Der US-Astronaut und Politiker John Glenn verstarb am Donnerstag im Alter von 95 Jahren
Der US-Astronaut und Politiker John Glenn verstarb am Donnerstag im Alter von 95 Jahren
Februar 1962: Glenn besteigt die Raumfähre „Friendship 7“
Februar 1962: Glenn besteigt die Raumfähre „Friendship 7“
Eine Kamera an Bord machte diese Aufnahme während des Fluges
Eine Kamera an Bord machte diese Aufnahme während des Fluges

Abschied von einem Helden

Amerika nimmt Abschied von einem Helden: John Glenn, Kampfpilot, Astronaut und langjähriger Senator, verstarb am Donnerstag im Alter von 95 Jahren. Er habe jeden Tag bei seinen Einsätzen im All gebetet, sagte Glenn, der für viele Amerikaner ein Vorbild ist.

John Glenn wird in den USA wie ein Held verehrt. Er war zunächst Kampfpilot im Südpazifik, dann Testpilot der Airforce, danach Astronaut und schließlich Senator der Demokraten. Am 20. Februar 1962 war John H. Glenn der dritte Amerikaner im Weltraum und der erste, der die Erde umrundete. Insgesamt umrundete der damals 31-Jährige mit seinem Raumschiff „Friendship 7“ drei Mal die Erde. Glenn zog sich 1964 aus der NASA zurück und wurde 1974 in den US-Senat gewählt, wo er den Bundesstaat Ohio 25 Jahre lang vertrat. Im Oktober 1998 machte Senator Glenn erneut eine Reise ins All, inzwischen 77-jährig. Damit wurde er der bisher älteste Mensch im Weltraum.

Glenn war auch ein sehr gläubiger Mensch. „Auf diese Schöpfung zu schauen und nicht an Gott zu glauben ist unmöglich“ sagte Glenn in einem Interview 1998. Damals kehrte er gerade von seinem letzten Weltraumausflug zurück. Die Erfahrungen im Weltraum stärkten ihn im Glauben, sagte er. Er habe bei seinen Fahrten ins All jeden Tag gebetet, sagte der Presbyterianer.

Mark Shelhamer, Professor für Medizin an der Johns Hopkins Universität und leitender Wissenschaftler am Johnson Space Center der NASA, sagte am Donnerstag, Glenn sei ein perfektes Vorbild, nicht nur was seinen Mut und seinen wissenschaftlichen Forschergeist angeht, sondern auch seinen Glauben. „John Glenn wird immer als Beispiel genommen für jemanden, der einen starken Glauben hatte, noch bevor er Astronaut wurde, und für ihn wurde dieser durch seine Erlebnisse im Weltraum noch verstärkt.“

Abendmahl in der Raumfähre

Wie die Washington Post anlässlich des Todes Glenns berichtet, bekannten nach ihm immer wieder Astronauten, dass sich ihr Glaube durch den Besuch im Weltall verstärkt habe. James Irwin etwa kam von seinem Ausflug auf dem Mond mit der Apollo-15-Mission mit der Überzeugung zurück, dass er sein Leben Gott widmen müsse, und er gründete die Missionsgesellschaft „High Flight Foundation“. Von Irwin stammt das Zitat: „Dass Jesus über diese Erde lief, ist wichtiger, als dass ein Mann über den Mond lief.“ Irwin starb im Jahr 1991 im Alter von 61 Jahren.

Auch Buzz Aldrin, der zweite Mensch auf dem Mond, war Ältester in seiner presbyterianischen Gemeinde in Webster, Texas. Aldrin wollte 1969 das Wunder der Mondlandung symbolisch unterstreichen und Gott in diesem historischen Moment danken. Und da es jedem Astronauten erlaubt ist, einige private Gegenständen mit ins All zu nehmen, nahm Aldrin einen kleinen Kelch, etwas Abendmahlswein und ein Stück Brot mit, um ein kleines Abendmahl auf dem Mond zu feiern. Aldrin las über Funk den Bibelvers „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“ (Johannes 15,5) vor. Der Zettel, auf dem Aldrin die Worte aufgeschrieben hatte, wurde vor einigen Jahren in Dallas versteigert.

Kondolenzen via Twitter

In einem Interview mit Associated Press vor einem Jahr sagte der am Donnerstag verstorbene John Glenn, er sehe keinen Widerspruch in einem Glauben an Gott und der Evolutionstheorie, und er plädierte dafür, die Evolutionstheorie im Biologieunterricht zu lehren. „Ich glaube nicht, dass ich weniger religiös bin, wenn ich der Tatsache ins Auge blicke, dass die Wissenschaft herausgefunden hat, dass wir uns im Laufe der Evolution weiterentwickeln, das ist eine Tatsache.“ Er fügte hinzu: „Das heißt nicht, dass es weniger wundervoll ist oder dass es eine Macht geben kann, die größer ist als wir alle und die hinter allem steckt, was passiert.“

Viele bekannte Forscher würdigten Glenn über Twitter als den verstorbenen Helden. Neil deGrasse Tyson etwa, bekannter Wissenschaftsjournalist und Astrophysiker, twitterte: „Es bleiben nicht mehr viele Helden übrig: Weltkriegsveteran, Kampfpilot in Korea, Marine-Oberst, NASA-Astronaut. Senator. 73 Jahre verheiratet. John Glenn RIP 1921-2016.“

Der amerikanische Wissenschaftler und Fernsehmoderator Bill Nye twitterte: „John Glenn diente seinem Land im Weltraum und im Kongress und inspirierte eine ganze Generation.“ Der Unternehmer und Gründer des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX, Elon Musk, schrieb: „Ein Leben gut gelebt.“ (pro)

Mein Gott, ist das schön! (pro)

Alles Zufall? (pro)

Erste Kommunion im Weltraum (pro)

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