Hat sich bei der Wahl zum Bundespräsidenten in Österreich durchgesetzt: Alexander Van der Bellen
Hat sich bei der Wahl zum Bundespräsidenten in Österreich durchgesetzt: Alexander Van der Bellen

Österreich-Wahl: „Christen müssen weiter genau hinschauen“

Österreich hat sich entschieden: Mit einer knappen Mehrheit haben die Bürger Alexander Van der Bellen zum neuen Bundespräsidenten gewählt. pro hat bei der Österreichischen Evangelischen Allianz und der Evangelischen Kirche in Österreich nachgefragt, welche Konsequenzen das Ergebnis hat.

Die Bundespräsidentenwahl in Österreich war spannend bis zum Schluss. Mit einer Mehrheit von 50,3 Prozent hat sich der Grünen-Politiker Alexander Van der Bellen gegen seinen Mitbewerber Norbert Hofer von der rechtspopulistischen FPÖ durchgesetzt, der 49,7 Prozent der Stimmen erreichte. Damit haben am Ende lediglich knapp über 30.000 Stimmen den Ausschlag gegeben.

Christoph Grötzinger, Generalsekretär der Österreichischen Evangelischen Allianz, findet, „dass man beiden Kandidaten zutrauen konnte, dieses Amt nach bestem Wissen und Gewissen zum Wohle auszufüllen“. Mit Van der Bellen habe sich der Mann durchgesetzt, der viele Jahre die Politik auf Bundesebene gestaltet hat: „Er steht für einen europafreundlichen Kurs und wird Österreich im Ausland gut vertreten.“

Spaltung soll sich nicht fortsetzen

Die Direktwahl und die starke Polarisierung hätten viele Wähler mobilisiert, zur Wahl zu gehen, auch wenn das Amt des Bundespräsidenten relativ wenig realpolitische Gestaltungsmöglichkeit habe. Grötzinger hofft, dass sich bei den Nationalratswahlen 2018 die Spaltung nicht fortsetzt und sich die Österreicher nicht zu Protestwahlen verleiten lassen.

Das Wahlergebnis sei auch durch die aktuelle Flüchtlingssituation beeinflusst: „Viele Menschen haben Sorge, wie das kleine Land die Einwanderung bewältigen kann. Österreich war schon in der Vergangenheit mit vielen Flüchtlingen herausgefordert, zuletzt im Bosnien-Krieg“, erläutert der Generalsekretär. Auch das christliche Lager sei gespalten gewesen.

Vor der Stichwahl hatte die Österreichische Evangelische Allianz sich nicht zur Wahl geäußert, um dem Vorwurf einer Wahlempfehlung zu entgehen. Grötzinger hatte lediglich darum gebeten, dass die Christen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachkommen und wählen gehen. Für die Nationalratswahlen 2018 gelte es genau hinzuschauen und die Positionen der Parteien und Kandidaten differenziert zu betrachten. Dazu werde die Evangelische Allianz Fragen an die zu wählenden Parteien aussenden und deren Antworten publizieren.

Gemeinsames vor das Trennende stellen

Seine Glückwünsche an den Sieger der Wahl am Sonntag übermittelte der Bischof der Evangelisch-lutherischen Kirche in Österreich, Michael Bünker: „Ich gratuliere Alexander Van der Bellen zur Wahl, auch mit Respekt vor dem Mitbewerber Norbert Hofer“. Der Bischof dankte allen, die von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht haben: „Dazu haben ja auch die Kirchen in Österreich aufgerufen.“

Dem designierten Bundespräsidenten wünscht Bünker, „dass es ihm gelingt, das Gemeinsame vor das Trennende zu stellen, ohne dabei auf klare Positionen zu verzichten“. Das sei notwendig im Eintreten „für ein offenes und menschliches Österreich im Herzen Europas“. Die Wahlbeteiligung zeige, dass die Österreicher sich ihrer Verantwortung bewusst seien und „über den Zukunftsweg unseres Landes in verantwortungsvoller Weise entschieden haben“, sagte der Bischof dem Evangelischen Pressedienst.

Mit Alexander Van der Bellen sei jener Kandidat gewählt worden, der sich für ein weiteres Zusammenwachsen Europas einsetzen will. Bünker: „Das ist aus meiner Sicht sehr zu begrüßen, weil die Evangelischen Kirchen sich seit Jahren für das Zukunftsprojekt Europa auf Basis der Menschenrechte engagieren.“ (pro)

Von: jw

Sie können sich über Disqus, facebook, Twitter oder Google anmelden um zu kommentieren. Bitte geben Sie einen Namen, unter dem Ihr Kommentar veröffentlicht wird, und eine E-Mail-Adresse ein. Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Um Missbrauch zu vermeiden, werden wir Ihren Kommentar erst nach Prüfung auf unserer Seite freischalten. Wir behalten uns vor, nur sachliche und argumentativ wertvolle Kommentare online zu stellen. Bitte achten Sie auch darauf, dass wir Beiträge mit mehr als 1600 Zeichen nicht veröffentlichen. Mit Abgabe des Kommentars erkennen Sie die Nutzungsbedingungen an.

Datenschutz
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Moderation
Die Moderation der Kommentare liegt allein bei der Christlichen Medieninitiative pro e.V. Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in den Nutzungsbedingungen.

comments powered by Disqus