für verfolgte Christen weltweit gesprochen.

pro: Herr Müller, Petr Jasek sagte nach seiner Freilassung: „Man hat mich als Christen erniedrigt.“ Im Gefängnis soll er gefoltert worden sein. Wie geht es ihm heute?

Manfred Müller: Für jemanden, der fast 15 Monate in sudanesischen Gefängnissen zugebracht hatte, geht es Petr Jasek bemerkenswert gut, obwohl er 25 Kilogramm Gewicht verloren hat. Er ist Sonntagnacht gemeinsam mit dem tschechischen Außenminister in Prag angekommen und an einem verborgenen Ort mit seiner Familie zusammengeführt worden, nachdem er mehr als 14 Monate im Sudan in Haft war.

Jasek war ursprünglich wegen „Anstiftung zu Konflikten zwischen Gemeinschaften“ und anderer Delikte zu 24 Jahren Haft verurteilt worden. Unter anderem durch die Hilfe der tschechischen Politik ist er früher freigekommen. Was sagen Sie zu den Anschuldigungen?

Petr Jasek hat sich nichts zu Schulden kommen lassen. Petr Jasek kommt aus dem Gesundheitsbereich und hat mit seinem Wissen bedrängten Christen in ganz Afrika geholfen. So hat er unter anderem einem schwer verletzten Christen geholfen. Daraus wurde der Vorwurf auf „Anstiftung zu Konflikten“ konstruiert. Die Anschuldigung ist völlig aus der Luft gegriffen, fingiert und unhaltbar.

In welchen Ländern sind Missionare derzeit besonders gefährdet?

Das Beispiel Petr Jasek zeigt, wie gefährlich die Arbeit im Bereich „verfolgte Christen“ tatsächlich ist. Auch wir gehen ständig in solche Länder. Auf dem afrikanischen Kontinent gibt es eine Konfliktlinie, die vom Senegal bis nach Ostafrika reich. Dort trifft der Islam aus dem Norden auf das Christentum im Süden. In diesen Gebieten arbeiten wir. In Nordnigeria etwa sind Christen stark bedrängt und verfolgt. Dort kämpfen zwei Terrorgruppen, die sehr gefährlichen islamistischen Fulani und die muslimischen Terroristen der Boko Haram. Wir gehen dorthin, ermutigen die Christen und helfen ihnen. Im Jemen stehen die Christen zwischen den Fronten, die Lage ist so schlimm, dass wir dort kaum arbeiten können. In Saudi-Arabien ist es aus anderen Gründen sehr schwierig. Als Tourist bekommen Sie dort keine Probleme, aber Kontakte mit Christen sind für beide Seiten sehr gefährlich.

Hat sich die Gewalt gegen Entwicklungshelfer und Missionare in den letzten Jahren verstärkt?

Das hat sich radikal verschlimmert. Gewalt gegen Missionare hat es immer gegeben, aber eigentlich war es immer so, dass Helfer aus dem Ausland dennoch grundsätzlich sicherer waren als die Bevölkerung vor Ort. Heute gibt es derart viele Konfliktzonen und involvierte Gruppen, dass Ausländer in ähnlicher Weise gefährdet sind wie Einheimische.

Woran liegt das?

Wir beobachten eine weltweite Radikalisierung im Bereich Islamismus. Christen werden in diesem Zusammenhang auch immer mit dem potenziellen Feind in Verbindung gebracht: Also dem Westen, den USA, der CIA und so weiter. Außerdem gibt es immer Widerstände gegen Menschen, die an Jesus Christus glauben und ihn bekennen. Die Terroristen unterscheiden aber nicht. Selbst wenn Christen in einem Land freundschaftliche Beziehungen zu ihren muslimischen Nachbarn pflegen kann es sein, dass sie von Gruppen angegriffen werden, die gar nicht aus der Region stammen.

Herr Müller, vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Anna Lutz. (pro)

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